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Missbrauchsprozess Münster

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Mutter des Missbrauchsopfers

Münster

Unfassbares Leid muss ein Junge aus Münster erfahren haben. Nach bisherigen Ermittlungen und Aussagen wurde der heute Elfjährige das Opfer zahlreicher schwerer sexueller Missbrauchshandlungen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft auch gegen seine Mutter Anklage erhoben.

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Einer Frau aus Münster Foto: dpa

Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilt, soll die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten Adrian V. spätestens seit Oktober 2018 gewusst haben, dass ihr Sohn wiederholt schwer missbraucht wurde. Die Staatsanwaltschaft stützt sich dabei auf „zahlreiche IT-Asservate“ und die Aussage eines – noch nicht rechtskräftig verurteilten – weiteren Tatverdächtigen aus Aachen.

Adrian V. soll der 31-Jährigen demnach während eines gemeinsamen Urlaubs den Missbrauch eingestanden haben, ohne dass die Angeschuldigte in der Folgezeit diese Beziehung beendete. Vielmehr habe sie Adrian V. ihren Sohn weiterhin ungeschützt überlassen, wobei sie nach Bewertung der Staatsanwaltschaft weitere sexuelle Missbrauchstaten dieses Mannes im Zeitraum von November 2018 bis Mai 2020 billigend in Kauf genommen habe.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: „Die Angeschuldigte ist vor diesem Hintergrund verdächtig, durch ihre Untätigkeit bewusst in Kauf genommen und damit auch wissentlich ermöglicht zu haben, dass ihr Lebensgefährte vermutlich bei unzähligen Gelegenheiten ihren Sohn - vorrangig in der gemeinsam genutzten Wohnung - sexuell schwer missbraucht haben soll.

Diese mutmaßlichen Missbrauchshandlungen sollen ganz überwiegend dann stattgefunden haben, wenn die Angeschuldigte nicht in der Wohnung zugegen war; Gegenstand der Anklageschrift sind aber auch fünf Ereignisse, bei denen die Angeschuldigte diese vermutlichen sexuellen Missbrauchstaten ihres Lebensgefährten zum Nachteil ihres Kindes mitbekommen, aber nicht verhindert haben soll.

Zudem soll sie zahlreiche Reisen ihres Lebenspartners mit ihrem Kind ohne ihre Begleitung (insbesondere innerhalb Deutschlands) oder diverse Treffen des Münsteraners mit gesondert angeklagten Tatverdächtigen in Münster und anderen Orten geduldet haben. Während dieser Reisen bzw. bei den Treffen soll es ebenfalls zu schweren sexuellen Missbrauchshandlungen des 28-jährigen Münsteraners (und anderer Männer) an dem Jungen gekommen sein.

Entgegen ihrer gesetzlichen Verpflichtung als leibliche Mutter, ihr Kind zu beschützen, soll sie in Kenntnis der ihrem Lebensgefährten vorgeworfenen schweren sexuellen Missbrauchshandlungen diese nicht verhindert haben; nichtnachzuweisen ist der Angeschuldigten indes die Kenntnis, dass neben ihrem Lebensgefährten auch andere Männer ihren Sohn schwer sexuell missbraucht haben könnten.

Die Staatsanwaltschaft bewertet das angeklagte (passive) Verhalten der Angeschuldigten als Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch Unterlassen.

Ferner wird der Angeschuldigten vorgeworfen, im März 2019 in Anwesenheit ihres Sohnes eine sexuell motivierte Handlung zunächst an ihrem Lebensgefährten und sodann auch an dem Kind vorgenommen zu haben.

Des Weiteren besteht hinreichender Tatverdacht dafür, dass sie Ende September 2019 vermutlich in ihrer Wohnung in Münster sexuelle Handlungen mit ihrem Lebensgefährten in Anwesenheit des Jungen vorgenommen und eine anschließendesexuelle Handlung des Mannes an dem Kind nicht verhindert haben soll.

Darüber hinaus soll die Angeschuldigte während eines gemeinsamen Urlaubs in Dänemark Anfang Oktober 2019 sexuelle Handlungen mit ihrem Lebensgefährten in Gegenwart des Jungen vorgenommen, sodann ihren Sohn mit einer verbalen undsexualbezogenen Äußerung dazu ermuntert haben, eine sexuelle Handlung an dem Münsteraner vorzunehmen und bei einer sich anschließenden schweren sexuellen Missbrauchshandlung an dem Jungen durch ihren Lebensgefährten dabei gewesen und diese nicht verhindertzu haben.“

Die Angeschuldigte, für die – darauf weist die Staatsanwaltschaft explizit hin – die Unschuldsvermutung gilt, hat sich laut Staatsanwaltschaft nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Das Landgericht Münster hat nun über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

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