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Vorschläge für Straßenbenennungen im Baugebiet Albachten-Ost

Erinnerung an vier starke Frauen

Münster-Albachten

Vier Straßen im Baugebiet Albachten-Ost sollen nach besonderen Frauen benannt werden. Ihnen soll damit ein bleibendes Andenken bewahrt werden.

Von Thomas Schubert

Die 101-Jährige Marga Spiegel sitzt am 07.11.2013 in Düsseldorf bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes NRW. Im Baugebiet Albachten-Ost soll eine Straße nach ihr benannt werden. Foto: dpa

Bleibende Erinnerung an starke Frauen: Stimmt die Bezirksvertretung Münster-West auf ihrer Sitzung am Donnerstag (7. Oktober) dem Vorschlag des Vermessungs- und Katasteramts zu, dann werden vier zentrale Straßen des geplanten Neubaugebiets Albachten-Ost nach Frauen benannt: Nach zwei Frauenrechtlerinnen und zwei Jüdinnen, die den Zweiten Weltkrieg überlebten. Es soll den Barbara-Renz-Weg, den Lily-Braun-Weg, den Nelly-Sachs-Weg und die Marga-Spiegel-Straße geben.

Bei den beiden Frauenrechtlerinnen als Namengeberinnen handelt es sich um Barbara Renz und Lily Braun. Erstgenannte lebte von 1863 bis 1955 und gilt als frühe katholische Aktivistin für Frauenbildung und Gleichstellung.

Privatlehrerin in den USA

Nach der Beendigung ihres Studiums der Philosophie, Literatur und Psychologie an der Sapienza-Universität in Rom kehrte Barbara Renz mit Abschluss ihrer Doktorarbeit nach Bayern zurück. „Da Frauen jedoch zum damaligen Zeitpunkt eine Anstellung an einer Universität nicht gestattet war, nahm sie eine fünfjährige Tätigkeit als Privatlehrerin in den USA auf. Gemeinsam mit ihrem Bruder kam sie 1902 schließlich nach Münster, wo sie eine Zweigstelle des Katholischen Frauenbundes eröffnete“, erläutert das städtische Vermessungs- und Katasteramt. In Münster hatte sie zudem die Erlaubnis, an der Universität Abendvorlesungen zu halten.

Frauenrechtlerin und Autorin Lily Braun (1865 – 1917) setzte sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Als eine der führenden Persönlichkeiten der damaligen Frauenbewegung engagierte sie sich von 1887 bis 1890 in Münster für ebendieses Ziel und war zudem Mitbegründerin des „Bundes für Mütterschutz“. Sie schrieb Artikel für die Zeitschrift „Frauenbewegung“ und gilt als wichtige Figur der frühen Frauenemanzipationsbewegung des deutschen Kaiserreiches.

Auf diesem Plan ist zu sehen, wo sich die Straßen im Baugebiet Albachten-Ost befinden, die nach bedeutenden Frauen benannt werden sollen. Foto: Stadt Münster/Vermessungs- und Katasteramt

Mit Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet

Nelly Sachs, die von 1891 bis 1970 lebte, wurde im Jahr 1966 „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“, mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Die jüdisch-deutsche Schriftstellerin war im Jahr 1940 zusammen mit ihrer Mutter vor den Nazis nach Schweden geflohen.

Zweite jüdische Namensgeberin für eine Straße in Albachten-Ost soll Marga Spiegel (1912 – 2014) sein, die zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Deutschland den Holocaust überlebte. Katholische Bauern aus dem Münsterland halfen ihnen dabei. Dazu veröffentlichte sie im Jahr 1965 das Buch „Retter in der Nacht“.

Erinnerung an die NS-Vergangenheit

Bis zu ihrem Tod engagierte Marga Spiegel sich als Zeitzeugin um die Aufrechterhaltung der Erinnerung an die NS-Vergangenheit. Sie besuchte zahlreiche Schulen und Einrichtungen im Münsterland, um von ihren Erlebnissen während der Nazi-Zeit zu berichten. Marga Spiegel wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Verdienstorden des Landes NRW geehrt.

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