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Michael Harengerd  als Leiter der Biologischen Station verabschiedet

Am Anfang stand der Bauwagen

Münster-Coerde

Mehr als 50 Jahre engagierte sich Michael Harengerd für die Biologische Station Rieselfelder. Manchen Kampf für das Projekt hat er ausgefochten. Bei seinem Abschied als Leiter der Station blickte er jetzt zurück.

Der neue Leiter der Biologischen Station, Thomas Krämer (l.) bekannten Münster-Postkarte. Foto: PD

Beim Treffen des Freundes- und Förderkreises der Biologischen Station am Wochenende übergab Dr. Michael Harengerd die Leitung der Station an Dr. Thomas Krämer, der bei der Gründung des Freundeskreises 1993 maßgeblich beteiligt war.

In humorvollen Worten erinnerte Michael Harengerd daran, dass seine damals noch nicht mit ihm verheiratete Frau Brigitte ihm seinerzeit 400 DM „spendete“, damit er den ersten Bauwagen erwerben konnte. Dieser war sozusagen die Wiege der Biologischen Station – auch wenn diese formal als eingetragener Verein erst 1974 gegründet wurde.

Ständiger Kampf mit den Behörden

Die ersten 25 Jahre seien von ständigem Kampf mit den Behörden geprägt gewesen: Michael Harengerd erinnerte daran, dass einer der Hauptgegner der Pläne zum Erhalt der Rieselfelder – auch nach dem Bau der modernen Kläranlage – bis zur Reform der Kommunalvertretungen 1975 der Kreisdirektor Hermann Fechtrup – später der Oberstadtdirektor – gewesen sei. Bereits 1970 habe sich aber auch das Ministerium für Öffentliche Arbeiten – ein Ministerium für Naturschutz gab es damals noch nicht – für die Naturschutzpläne interessiert sowie ab 1971 Mitglieder der SPD-Fraktion im Rat der Stadt, die dort seit Jahrzehnten in der Opposition saßen und noch bis Mitte der 1990er-Jahre bleiben sollten. Allerdings änderten sich die Zustände sehr schnell, denn ab 1970 trat als neuer Landwirtschaftsminister Diether Deneke auf den Plan, der die Schutzbemühungen um die Rieselfelder stark unterstützte. Unter seiner Regie seien dann die Verträge mit der Stadt Münster abgeschlossen worden, wonach das Land den 230 Hektar großen Nordteil des Gebietes von 1975 an für 20 Jahre pachtete. Auch das Bundesernährungsministerium half dabei, denn es gab rund 800 000 DM für den Bau einer Biologischen Station im Jahr 1979.

Ein Fernschreiben aus dem Ministerium

Nachdem die Pläne der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (VEW) zum Bau eines Atomkraftwerkes 1975 gescheitert waren, wurde aber die Stadtverwaltung wieder aktiv. Sie plante einen riesigen Industriekomplex von 90 Hektar direkt in dem Teilgebiet, das heute das „Naturerlebnisgebiet“ ist.

Michael Harengerd schilderte, was 1984 – einmalig für die damalige Zeit – geschah: Am 12. Juli 1984 schickte der damalige Planungsminister Zöpel dem Regierungspräsidenten von Münster ein Fernschreiben, indem er ihm die Zustimmung zu den städtischen Plänen untersagte.

Daraufhin gab es innerhalb der Verwaltungsspitze und der Mehrheitsfraktion der CDU ein bis Anfang der 1990er-Jahre dauerndes Gerangel, in dem sich letztendlich der Rat unter dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven durchsetzte: Man erkannte offenbar, dass der Plan der Biologischen Station, im Südteil der Rieselfelder ein Naturerlebnisgebiet einzurichten, die bessere Variante war.

Mit Schmunzeln erinnerte Michael Harengerd die rund 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Versammlung daran, dass er 1985 zum Regierungspräsidenten zitiert worden war, weil er schon im Herbst 1984 diese Pläne öffentlich gemacht hatte. Dass es dann noch mehr als zwölf Jahre dauern sollte, bis sie mit Millionenförderung der Europäischen Union und des Landes NRW umgesetzt werden konnten, war damals noch nicht abzusehen.

Allerdings verwies er auch darauf, dass man versucht habe, „die Unabhängigkeit der Station zu untergraben“, die er auch heute noch als das wesentliche Element der Schutzbemühungen bezeichnete: Ab Ende der 1980er-Jahre versuchte die Landesregierung immer wieder, durch Förderversprechen die Station enger an den staatlichen Tropf zu binden, was 2015 aufhörte.

Abschließend verwies Michael Harengerd noch auf den gesellschaftlichen Wandel, der in den letzten 40 Jahren stattgefunden habe: Die Ausdehnung der Schulzeiten fast auf den ganzen Tag sowie die Veränderungen des Studiums über die Bologna-Regeln habe zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Aktivierung ehrenamtlich tätiger Schüler und Schülerinnen, Lehrender und Studierender geführt, die in den ersten drei Jahrzehnten die Hauptarbeit in der Station erledigt hätten. Auch die Abschaffung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und des Zivildienstes 2011 waren nicht gerade nützlich.

Der neue Leiter der Biologischen Station Rieselfelder Münster, Thomas Krämer, versicherte in seinem Schlusswort, dass alle Beteiligten froh darüber seien, dass sein langjähriger Vorgänger der Arbeit zum Schutz und zur weiteren Entwicklung der Rieselfelder erhalten bleibe.

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