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„Theater X“ präsentiert ein neues Stück an der Meerwiese

„Die Blinden“ beeindrucken

Münster-Coerde

Lange musste auch das Theater an der Meerwiese Corona bedingt pausieren. Jetzt meldet es sich zurück. Die Premiere von „Die Blinden“ kam beim Publikum gut an. Auch wenn die Atmosphäre durchaus beklemmend war.

Von Maria Conlan

Eine Gruppe von Blinden irrt durch die Dunkelheit – bei der Aufführung müssen auch die Zuschauer ohne Licht auskommen. Um so intensiver ist der Eindruck. Foto: Theater X

Mittendrin sitzt das Publikum beim neuen Stück von der Gruppe „Theater X“ bei der Premiere im Theater in der Meerwiese. Nur die Notausgangsschilder leuchten grün, wie eine Verheißung. Das Licht ist so sparsam, wie es die Sicherheitsvorschriften zuließen. Zu sehen ist das Stück „Die Blinden“.

Am liebsten hätte Regisseur Alexander V. Becker ganz auf künstliches Licht verzichtet, wenn es erlaubt gewesen wäre. Doch auch so ist die Atmosphäre dicht und stimmig. Schwarze Vorhänge umschließen die Bühne, die rund um die Zuschauer angesiedelt ist. Bunte Blätter und Baumstümpfe sind zu erkennen, Vogelgezwitscher, Krähenlärm und später ein Unwetter, folkloristische, eintönige Musik tragen als Tonkulisse zur Atmosphäre bei.

Eine knappe Stunde lang werden die Zuschauer in einen Herbstwald versetzt, wo sich eine Gruppe Blinder verirrt hat. Der sehende Priester, der sie nach Hause führen könnte, in ihr Hospiz, bleibt unauffindbar. Elf Laienschauspieler sorgen für einen ungewöhnlichen Theaterabend.

„Das Stück ist der Hammer“, „beeindruckend“, „was ganz anderes“ lauteten die Kommentare des Premierenpublikums.

Premieren-Zuschauer

Es ist fast ein Hörstück. Durch die geringe Beleuchtung sind die Personen nur schemenhaft zu erkennen. Sie sind in graue Gewänder gehüllt, wie aus einer vergangenen Zeit, grau die Erscheinung, fahl die Gesichter.

Die Stimmen kommen mal von rechts, mal von links, von vorn, von hinten, durchdringend, klagend, tröstend, flüsternd, aggressiv, doch eigentlich wirkungslos. Die Schöne ist zu hören und die Irre, das Kind schreit, aber nur in der Vorstellung, trotzdem irgendwie in der Atmosphäre spürbar.

Erschreckend viel Parallelität

Mit Recht ist dieses Stück als „Sinnentheater im Dunkeln“ angekündigt – und das unterscheidet es dann von einem Hörstück, dieses Unmittelbare und das Wissen, die Sprecher sind anwesend, auch wenn ich sie nicht sehen kann, weil die Dunkelheit mich fast dem Blindsein gleichsetzt.

Da steckt viel Symbolik in Maurice Maeterlincks Stück – und erschreckend viel Parallelität zu unserer Zeit. Eine Gruppe unorganisierter Menschen, die von Unsicherheit und Sorge geleitet werde, es aber nicht schaffen, sich zu solidarisieren. Beim Theaterstück nimmt es kein gutes Ende, auch wenn das Original ein anderes vorsieht. Becker hat den Text bearbeitet, Rollen für seine Gruppe hinzugeschrieben, jeder Part ist doppelt besetzt.

Erst die letzten Wochen konnte in Präsenz geprobt werden, davor mussten Einzelproben die Schauspieler an das Stück heranführen. Dass Becker hier mit viel Begeisterung und Einsatz an dem Stück gefeilt hat, ist spürbar und dank der engagierten Schauspieler beeindruckend realisiert.

Die nächsten Vorstellungen sind am 2. und 3. und 4. Juli.

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