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Der stationäre Einzelhandel vor dem Lockdown

Als wäre es bereits der 23. Dezember

Münster-Hiltrup/W...

Alle gehen noch einmal los. Draußen stehen sie in einer langen Schlange an, weil immer nur eine begrenzte Anzahl in das Ladenlokal darf. Drinnen ist der Teufel los. Die letzten Stunden des stationären Einzelhandels vor dem Lockdown.

Michael Grottendieck und Iris Sauer-Waltermann

Schlange stehen in Hiltrup und Wolbeck: Nicht nur in den Buchläden ist der Andrang im Schlussspurt des Weihnachtsgeschäftes riesengroß. Foto: pesa/gro

Und das ausgerechnet vor Weihnachten! Als am Wochenende in Berlin der harte Lockdown beschlossen wird, machen sich Einzelhändler und Dienstleister sofort ihre Gedanken, wie sie darauf am besten reagieren. Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit – und eines ist gewiss: Der Ansturm kommt. Am Montag und am Dienstag.

„Das ging gleich heute morgen los“, berichtet Thekla Kühn von der Hiltruper Buchhandlung von einem riesigen Andrang. Alle gehen noch einmal los. Draußen stehen sie in einer langen Schlange an, weil immer nur eine begrenzte Anzahl in das Ladenlokal dürfen. Drinnen ist der Teufel los. Thekla Kühn: „Heute ist so viel los wie ansonsten immer am 23. Dezember!“ Mit anderen Worten: der übliche Wahnsinn vor Weihnachten dieses Mal schon Mitte Dezember.

„Wir werden unser Geschäft auch am Dienstag bis 20 Uhr geöffnet halten“, kündigt Matthias Kniesel von „Hüttmann. The Fashion Family“ an. Das soll für Entzerrungen sorgen, erzählt er. Beratungen sollen in Ruhe erfolgen können. Auch sollen sich die Kunden keine Sorgen wegen möglicher Umtausche machen. „Wir finden eine Lösung“, sagt Kniesel. „Vielleicht richten wir wieder ein To-Go-Fenster ein. Wir müssen sehen, was uns am Ende gestattet wird.“

Über einen „To-Go“- oder Lieferservicedenken viele Geschäftsleute nach. Im Frühjahr haben damit Kaufleute wie Gastronomen bei ihren Kunden punkten können. Gut möglich, dass bereits in den kommenden Tagen die radelnden Händler mit ihren Waren wieder zu den Kunden kommen. „Wir wollen uns beim Bringservice möglichst mit mehreren Geschäftsleuten zusammentun“, kündigt Kniesel an. „Das wäre effektiver.“ Gespräche laufen bereits.

Die Apotheker richten sich unterdessen auf einen Ansturm bei der Verteilung von FFP-2-Masken ein, wie Dr. Martina Henrichsmann von der Clemens-Apotheke erzählt. Alle, die über 60 Jahre alt sind, aber auch Jüngere mit einer Vorerkrankung dürfen sich drei Gratis-Exemplare in ihrer Apotheke abholen. Dazu sei jedoch bis Silvester Zeit. Man müsse nicht gleich am Dienstag die Apotheken stürmen.

In Wolbeck fragen sich viele Kunden auch, wo sie den Wolbeck-Gut­schein bekommen, wenn der Kleine Bilderladen geschlossen ist. Gerade in Corona-Zeiten ist der Gutschein ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. „Wer noch Gutscheine möchte, kann sich an mich wenden“, sagt Gewerbevereins-Vorsitzende Heike Schapmann ( 01 72/ 707 77 75). Auch die Frist des Gewinnspiels, bei dem als Hauptgewinn ein Rundflug über Münster winkt, wird verlängert. „Wir nehmen auch im Neuen Jahr noch gestempelte Karten an“, so Schapmann. „Und Fliegen macht bei diesem Wetter vorerst eh keinen Spaß.“

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