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Ian Hamilton Finlay - Eine Erinnerung an Annette

Was bleibt nach dem Entschwinden?

Münster. Wer kennt Ludwig Roth von Schreckenstein? Wer kennt Annette von Droste-Hülshoff? Was überdauert, Politik oder Poesie, Militär oder Muse, Wichtigkeit im Leben oder Worte für die Ewigkeit? Es gibt wohl nur einen Ort in Münster, wo diese Fragen brennend werden: der alte Überwasserfriedhof. Dort hat der schottische Bildhauer Ian Hamilton Finlay 1987 bescheiden einen 35 mal 75 mal 20 Zentimeter großen Sandstein an einer Pappel anbringen lassen.

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Hoch am Baum hängt die Tafel mit dem Satz der Annette von Droste-Hülshoff. Foto: Gerhard H. Kock

Heute hängt das Epitaph direkt über der Eindruck schindenden Grabstätte des Freiherrn Roth von Schreckenstein (16. November 1789 - 30. Mai 1858). Kein Geringerer als Bildhauer Friedrich Drake (1805-1882), dessen goldene Viktoria die Berliner Siegessäule krönt, soll den aufgebahrten Metall-Corpus des preußischen Kriegsministers von 1848 (20. Juni bis 7. September) geschaffen haben. Vielleicht war aber auch nur ein westfälischer Wunsch Vater dieser zur Ehre gereichenden Urheberschaft. Andere Quellen geben nämlich den Oberschlesier August Kreß (1802-1860) als Schöpfer an.

Foto: Gerhard H. Kock

Wie dem auch sei, hier trifft die Muse auf das Militär. Auf Tafeln an Kopf- und Fußende des Generals sind Wappen (vier Felder zwei Kreuze, zwei Einhörner) und Worte in Bronze gegossen: „Terrere nolo. Timere Nescio.“ („Ich will niemanden schrecken und kenne keine Angst.“). Die in Stein gehauenen Epitaph-Worte ,,Meine Lieder werden leben, wenn ich längst entschwand“ stammen von der Zeitgenossin des kommandierenden Generals Annette von Droste-Hülshoff.

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