Heimatfreunde Angelmodde geben Band 25 ihrer Ortschroniken heraus

Schanze-Künstler und skurrile Feste

Münster-Angelmodde

Die Idee geisterte geraume Zeit durch die Köpfe: „Wir wollten schon immer etwas über die vielen Künstler aus unserem Dorf schreiben“, erklärt Karl-Josef Plaßmann von den Angelmodder Heimatfreunden. Jetzt wurde das Vorhaben realisiert.

Iris Sauer-Waltermann

Die Autoren und ihr Werk „Band 25 der Chronik Angelmodde“: (v.l.) Hans-Georg Dornhege, Karl-Josef Plaßmann, Hein Götting, Eva Dorn und Ludwig Mädel. Foto: isa

Der druckfrisch vorgelegte 25. Band der „Chronik Angelmodde“ stellt zwölf hochkarätige Maler, Bildhauer und Architekten aus dem idyllischen Ort an der Werse vor: Allein acht von ihnen gehören zur renommierten „Schanze“, unter ihnen der Mitbegründer der Künstlergemeinschaft, Bernhard Peppinghege.

Seit 1990 geben die Heimatfreunde in unregelmäßigen Abständen einzelne Chroniken zur Geschichte ihres Dorf heraus. Statt eines „dicken Wälzers“ habe man von Anfang einzelne, griffige Hefte zu verschiedenen Themenschwerpunkten bevorzugt, erläutert Plaßmann. Die Kirche, die Feuerwehr, die umliegenden Gewässer und viele Bereiche seien so nach und nach gesondert behandelt worden.

Beim aktuellen Heft dürften sich nun Kunstfreunde die Hände reiben: Der farbenprächtige, 121 Seiten starke Band im DIN-A-5 Format enthält eine Fülle von Informationen zu Künstlern, „deren Renommee weit über Münster und das Münsterland hinausgeht“, wie sich Heimatfreunde-Vorstandsmitglied Hein Götting sicher ist. Es sei durchaus erstaunlich, dass „ein so überproportional kleines Dorf so überproportional viele Künstler hervorgebracht hat“, fügt der Galerist hinzu, der in der Schrift seinen Vater Heinrich Götting porträtiert.

Auch die weiteren Namen lassen aufhorchen: So stellt Eva Dorn sowohl Bernhard Tönies als auch Vincenz Pieper, Bernhard Miesch, Hubert und Ingrid Janning, Julius Viertmann und Hermann Kissenkötter vor. Ludwig Mädel porträtiert Theo Junglas, und Karl-Josef Plaßmann präsentiert Bernhard Peppinghege. Das Besondere: Allen Autoren – mit Ausnahme von Karl-Josef Plaßmann – sind oder waren „ihre“ Künstler jeweils persönlich bekannt. Dazu kommen zwei „Eigendarstellungen“ aus den Nachlässen von Gerhard Röser und Gerhard Mennemann.

So manche Überraschung wartet beim Durchblättern auf den Leser. Man erfährt etwa, dass Bernhard Tönies die örtliche St.-Bernhard-Kirche geplant hat. Oder, dass Hermann Kissenkötter den Eingang des Hauses der Niederlande in Münster gestaltete. Und wer hätte gedacht, dass Vincenz Pieper neben einem Fenster in der Angelmodder Dorfkirche St. Agatha auch mehrere für die Ludgerikirche in Münster sowie eines für den Kölner Dom entwarf.

Eine Frage drängt sich auf: Wie erklärt sich die ungewöhnliche „Anhäufung“ äußerst kreativer Köpfe in diesem ländlichen Raum? Vielleicht war es der idyllische Ortskern, umgeben von Werse, Angel und freier Natur, die 1937 und 1938 zunächst Junglas und Kissenkötter als erste renommierte Künstler nach Angelmodde lockten. Dies erläutert Mit-Autor Hans-Georg Dornhege in seiner Einführung zu der Schrift. Ab 1943 seien weitere dazugekommen, die vor dem Bombenhagel aus Münster flohen, eine weitere Welle folgte in den 1960er Jahren.

Die Mitglieder der „Schanze“ bildeten den Kern der Gemeinschaft, die in Angelmodde hin und wieder skurrile Feste veranstaltete. So präsentiert die Chronik ein Plakat der „Zinnoberbörse“, zu der die „Künstlersiedlung“ am Rosenmontag 1948 einlud: „In sämtlichen Wartesälen des Bahnhofs Angelmodde“, so heißt es dort, „treffen sich die internationalen Bruder- und Schwesternschaften der Männer und Frauen ohne Beruf, Kohlenkerle, Matrosen, Stammgäste der „Herberge zur Heimat“, Gaukler, entnazifizierte Hebammen und sonstiges Gesocks ohne Kragen und Schuhsohlen.“

„Die Künstlergemeinschaft pflegte in Angelmodde durchaus Kontakt unter­ein­ander“, erläutert Hein Götting. „Anders als etwa in Worpswede gab es dort jedoch keinen ideologischen Überbau.“ Vielmehr habe die Freiheit der Kunst über allem gestanden.

Dass sich die Realisierung des 25. Bandes der Chroniken so lange hinzog, habe vor allem technische Gründe, nimmt Paßmann nochmals Bezug auf die Entstehungsgeschichte. „Wer Kunst zum Inhalt hat, muss farbig drucken“, erläutert er. Dies sei erst kürzlich gut möglich und bezahlbar geworden. Dankbar sei man Markus Küper vom Eidos-Verlag, der sich engagiert um die Realisierung gekümmert habe.

Rund eineinhalb Jahre dauerte die Fertigstellung, die Texte seien im Team besprochen worden. Die Redaktion hatte Plaßmann, dem diese Aufgabe „große Freude“ machte. Wenn man den einen oder anderen Autoren auch manchmal etwas „schubsen musste, damit der Text endlich überkam“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Termin

Der Öffentlichkeit wird der Band 25 der Chronik am Samstag (5. Oktober) um 17 Uhr im Gallitzin-Haus in Angelmodde vorgestellt. Dort kann das Heft auch zum Preis von zwölf Euro erworben werden. Die Präsentation wird von einer kleinen Ausstellung begleitet, die Werke der in der Chronik vorgestellten Künstler zeigt. Diese Ausstellung ist anschließend zu den Öffnungszeiten des Hauses, immer sonntags von 10.30 bis 12.30 Uhr, zu sehen.

Startseite