Helmut Damwerth wird 85

Herz für Angelika und Angelmodde

Münster-Angelmodde

Als Schreiner und Politiker setzte Helmut Damwerth über Jahrzehnte Akzente. Für sein Engagement wurde er 1994 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am 19. Mai wird er 85 Jahre alt. Grund genug für einen Hausbesuch bei einem Menschen, der noch einiges zu sagen hat.

Peter Sauer

Mit einem Skiurlaub fing es an: 58 Jahre verheiratet und noch länger verliebt sind Angelika und Helmut Damwerth. Foto: Peter Sauer

„Ich bin wohl einer der ältesten Angelmodder“, sagt Helmut Damwerth zu Beginn unseres Gespräches anlässlich seines 85. Geburtstages am Mittwoch (19. Mai).

Der fünffache Vater und siebenfache Opa ist aus ganz besonderem Holze geschnitzt, um mal in der Metaphorik seines Berufes zu bleiben, der für ihn stets Berufung war. „Ich bin da so da reingewachsen“, erinnert er sich, „als ich klein war, war sich meine Verwandtschaft bereits sicher und sagte: „Das wird mal ein Schreiner.“

Sie irrte nicht. „Ich habe den Beruf gerne ausgeübt.“ Stillstand kannte er nicht. „Meine Tischlerei gehörte auch zu den ersten im Handwerk, die weibliche Lehrlinge eingestellt hatte.“

„Ich habe es gerne getan.“

Der Tischlermeister setzte über Jahrzehnte nicht nur in seinem Beruf als Schreiner Akzente, sondern auch in seinen Ehrenämtern. 1964 bis 2004 war er für CDU politisch aktiv, die ersten zehn Jahre in der politischen Vertretung der seinerzeit noch selbstständigen Gemeinde Angelmodde. Mit der kommunalen Neugliederung wechselte der Angelmodder in den münsterischen Rat und blieb dort von 1975 bis 2004. Der frühere CDU-Fraktionschef überzeugte mit Sachverstand, aber auch mit Nachhaltigkeit und Vielfalt. „Immer, wo einer gebraucht wurde, war ich zur Stelle.“ Und nie, weil er musste. „Ich habe es gerne getan.“

Dieses Glasbild der St.-Agatha-Kirche im Wohnzimmer von Helmut Damwerth zeigt: Der Tischlermeister liebt Angelmodde sehr. Foto: Peter Sauer

Gerne erinnert sich Damwerth an die neun Jahre in der Landschaftsversammlung. „Sehr zu meiner Freude konnten wir die Erweiterungen der Freilichtmuseen in Detmold und Hagen auf den Weg bringen. Vor allem die Entscheidung für das Kloster Dalheim als LWL-Landesmuseum für Klosterkultur erfreut mich noch heute. Das ist ein Juwel ganz besonderer Art.“ Dieses besucht Damwerth regelmäßig auch privat.

Sorge vor Zufallsmehrheiten

Die Politik von heute beschert ihm dagegen tiefe Sorgenfalten. „Wir haben neun Parteien im Rat der Stadt Münster. Das ist keine Demokratie mehr. Da werden Zufallsmehrheiten geschaffen.“ Zu seinem Geburtstag wünscht er sich von den Wählern, „dass es mal wieder klare Mehrheitsverhältnisse gibt.“

Was ihm, der seit 1938 in Angelmodde-West lebt, so richtig graue Haare wachsen lässt, ist die Aufteilung zwischen Gremmendorf, Angelmodde und Wolbeck. Helmut Damwerths Forderung ist klar: „Angelmodde muss angemessener wertgeschätzt werden. Das Hallenbad und die Sportanlagen in Wolbeck liegen auf Angelmodder Boden, ebenso wie die ehemalige Sauerstofffabrik. Vieles wird politisch einfach zu Gremmendorf und zu Wolbeck geschlagen, was aber eigentlich ganz klar Angelmodde ist und bleiben sollte.“ Identität mit der heimatlichen Scholle und allgemeine Wertschätzung seien wichtiger denn je, betont er. „Die klaren Gemarkungen von Angelmodde sollten einfach wieder mehr akzeptiert werden.“

Helmut Damwerth in seiner Lieblingsecke im heimischen Wohnzimmer Foto: Peter Sauer

Gerade, wenn jetzt die Stadt überlegt, auf dem Gelände der Westfalen AG/ehemalige Sauerstofffabrik neue Wohnungen und eine weiterführende Schule zu errichten. Helmut Damwerth wohnt nur einen Katzensprung von dem Gelände entfernt.

