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Bezirksbürgermeister Jörg Nathaus setzt auf nachhaltiges Handeln

„Veränderung beginnt unten . . .“

Münster-West

Thomas Schubert

Jörg Nathaus – hier auf dem Mecklenbecker Skate-Gelände – will als Bezirksbürgermeister mit dazu beitragen, das Thema Klimaschutz auch in Münsters Westen voranzubringen. Foto: sch

Glückwunsch noch einmal zum Posten des Bezirksbürgermeisters und zugleich die Frage: Haben Sie Respekt vor dieser Aufgabe? Schließlich waren sie bislang kein Mitglied der BV?

Nathaus: Ich habe vor jedem Amt Respekt, in das ich gewählt werde. Ich glaube, dass man ein politisches Amt sonst auch nicht vernünftig ausfüllen könnte. Das Bezirksbürgermeisteramt ist ein besonderes. Der Bezirksbürgermeister ist der Vertreter dieses großen Stadtbezirks nach außen und gleichzeitig Ansprechpartner für alle Einwohnerinnen und Einwohner. Dies stellt hohe Anforderungen. Die Resonanz, die ich nach etwas mehr als einem Monat erfahre, ist sehr positiv und ermutigend. Es ist richtig, dass ich der BV erst seit dieser Wahl angehöre. Ich habe allerdings mit einer Unterbrechung seit 2006 im Westen gelebt und auch schon lange die Arbeit unserer grünen BV-Fraktion begleitet, habe mitbekommen, was im Westen anliegt und diskutiert wird.

Bei ihrer Wahl zum Mann an der Spitze der Bezirksvertretung fehlte ihnen eine von elf fest einkalkulierten Stimmen. Hat sich geklärt, woran dies lag?

Nathaus: Dies hat sich schon am Wahlabend geklärt. Direkt nach der Sitzung ist ein BV-Mitglied zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass es wohl an der falschen Stelle das Kreuz gesetzt habe. Es sei aufgeregt gewesen, und die Lichtverhältnisse in der Wahlkabine waren nicht die besten.

Was soll beziehungsweise muss in Münsters Westen anders werden mit einem erstmals grünen Bezirksbürgermeister?

Nathaus: Besonders viele junge Menschen haben deutlich gemacht, dass wir dem Klimaschutz in der Vergangenheit zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Ich teile diese Einschätzung. Wir müssen einiges ändern, und das zügig. Da können wir auf kommunaler Ebene viel bewirken. Veränderung beginnt unten. Und genau dort will ich meinen Beitrag leisten. Nachhaltigkeit drückt sich dabei auch in vielen kleinen Entscheidungen aus: den begrünten Flachdächern, den Solaranlagen auf den Häusern, der Nutzung von Erdwärme, der Ausschöpfung der Windkraftressourcen, in der ganzheitlichen Betrachtung der Mobilität mit einem Mix unterschiedlicher Verkehrsträger – einem leistungsfähigen ÖPNV, einem gut ausgebauten Netz an Velo-Routen, sicherlich auch der E-Mobilität, um nur einige zu nennen. Dies wird auf Stadtebene geregelt. Und daran werde ich mitwirken.

Aktuelles Thema ist derzeit der Schulstandort Roxel. Soll dort Münsters dritte Gesamtschule angesiedelt werden, obwohl sich ihr grüner Parteifreund, Havixbecks Bürgermeister Jörn Möltgen, vehement dagegen verwehrt?

Nathaus: Für mich ist nicht entscheidend, was der Bürgermeister unserer Nachbarkommune, den ich sehr schätze, fordert. Für mich ist entscheidend, was für die Schülerinnen und Schüler im Stadtbezirk West und in ganz Münster wichtig ist. Hier ist die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen deutlich größer als das Angebot. Dem müssen wir als Stadt Rechnung tragen, indem wir eine dritte kommunale Gesamtschule errichten. Mit dem Schulzentrum in Roxel haben wir alles, was wir für einen geordneten Schulbetrieb benötigen. Ich werde die Möglichkeiten meines Amtes nutzen und alles daran setzen, damit diese Gesamtschule in Roxel entsteht.

Im Stadtbezirk möchten Sie das Modellprojekt einer ökologischen Kita ansiedeln. Wie soll diese aussehen?

Nathaus: Die Stadt hat  sich bis zum Jahr 2030 weitreichende Klimaschutzziele gesetzt. Klimaneutralität lässt sich nur erreichen, wenn wir in allen kommunalen Handlungsfeldern die Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium berücksichtigen. Dabei bezieht sich Nachhaltigkeit auf das Ganze: auf die Auswahl des Grundstücks bis zum Kita-Alltag. Das bedeutet, dass von der Lage des Grundstücks über Planung, Bau, Ausstattung, Betrieb und Gestaltung der Außenbereiche bis zur verkehrlichen Anbindung und Ernährung die Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium angesehen werden sollte. Beim pädagogischen Konzept sollten die Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie die Partizipation aller Beteiligten und die Inklusion zusammengeführt werden. Münsters erste nachhaltige Kita hätte ich gerne bei uns im Westen.

Sie sind passionierter Laufsportler, Neu-Mecklenbecker und haben zuvor in Roxel und Sentrup gewohnt. Haben sie Albachten, Gievenbeck und Nienberge auch schon in Laufschuhen erkundet?

Nathaus: Natürlich habe ich Roxel, Sentrup und auch schon Mecklenbeck aus Läufer-Perspektive kennengelernt. Durch die Außenbezirke von Gievenbeck bin ich auch schon gelaufen. Albachten und Nienberge stehen noch auf meiner Liste. Das gehe ich demnächst an.

Gibt es etwas, das sie den Bürgern im Stadtbezirk West zum Jahreswechsel gerne sagen möchten?

Nathaus: 2020 war coronabedingt für uns alle mit großen Einschränkungen verbunden. Besonders betroffen waren sicherlich die pflegebedürftigen und kranken Menschen, die teilweise abgeschottet leben mussten. Aber auch die Familien waren stark betroffen, die teilweise von heute auf morgen die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen mussten. Ich möchte bei dieser Gelegenheit den Krankenschwestern und Pflegern, den Ärzten, den Erziehern, den Lehrern und den vielen ehrenamtlich Tätigen für ihr großes Engagement danken. Allerdings bitte ich darum, sich noch einige Zeit an die strengen Regeln zu halten. Wir sind in der glücklichen Lage, dass Impfstoffe entwickelt wurden, durch die das Corona-Virus zurückgedrängt werden kann.

Sie sind also Befürworter der Corona-Schutzimpfungen?

Nathaus: Ich kann den Bürgern in Münsters Westen nur raten: Bitte lassen Sie sich impfen. Nur dann wird es uns gelingen, im Laufe des kommenden Jahres wieder zu einem normalen Alltag zurückzufinden.

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