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Kirchturm St. Sebastian

„Da liegt ganz klar ein Planungsfehler vor“

Münster-Amelsbüren

Das Baugerüst am Kirchturm St. Sebastian darf in den kommenden Wochen nicht abgebaut werden. Der Schutz der Fledermäuse, die im Turm Winterschlaf halten, hat Vorrang. War das den Planern nicht bekannt?

Im Kirchturm von St. Sebastian gibt es seit Jahrzehnten aktiven Fledermausschutz. Foto: Jens Shaw

Die Winterruhe der Fledermäuse, die sich gegenwärtig im Kirchturm St. Sebastian im tiefen Winterschlaf befinden, haben Vorrang vor dem Abbau des Baugerüstes. Diese Nachricht sorgt in Amelsbüren für Gesprächsstoff.

Um eines vorweg sagen: Es sind nicht die Fledermäuse, die jetzt verantwortlich sind für die Verzögerungen. Es sind auch nicht die Naturschützer, denen immer wieder vorgeworfen wird, sie würden allzu häufig bremsend eingreifen.

„Man darf die Tiere nicht aufwecken“

„Da liegt ganz klar ein Planungsfehler vor“, stellt Dr. Thomas Hövelmann vom Naturschutzbund (Nabu) zur rechtlichen Situation fest. „Die gesetzlichen Regelungen zum Fledermausschutz sind seit Langem bekannt.“

Alle heimischen Fledermausarten würden zu den streng geschützten Arten gehören. Unter besonderem Schutz stünden die Überwinterungskolonien sowie Vermehrungsstuben der Tiere. „Man darf die Tiere nicht aufwecken“, erklärt Hövelmann. Das sei strafbar.

Pfarrer Mike Netzler hatte, als er am Sonntag vor der Schützenbruderschaft das Thema ansprach, ebenfalls keinen Zweifel daran gelassen, dass der Tierschutz absoluten Vorrang habe.

Der Schutz der Fledermäuse ist in St. Sebastian seit mehreren Jahrzehnten fest verankert. Vor gut 25 Jahren hätten sich der Nabu sowie der damalige Kirchenvorstand von St. Sebastian darauf verständigt, etwas für die Tiere zu tun, sagt Richard Vennemann, der seinerzeit dabei war. Als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung, wie er ergänzt.

Kästen für Fledermäuse angebracht

Im Bereich des Turmes sowie auf dem Gewölbe seien entsprechende Kästen angebracht worden, in denen die Tiere nisten können. Dabei sei darauf geachtet worden, dass zwar Fledermäuse, nicht aber Wildtauben, in den Turm gelangen könnten.

Mitte April geht es los

Im Ort wurden zugleich Stimmen laut, welche Auswirkungen die Verzögerungen auf die Außengastronomie an der Kirche haben. Pächter Roberto Paglia hat jedoch ausschließlich die kommende Freiluftsaison im Blick. „Mitte April geht es los“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Auf der Grünfläche am Lailly-en-Val-Paltz will er erneut seine Außengastronomie anbieten.

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