„Politisch war es schon vor 25 Jahren so weit, dass eine Umsiedlung zum Hessenweg möglich gewesen wäre, wenn der dortige Grundstücksbesitzer einverstanden gewesen wäre.“ Damwerth war damals Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses. „Ich war immer ein Kämpfer in gutem Einvernehmen , dass das Sauerstoffwerk fehl am Platze war. Aber man darf nicht vergessen: die waren auch ein wichtiger Steuerzahler für die Region.“

Aber Helmut Damwerth ist auch voll des Lobes für seine Heimat: „Mein Herz schlägt für Angelmodde, weil wir trotz der unterschiedlichen Ortsteile Dorf, West und Waldsiedlung ein hervorragendes Miteinander haben.“ Damwerth macht eine kleine Pause. „Wir brauchen aber kein viertes Angelmodde.“ Damwerth meint damit das geplante Baugebiet an der Hiltruper Straße (wir berichteten). „Es wäre nicht nicht nötig gewesen. Es liegt nicht gut. Damwerth ist sich sicher: „Angelmodde hat bessere Flächen für neue Häuser im Angebot, zumal gerade auch die Versorgungs-Infrastruktur in der Waldsiedlung respektive Clemens-August-Platz viel zu kleinteilig ist.“

Helmut Damwerth kümmert sich gerne um seinen Garten, wenn er nicht spazieren geht. „Jeder Angelmodder kann in fünf Minuten im Grünen sein. Das ist ein großer Vorteil.“

Ein Ski-Winter brachte die große Liebe

Sport trieb Schreiner Damwerth immer nur im Winter. Denn in der kalten Jahreszeit hatte sein Tischlereibetrieb immer die wenigsten Aufträge. „So konnte ich nur im Winter Urlaub machen.“ Und so ein Skiurlaub bescherte ihm auch sein großes Liebesglück. Mit seiner Frau Angelika (82) ist Helmut Damwerth mittlerweile 58 Jahre verheiratet. Sie kennen und lieben sich aber schon länger. „Mit dem Kolping bin ich seinerzeit zu einer Skifreizeit gefahren. Von Angelmodde aus. Angelika reiste mit ihrem Vater aus dem heimatlichen Karlsruhe an. Wir lernten uns kennen, schrieben später und verabredeten uns erneut zum Skifahren. Diesmal nur zu zweit.“

Die Liebe zu Angelika hält an. Beide halten zärtlich Händchen, nehmen sich innig in den Arm. Die Liebe zum Skifahren musste Helmut Damwerth schweren Herzens an den Nagel hängen. Ein Eingeständnis an das Alter. Wegen Problemen mit dem Meniskus und den Knies musste er aufhören: „Die letzte Abfahrt hatte ich in Zermatt – im Alter von 82 Jahren.“

Freude über Vanillepudding

Am Mittwoch (19. Mai) wird Helmut Damwerth 85 Jahre alt. „Coronabedingt feiern wir in Etappen im Familienkreis. Die einen kommen zum Frühstück, die anderen zum Mittagessen. Süße Sachen sind für mich wichtiger als das Hauptgericht, vor allem Vanillepudding.“

Und was wünscht er sich? „Mein Herzenswunsch ist, dass meine Frau und ich noch einige Jahre gesund bleiben.

Und politisch/gesellschaftlich? „Ich würde mich sehr über die Wiedereröffnung der WLE-Trasse freuen, das wäre auch für die neu geplante Schule von großem Vorteil.“

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