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Baustart für die „Forschungsfertigung Batteriezelle“

Spatenstich für die Energiewende

Münster

Die Batterie-Forschungsfabrik in Amelsbüren, eines der höchstfinanzierten öffentlichen Forschungsprojekte, ist seit Dienstag mehr als nur ein Plan. Es wird nun gebaut. Für die Verantwortlichen ein Grund, das Vorhaben schon jetzt zu feiern.

Von Karin Völker

Spatenstich auf dem Gelände der künftigen Forschungsfabrik (v.l.): Reimund Neugebauer (Fraunhofer), Johannes Wessels (WWU), Martin Winter (WWU), Isabel Pfeiffer-Poensgen (NRW-Wissenschaftsministerin), Judith Pirscher (Staatssekretärin Bundesforschungsministerium), Andreas Pinkwart (NRW-Wirtschaftsminister), Karl-Heinrich Depenbrock (Bauunternehmer) Ludger Kloidt (NRW Urban) und Oberbürgermeister Markus Lewe. Foto: Matthias Ahlke

Es war am Dienstagvormittag ein besonderer erster Spatenstich – das war schon den Spaten anzusehen. Die Namen derjenigen, die hier im Nieselregen im Hansa-Business-Park feuchten Sand kameratauglich schippten, waren auf den Spaten eingraviert – Andenken an die Teilhabe an einem Projekt, das Geschichte schreiben und Zukunft sichern soll, wie in den Reden zum Baustart der „Forschungsfertigung Batteriezelle“ (FFB) immer wieder deutlich wurde.

Die Forschungsfabrik, für deren Bau ab sofort echte Bagger wühlen, soll die „deutsche und europäische Industrie zur ökonomischen und ökologischen Produktion von Batteriezellen befähigen“ – so formulierte es Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, deren jüngstes Institut nun in Münster die Forschungsfabrik entwickelt und begleitet.

Zusammen mit Partnern aus Industrie und Wirtschaft. Der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart möchte, dass die Automobilindustrie und ihre Zulieferer „in Deutschland ihre führende Rolle behalten“. Die Entwicklung innovativer Batteriezellen für unterschiedliche Anforderungen und deren Fertigung soll dafür der Schlüssel sein.

Kommentar: Ein gutes Signal

Im Tesla-Tempo werde nun in Amelsbüren gebaut – im Unterschied zum Autowerk von Elon Musk in Brandenburg mit Baugenehmigung, die wenige Tage vor dem Spatenstich durch die Stadt Münster erteilt worden sei.

Auf Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit ausgerichtet

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und Judith Pirscher, Staatssekretärin im Bundesforschungsministerium, betonten vor allem die Perspektive, hier auf Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit ausgerichtete Technologie zu entwickeln, die die Energie und Mobilitätswende zügig voranbringe und ökonomisch vielversprechend sei.

Prof. Martin Winter, Chef des Batterieforschungszentrums MEET der WWU und einer der geistigen Väter der FFB, skizzierte die Dimension der Forschungsfabrik, die Energiespeicher mit wechselnden Technologien und anderen Rohstoffen als bisher entwickeln könne.

Energiespeicher mit wechselnden Fertigungstechnologien

Wie dynamisch die Prozesse seien, illustrierte auch Prof. Jens Tübke vom Fraunhofer-Institut. Noch vor einem Jahr habe die Industrie bei der Energieversorgung ihrer Anlagen auf Erdgas gesetzt. „Jetzt wollen alle möglichst schnell davon weg“, so Tübke. Weg will sich die Batterieproduktion auch von den bewährten Rohstoffen der Lithium-Ionen-Batterie. entwickeln. Für die schwer zu beschaffenden und immer teurer werdenden Rohstoffe sollen Alternativen gefunden werden, so Winter.

Durch das Batterie-Recycling, das an einem zweiten Standort der FFB in Ibbenbüren stattfinden soll, könnten die Rohstoff-Mengen reduziert, die Batterieproduktion erheblich nachhaltiger werden, hob Prof. Johannes Wessels, Rektor der WWU, hervor.

Die Forschungsfertigung Batteriezelle

Die so oft angeklungenen Zweifel, ob ausgerechnet Münster und NRW für das ambitionierte Projekt der richtige Ort seien, waren nicht mehr zu hören. Es gebe „mit so viel Expertise keinen trefflicheren Ort“, betonte Reimund Neugebauer.

Und auch das Planungstempo von knapp drei Jahren vom Beschluss der Bundesregierung bis zum Baustart hielt niemand der verantwortlichen für zu lang. „Wir tun hier etwas weltweit völlig Neues“, so Andreas Pinkwart – und erst seit relativ kurzer Zeit sei klar, dass das Projekt nur in Münster und nicht an verschiedenen Standorten umgesetzt werde.

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