Bezirksvertretung Südost befürwortet drei neue Wohngebiete – jetzt ist der Rat am Zug

Bauboom mit Fragezeichen

Münster-Südost

Auf dem Westfalen-Firmenareal in Gremmendorf, am Berdel in Wolbeck sowie südlich der Hiltruper Straße in Angelmodde soll dringend benötigter neuer Wohnraum entstehen. Doch bei der Gestaltung gibt es unterschiedliche politische Auffassungen. Zumindest in der Bezirksvertretung bekamen die Projekte ihren Segen.

Von Markus Lütkemeyerund

Ein beispielloser Bau-Boom deutet sich für den Stadtbezirk Südost an. Gleich drei große neue Baugebiete in Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf wurden in der Sitzung der Bezirksvertretung am vergangenen Dienstagnachmittag auf den Weg gebracht. Doch es gab auch viel Kritik. Jetzt ist der Rat der Stadt Münster am Zug. Es steht zu vermuten, dass die Projekte dort zumindest nicht geräuschlos über die Bühne gehen.

Der Hintergrund: Die Bauprojekte südlich der Angelmodder Waldsiedlung, am Berdel in Wolbeck und auf dem ehemaligen Westfalen-Gelände wurden teils über Jahre vorbereitet – und damit unter den alten Mehrheitsverhältnissen im Rat vor der Kommunalwahl. Die Vertreter der Grünen und SPD in der Bezirksvertretung sahen daher ihre Chance gekommen, die Projekte noch einmal grundsätzlich unter die Lupe zu nehmen.

Für das Baugebiet südlich der Hiltruper Straße gibt es bereits einen fertigen Bebauungsplan, und nach der Offenlegung fehlt jetzt nur noch das Okay zum Satzungsbeschluss. Der fertige Plan weicht allerdings von den Varianten ab, die in der Bürgerversammlung im April 2019 vorgestellt worden waren. Insbesondere dem Bürgerwunsch nach einer gemäßigten Wohndichte wurde nicht gefolgt. Geplant sind 250 Wohneinheiten statt zunächst 200.

Ktirik am Lärmschutz und der Verkehrssituation

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Anja Tepe missbilligte, dass die Mehrfamilienhäuser an der Hiltruper Straße und am Albersloher Weg offenbar als „Lärmschutzwand für die besseren Wohnlagen“ gedacht seien. Die SPD befürchtet ein Verkehrschaos, weil die Kita von fünf auf sieben Gruppen aufgestockt wird, sich das aber nicht in der Verkehrsführung widerspiegele.

Der CDU-Ratsherr Dr. Michael Klenner warnte dagegen vor Verzögerungen durch eine erneute Offenlegung: „Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist riesig, und wenn wir jetzt eine Ehrenrunde drehen, verlieren wir viel Zeit.“

Die Stadtverwaltung stellte klar: Die Einfamilienhäuser seien beim Lärmschutz keineswegs von den Mehrfamilienhäusern abhängig. Eine Verwaltungsexpertin aus dem Stadtplanungsamt verwies außerdem auf ein pikantes Problem: Die Veränderungssperre für das Areal laufe demnächst aus. Wird jetzt kein Bebauungsplan beschlossen, darf der Landwirt im Südwesten der Planfläche einen Schweinemaststall errichten. Der Geruch könnte einen zweiten Anlauf für ein Baugebiet an dieser Stelle erschweren.

SPD und Grüne schlossen sich daher dem Votum von CDU und FDP sowie AfD an. Die Linken enthielten sich. Tepe: „Es ist bitter, dass wir jetzt zustimmen müssen. Wir überlassen die Gestaltung der Baugebiete der Verwaltung, anstatt selber zu gestalten.“

Sorge um den Naturschutz

Das geplante Baugebiet südlich vom Berdel in Wolbeck soll offenbar noch einmal grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt werden. Das deutete zumindest die SPD-Fraktionsvorsitzende in der BV, Sabine Metzler, an. „Wir haben mit Grünen und Volt einen Ratsantrag eingereicht, der sich mit solchen Baugebieten in sensiblen Naturbereichen befasst.“ Mit den Stimmen von CDU und FDP bekam das Projekt denkbar knapp den Segen der Bezirksvertretung.

Auf dem ehemaligen Westfalen-Firmengelände an der Heidestraße sollen Wohnraum und ein Schulstandort entstehen. Die SPD ließ sich von der Verwaltung versichern, dass auf dem Areal auch sozial geförderter Wohnbau betrieben wird. Anschließend votierte die Bezirksvertretung einstimmig mit einer Enthaltung für eine Änderung des Flächennutzungsplanes.