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Missbrauchskomplex von Münster

Staatsanwaltschaft klagt 30-Jährigen aus Hannover an

Münster

Im Missbrauchskomplex Münster hat die Staatsanwaltschaft nun gegen alle neun Tatverdächtigen, die sich aktuell in Untersuchungshaft befinden, Anklage erhoben. Am Mittwoch wurde ein 30-jähriger Mann aus Hannover angeklagt. Der Vorwurf: mehrfacher schwerer sexueller Missbrauch von Kindern. 

wn

Foto: dpa (Symbolbild)

Im Missbrauchskomplex von Münster hat die Staatsanwaltschaft weitere Anklage beim Landgericht erhoben. Die Anklageschrift richtet sich gegen einen mittlerweile 30-jährigen Mann aus Hannover, der am 30. Juni festgenommen wurde. Gegen ihn liegt laut einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft der Verdacht des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern vor. Die Anklageschrift beschreibt 13 Tatvorwürfe über einen Zeitraum von Mitte April 2019 bis Ende September 2019.

Die Ermittlungen haben laut Staatsanwaltschaft ergeben, dass der 30-jährige Beschuldigte den mutmaßlichen Haupttäter Adrian V. zu einem nicht genau feststehenden Zeitpunkt - vermutlich über das Internet - kennengelernt haben. Über ihn soll der Angeschuldigte Kontakt zu einem heute elf Jahre alten Jungen aus Münster bekommen haben. Bei diesem Kind handelt es sich um den Sohn der Lebensgefährtin des Mannes aus Münster.

Kontakte zu anderen Angeklagten

Es besteht der Verdacht, dass unter anderem in der Wohnung des Beschuldigten in Hannover, die dieser mit einem schon angeklagten 35-jährigen weiteren Tatverdächtigen aus Hannover bewohnte, wiederholt schwere sexuelle Missbrauchshandlungen zum Nachteil des Jungen aus Münster begangen wurden.

Die in der aktuellen Anklageschrift erhobenen Vorwürfe betreffen vor diesem Hintergrund zum einen sechs Vorfälle, an denen der Angeschuldigte diesen Jungen in der Wohnung in Hannover schwer sexuell missbraucht haben soll. Zudem sind drei Vorfälle Gegenstand der Anklage, die sich während eines Aufenthalts des 30-Jährigen im Juli 2019 auf Mallorca ereignet haben sollen.

Schwerer sexueller Missbrauch von zwei Jungen

An dieser Reise sollen neben dem Angeschuldigten unter anderem auch der 27-jährige Adrian V. aus Münster mit dem damals neun Jahre alten Sohn seiner Lebensgefährtin und ein weiterer, damals elfjähriger Junge mit seinem Onkel aus Kassel teilgenommen haben. Bei dem Mann aus Kassel handelt es sich um einen von der Staatsanwaltschaft Kassel gesondert verfolgten Verdächtigen.

Während dieses Aufenthalts soll der 30-Jährige den Jungen aus Münster zwei Mal und den elfjährigen Jungen einmal schwer sexuell missbraucht haben. Zu weiteren schweren sexuellen Missbrauchshandlungen zum Nachteil des Jungen aus Münster soll es während eines Aufenthalts auf Sylt, bei zwei gemeinsamen Treffen in der Wohnung von Adrian V. sowie einmal in einer Wohnung in einer Ortschaft in der Nähe von Aschaffenburg, auf die der ebenfalls angeklagte 35-jährige Tatverdächtige aus Hannover Zugriff hatte, gekommen sein.

Beschuldigter bestreitet Vorwürfe

Der nicht vorbestrafte Beschuldigte hat die Vorwürfe - sofern er sich hierzu geäußert hat - bestritten. Er hat lediglich eingeräumt, sich im Sommer 2019 auf der Insel Mallorca aufgehalten und auch mehrmals bei Adrian V. übernachtet zu haben. Bei einer der ihm vorgeworfenen Handlungen sei er nicht in Münster gewesen.

Der Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Mit dieser nunmehr siebten Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft Münster den letzten der neun Tatverdächtigen angeklagt, die sich gegenwärtig für die Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft befinden (eine Frau und acht Männer).

2520 Datenträger sichergestellt

Die polizeilichen Ermittlungen in dem Gesamtsachverhalt sind noch nicht abgeschlossen. Aufgrund des Umfangs der sichergestellten Beweismittel ist laut Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass die Auswertung noch lange Zeit in Anspruch nehmen wird. Bislang sind 1283 Asservate aus dem Bereich der Informationstechnologie bei den zahlreichen Durchsuchungsmaßnahmen sichergestellt worden. Dahinter verbergen sich 2520 Datenträger mit einer ungefähren Bruttodatenspeichermenge von 1200 Terrabyte (1,2 Petabyte).

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