Startschuss für das Stadtteilkonzept

Angelmodde im Fokus

Münster-Angelmodde

Der Stadtteil Angelmodde steht vor weitreichenden Veränderungen und ist auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität. Deswegen soll gemeinsam mit den Bürgern ein Stadtteilkonzept erarbeitet werden. Der Startschuss ist gefallen.

Markus Lütkemeyer

Der Stadtteil Angelmodde steht vor weitreichenden Veränderungen – und macht sich auf die Suche nach einer gemeinsamen Identität. Foto: mlü

Wie sieht die Zukunft in Angelmodde aus? Mit einem Stadtteilkonzept soll diese Frage im Verlauf der kommenden zwei Jahre beantwortet werden. Jetzt trafen sich dazu erstmals Mitglieder der Bezirksvertretung Südost mit den zuständigen Stadtplanerinnen.

In Corona-Zeiten fand diese Konferenz natürlich online statt. Stadtplanerin Maria Dirking erläuterte, dass Angelmodde in den kommenden Jahren wohl zu den Stadtteilen in Münster gehören wird, die überdurchschnittlich wachsen. Maßgebliche Ursache dafür ist das Baugebiet südlich der Hiltruper Straße. In Nachbarschaft zur Waldsiedlung entstehen 250 Wohneinheiten. Außerdem rechnet die Verwaltung mit einem Baugebiet nördlich der Homannstraße. An der Heidestraße entstehen ein neuer Schulstandort und ein weiteres Baugebiet. Dicke Bretter sind der Ausbau des Albersloher Weges und die Problemkreuzung am Osttor.

Überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum

Weitreichende Veränderungen stehen Angelmodde bevor. Dazu kommen die schon lange bekannten Identitätsprobleme des Stadtteils: „Angelmodde besteht aus den drei Bereichen West, Dorf und Waldsiedlung, die sich durch eine unterschiedliche Lagequalität und Entstehungsgeschichte unterscheiden. Aber auch in der Demografie und ökologischen Bewertung“, referierte Maria Dirking.

Es gibt kein gemeinsames Zentrum, dafür eine grüne Mitte. An den Rändern franst Angelmodde aus. Gremmendorf, Wolbeck und Hiltrup-Ost haben großen Einfluss auf Angelmodde. „Es ist auch für uns kein einfaches Plangebiet“, gesteht die Planerin.

Kommentar: Grenzkonflikt

Wo fängt Angelmodde an und wo hört Angelmodde auf? Diese Frage ist keinesfalls akademischer Natur – oder nur der Heimatliebe geschuldet. Ein Beispiel: Das zukünftige Stadtteilkonzept könnte für alle Zeiten festlegen, dass die geplanten Wohngebiete auf dem Westfalen-Firmengelände und am Hof Vornholt zum Ortsteil Gremmendorf gehören. Dann wird Angelmodde-West in Zukunft wohl endgültig durch seinen größeren Nachbarn im Norden definiert. Ein ähnliches Problem gibt es im Süden. Einige Unternehmen im Gewerbegebiet Am Kaiserbusch betrachten sich als Hiltruper – dabei haben sie ihren Sitz auf Angelmodder Grund und Boden. Mit dem neuem Baugebiet am Osttor rücken Hiltrup und die Waldsiedlung noch enger zusammen. Mit dem Stadtteilkonzept hat Angelmodde die Chance, seine Konturen noch rechtzeitig zu schärfen.

Trotzdem herrschte in der Videokonferenz eine Aufbruchsstimmung. „Wir freuen uns total darauf, dass es jetzt endlich losgeht“, formulierte es der Bezirksbürgermeister Peter Bensmann.

Ratsherr Dr. Michael Klenner bekräftigt: „Die Dreiteiligkeit von Angelmodde ist eine große Herausforderung. Es ist ein eigenartiger, aber liebenswerter Stadtteil. Ich glaube schon, dass es eine gemeinsame Identität gibt. Ich bin sehr froh, dass wir heute starten und losgehen.“

Auf der Suche nach einer gemeinsamen Identität

In einem ersten Schritt wurde nun ein interfraktioneller Arbeitskreis gebildet. Jede Partei, die in der Bezirksvertretung vertreten ist, darf eine Person entsenden. Das erste Treffen des Arbeitskreises soll noch im Mai stattfinden. Diese Arbeitsweise soll sicherstellen, dass die Prozesse beschleunigt werden.

Darüber hinaus ist eine intensive Bürgerbeteiligung geplant. Zum Beispiel durch Gespräche mit „Schlüsselfiguren“ des Stadtteils, also beispielsweise Vereinsvorständen. Geplant sind jeweils zu Beginn und am Ende der Zukunftswerkstatt öffentliche Veranstaltung – sofern das die Pandemie bis dahin wieder zulässt. Maria Dirking hofft sehr darauf: „Uns liegen die Präsenzveranstaltungen am Herzen.“ Demnächst sollen erste Infos zum Entwicklungskonzept online erscheinen.

Alle auf diese Weise entwickelten Maßnahmen und Projekte sollen in einen Endbericht einfließen und können dann von der Bezirksvertretung Südost beschlossen werden.

Debatte um Grenzen des Stadtteils

46 Jahre nach der Eingemeindung von Gremmendorf, Wolbeck und Angelmodde verschwimmen die Grenzen der ehemals eigenständigen Gemeinden zusehends. Besonders deutlich wird das im Norden von Angelmodde-West, wo selbst Eingeweihte ihre Probleme haben, die Grenzlinie nach Gremmendorf klar zu benennen. Bereits in der ersten Vorbesprechung mit dem Stadtplanungsamt zeichnet sich ab, dass die Definition des Plangebietes auch ein großes Thema im Stadtteilkonzept sein wird.

Eine erste Aufgabe des interfraktionellen Arbeitskreises wird es daher sein, einen kritischen Blick auf die Karte zu werfen. Das Stadtplanungsamt zieht Angelmoddes Grenzen nämlich anhand eines sogenannten „statistischen Bereiches“. Vertreter der CDU Angelmodde pochen dagegen auf die alte Gemarkung der Gemeinde Angelmodde.

Wo unterscheiden sich diese Betrachtungsweisen? Ein besonders krasses Beispiel ist der Strandhof an der Homannstraße. Die Statistik zählt ihn zu Gremmendorf. Kein Angelmodder würde dieser Ansicht folgen. Ähnliche Probleme gibt es an der Heidestraße und am Angelmodder Weg. Steht das Kunsthaus Angelmodde in Gremmendorf? Ist das Hallenbad Wolbeck ein Bauwerk auf einem Angelmodder Grundstück? Liegt der Friedhof Angelmodde (Am Hohen Ufer) in Wahrheit in Gremmendorf?

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