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Fotoausstellung im Stadtmuseum

Münster 1973: Eine Stadt zwischen Willy Millowitsch und Ölkrise

Münster

Das Stadtmuseum setzt seine Reihe „Münster vor 50 Jahren“ fort. Mehr als 80 Aufnahmen aus dem Jahr 1973 werden präsentiert, sie liefern einen Einblick in die Entwicklungen der Stadt sowie in den damaligen Alltag der Menschen.

Münster 1973: Willy Millowitsch gibt Autogramme Foto: Stadtmuseum/Rudolf Krause

Die Unterkunft hat den Charme einer Berghütte im Allgäu. Gemütliche Holzwände, kariertes Bettzeug, in der Ecke ein Fernseher und auf dem Tisch eine Thermoskanne. Der Mann, der auf einem Stuhl Platz genommen hat, ist allerdings kein Urlauber, sondern einer der Bauarbeiter, die im Jahr 1973 die Bettentürme des Uniklinikums hochziehen – und die vermeintliche Berghütte trägt den Namen „Wohnlager“. Dort gelten strenge Regeln: Alkohol darf nur in kleinen Mengen konsumiert werden – und Frauen ist der Zutritt ausdrücklich verboten.

Die Aufnahme stammt von Rudolph Krause, damals Fotograf der Westfälischen Nachrichten. Tausende Bilder hat er dem Stadtmuseum vermacht, eine Auswahl ist ab sofort in der Ausstellung „Münster 1973“ zu sehen – der 14. der Reihe „Münster vor 50 Jahren“.

1973: Das ist das Jahr, in dem die USA aus Vietnam abziehen und US-Präsident Richard Nixon über Watergate stürzt. In dem mehrere arabische Staaten Israel angreifen und eine Ölkrise auslösen, die in Deutschland Fahrverbote zur Folge hat.

Studenten-Demo auf dem Prinzipalmarkt Foto: Stadtmuseum/Rudolf Krause

Und in Münster? Da scheint vieles seinen gewohnten Gang zu gehen. Auf dem zugefrorenen Aasee drehen Schlittschuhläufer ihre Runden, Karnevalisten lassen sich bei Freibier feiern, Willy Millowitsch gibt in einem Kaufhaus Autogramme, alte Gebäude, die den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden haben, werden abgerissen, um nichtssagenden Neubauten Platz zu machen, und wenn die Honoratioren zusammensitzen, dann sucht man auf den Fotos (meist) vergeblich nach Frauen.

Zugleich deuten sich Veränderungen in der Stadt an. Eine Ausstellung thematisiert die NS-Vergangenheit – damals noch keine Selbstverständlichkeit. Auf dem Domplatz werden Poller und Gitter aufgebaut, damit sich die Autos nicht allzu breit machen.

Auf dem Aasee wird zum ersten Mal ein „Segelbrett“ gesichtet (also ein Surfboard). In einem Großraumbüro der Landesversicherungsanstalt tauchen die ersten „Bildschirmerfassungsgeräte“ (so etwas wie die Vorläufer von Computern) auf.

In der Frauenstraße 24 wird ein Haus besetzt, und immer wieder ziehen De­monstrationen mit den unterschiedlichsten Anliegen durch die Stadt. 1973 ist zudem das Jahr, in dem Salzstraße und Ludgeristraße in Fußgängerzonen umgewandelt werden – was in der Umgebung ein Verkehrschaos zur Folge hat.

Begleitbuch aus dem Aschendorff Verlag

Mehr als 80 Fotografien werden im Stadtmuseum präsentiert, wie die Vorgängerausstellungen dürfte sich auch diese zu einem Publikumsrenner entwickeln. Zu sehen sind sie fast ein Jahr lang, bis zum 12. November 2023. Der Begleitband „Münster 1973“ (Aschendorff Verlag, 80 Seiten, 9,80 Euro) ist im Museum, aber natürlich auch im Buchhandel erhältlich.

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