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Theaterpädagogen sensibilisieren für das Thema sexueller Missbrauch

Kinder stark machen für das „Nein“

Münster-Angelmodde

An der Eichendorffschule konnte trotz Wechselunterricht und der Corona-Schutzmaßnahmen eine Projekt stattfinden, dass Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen soll.

Markus Lütkemeyer

In Kleingruppen wurden kleine lehrreiche Theaterstücke aufgeführt und anschließend besprochen. Foto: mlü

Experten befürchteten, dass die Pandemie zu mehr Fällen von Kindesmissbrauch führen könnte. „Die Kinder sind derzeit einfach nicht mehr so sichtbar wie früher“, nennt die Schulleiterin der Eichendorffschule, Helga Runge, dafür einen Grund. „Deswegen sind wir froh, dass wir mit einem theaterpädagogischen Programm jetzt auch wieder die Persönlichkeit der Kinder stärken können.“

Vor Corona war das Präventionsprogramm ein fester Baustein im Schulalltag. Bereits seit einigen Jahren unterstützt der Verein „Menschen gegen Kindesmissbrauch“ die Schule. Eine Mutter hatte auf diese Möglichkeit der Förderung hingewiesen, und Schulleiterin Helga Runge ist froh, dass auf diese Weise die Kosten für die Eltern der Waldsiedlung niedrig bleiben.

„Mein Körper gehört mir!“

Worum geht es in dem Theaterprojekt? Kindern fällt es schwer, sich anderen anzuvertrauen, wenn sie Gewalt erfahren haben. Deswegen lautet die durchgängige Botschaft der Aufführungen und Gespräche: „Mein Körper gehört mir!“ Mit kleinen Rollenspielen und Theaterszenen werden die Kinder ermutigt, ihrem „Nein-Gefühl“ zu vertrauen, wenn Grenzen überschritten werden – und sich im Zweifelsfall Hilfe zu holen.

Das ist überhaupt die wichtigste Lektion, deswegen bekommen die Kinder am Ende der Aufführung alle eine Visitenkarte mit der „Nummer gegen Kummer“ mit nach Hause. „Steckt euch die Telefonnummer in die Brieftasche oder den Tornister und ruft da auch einfach mal so an, die sind sehr nett, denen könnt ihr immer vertrauen“, sagt der Theaterpädagoge Bernd Lagemann zur Klasse 4a zum Abschied.

Spielerischer Ansatz

Vor allem weil das Thema so ernst ist, geht es insgesamt spielerisch zu. Reime und Lieder gehen ins Ohr. Für die kleinen Theaterszenen schmeißen sich Lagemann und seine Kollegin Johanna Klapproth hinter einem Vorhang in witzige Kostüme. In einer kurzen Szene geht es auch darum, was zu tun ist, wenn merkwürdige Dinge in einem Chat gesagt werden. Am Ende fragt ein Schüler: „Kommt ihr nächste Woche wieder?“ Nein, leider erst nächstes Jahr, aber offenbar hat es viel Spaß gemacht.

„Die Kinder sind wirklich super drauf“, sagt Johanna Klapproth. „Natürlich lachen die erst einmal, wenn man Wörter wie ,Penis’ sagt“, schmunzelt Lagemann. Trotzdem merke man in den Gesprächen in den Kleingruppen regelrecht, dass das Thema den Kindern wichtig ist und es sie nachhaltig beschäftigt.

Vertrauliche und anonyme Beratung erhalten Kinder und Jugendliche montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr bei der „Nummer gegen Kummer“ unter der kostenfreien Rufnummer  116 111.

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