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Kranzniederlegung zum Volkstrauertag

Dem Grauen ein Gesicht geben

Münster-Angelmodde/Wolbeck

Die Namen der jüdischen Mitbürger auf dem jüdischen Friedhof in Wolbeck und eigenen Familienangehörige, die im Weltkrieg starben: Ratsherr Dr. Michael Klenner versuchte in seiner Ansprache zum Volkstrauertag das Grauen des Nationalsozialismus und der Weltkriege nahbar zu machen.

Von Andreas Hasenkamp

Abordnungen von Schützenbrüdern, Spielmannszug und Vereinsvertretern auf dem Weg zur Kranzniederlegung auf dem Friedhof Homannstraße. Foto: Andreas Hasenkamp

„Augen geradeaus“: Militärisch und diszipliniert klangen die Anweisungen an die Abordnungen von Schützenbrüdern, Spielmannszug und Vereinsvertretern auf dem Friedhof in Angelmodde-Dorf. Ein Respektbeweis für „die Opfer des Nationalsozialismus und der Toten zweier Weltkriege“.

Ratsherr Dr. Michael Klenner erinnerte an die Historie dieses Tages: Der Volkstrauertag, in der Bundesrepublik seit 1952 begangen, knüpft an an eine Tradition der Weimarer Republik. Der Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge grenzte sich ab vom „Sedantag“, mit dem im Kaiserreich an den Sieg über Frankreich erinnert wurde. Das NS-Regime machte daraus einen „Heldengedenktag“. Menschen mit persönlicher Erinnerung an den letzten Weltkrieg gebe es kaum noch. Klenner versuchte, „dem Grauen ein Gesicht zu geben“.

Wiederholung der Geschichte verhindern

Er wies auf die Namen jüdischer Mitbürger auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof in Wolbeck hin, dann auf eigene Familienangehörige, auf das Schicksal des Großvaters in der Uniform des Kaisers, auf Onkel, die als Soldaten starben. Letztlich aber seien „wir Nachgeborenen nicht wirklich in der Lage, die Schrecken des Krieges, die Schrecken von Faschismus und Gewaltherrschaft und die sich anschließenden Schrecken von Flucht und Vertreiben nachzuempfinden.“

Man versammle sich auch „um uns gegenseitig zu verpflichten, alles zu tun, um eine Wiederholung dieser schrecklichen Geschichte zu verhindern.“ Er bezog den Überfall der Russischen Föderation auf die Ukraine ein. So etwas habe es seit 1939 in Europa nicht mehr gegeben. „Wir sind froh, dass wir zusammen mit den anderen EU-Staaten versuchen, den Aggressor in seine Schranken zu weisen.“

Zur Weise von „Ich hatt‘ einen Kameraden“ senkten sich sechs Fahnen der Abordnungen von Vereinen. Kurz darauf wurde auch in Wolbeck am Ehrenmal an der Münsterstraße der Volkstrauertag mit einer Kranzniederlegung begangen.

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