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DRK will Lehren aus Pandemie und Hochwasser ziehen

„Spontane Helfer besser einbinden“

Münster

Nach dem Jahrhunderthochwasser 2021 und der Corona-Pandemie fordert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine Modernisierung des Bevölkerungsschutzes. „Wir benötigen eine größere Wertschätzung des Ehrenamts und zugleich eine Entlastung von Bürokratie“, so der Vorsitzendes des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe, Uwe Krischer, am Freitag in Münster.

Von Marion Fenner

Mitarbeiter des DRK verteilen im August 2021 nach der Flutkatastrophe in einer zum Speisesaal umfunktionierten Halle Essen an Helfer und Anwohner. Mit den Erfahrungen aus Flut und Pandemie fordert das DRK nun eine Modernisierung des Bevölkerungsschutzes. Foto: Foto: dpa

„Der Katastrophenschutz in Nordrhein-Westfalen ist gut aufgestellt – dennoch gibt es Optimierungspotenzial“, sagt der Leiter des Rotkreuz-Büros NRW, Dr. Sascha Rolf Lüder. Einsätze während der Corona-Pandemie und auch nach der Unwetterkatastrophe hätten deutlich gemacht, an welchen Stellschrauben noch gedreht werden könne, sagt er bei einem Pressegespräch am Freitag.

Lüder fordert einen Kata­strophenschutzbedarfsplan des Landes, der ermittelt, was wo benötigt werde. „In der Corona-Pandemie sind unter anderem Schwächen bei der Logistik in Sachen Schutzausrüstung aufgefallen“, gibt Lüder ein Beispiel. Es müsse um die Frage gehen: „Wie viel Sicherheit wollen wir uns leisten?“

Bessere Vernetzung und Vorbereitung gefordert

Außerdem fordert das DRK „Sicherheitspolitik aus einem Guss“, die klare Zuständigkeiten regele. Dazu gehöre auch, dass das Land den Katastrophenfall ausrufen könne. Bisher liege das ausschließlich in der Zuständigkeit der Kreise und kreisfreien Städte, erklärt Lüder. Das bedeute, dass bei grenzüberschreitenden Notlagen mehrere Einsatzleitungen zusammenarbeiten müssten. Insgesamt sollten seiner Ansicht nach auch die Hilfsorganisationen frühzeitig eingebunden werden. „Wir erwarten vom Land ein integriertes lageunabhängiges Krisenmanagement“, betont Uwe Krischer, Landesbeauftragter für den Bevölkerungsschutz des Landesverbandes Westfalen-Lippe.

Zudem sei es wichtig, die Menschen selbst besser auf einen Krisenfall vorzubereiten. Dazu gehörten neben Aufklärungsprogrammen auch konkrete Projekte in Sachen Erste Hilfe in Kindergärten und Schulen. „Dafür haben wir fertige Konzepte, die nur umgesetzt werden müssten.“

Mehr Wertschätzung gegenüber ehrenamtlichen Helfern

Krischer fordert auch, die Spontanhelfer bei Notfalllagen, die sich über soziale Medien vernetzen, besser mit einzubinden. „Auf deren Idealismus, Spezialwissen und Material dürfen wir nicht verzichten“, stellt er klar. Das habe sich insbesondere beim Hochwassereinsatz gezeigt. Dennoch müssten auch diese Einsätze sinnvoll koordiniert werden – „und dafür benötigen wir Personal“.

Insgesamt fordern Lüder und Krischer eine bessere Wertschätzung der ehrenamtlichen Helfer, die ihre Freizeit für die Sicherheit anderer opferten. Dazu gehörten neben der regelmäßigen Einbindung bei Einsätzen auch die Beseitigung bürokratischer Hürden. Wichtig sei, dass die Ehrenamtlichen motiviert und wertgeschätzt weiter den Hilfsorganisationen die Treue halten.

Vorbereitet auf den Notfall

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