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Verstorbener Pfarrer

Jürgen Hülsmann hat Coerde stark geprägt

Münster-Coerde

Als Jürgen Hülsmann 1967 in den Norden Münsters kam, gab es statt einer Kirche nur eine Baracke auf einem leeren Grundstück. Dem Pfarrer der evangelischen Andreas-Gemeinde, sind viele Weggenossen und Weggenossinnen über Jahrzehnte verbunden.

Von Iris Sauer-Waltermann

Der verstorbene Jürgen Hülsmann hat Coerde stark geprägt. Foto:

Der am 23. November verstorbene Pfarrer Jürgen Hülsmann engagierte sich auf vielen Ebenen, davon zeugen die zahlreichen Nachrufe, die bereits in unserer Zeitung veröffentlicht wurden. Aber er war auch Coerder, und zwar mit Leib und Seele.

Als er 1967 in den Norden Münsters kam, gab es statt einer Kirche nur eine Baracke auf einem leeren Grundstück. Dem Pfarrer der evangelischen Andreas-Gemeinde, der die Entwicklung des Stadtteils wesentlich mit prägte, waren und sind viele Weggenossen und Weggenossinnen über Jahrzehnte verbunden.

Jürgen Hülsmann leistete Aufbauarbeit im wahrsten Sinne des Wortes. Zunächst wurde Ende der 1960er-Jahre im Stadtteil der Kindergarten gebaut, dann das Haus der offenen Tür (HoT), das Pfarrhaus und die Kirche. Professor Lothar Kallmeyer entwarf das Kirchenzentrum mit seinem multifunktionalen Kirchenraum.

Damals gab es wenig Strukturen und noch kein Einkaufszentrum in Coerde. Da brauchte es leidenschaftliche Menschen, die zupackten. Die Gründung einer neuen Gemeinde war eine große Herausforderung für Jürgen Hülsmann und seine Frau Gislint. Aber es ergab sich damit auch die Möglichkeit zu experimentieren. Unvergessen bleibt vielen die „Praxiszelle“: Junge Theologiestudenten erhielten damals eine Unterkunft im Stadtteil und arbeiteten dafür 20 Stunden in der Gemeinde mit. Hülsmann resümierte später einmal: „Sie haben viel mehr gemacht, weil es Spaß machte.“

Ökumenische Symbolkraft

Ein weiterer Aspekt lag Jürgen Hülsmann stets am Herzen: Seine Freundschaft zu den katholischen Kollegen, so etwa zu Heinrich Wernsmann, dem langjährigen Pfarrer der 1965 gegründeten Pfarrei St. Norbert. Das Bild der beiden auf einem Tandem hatte eine hohe ökumenische Symbolkraft.

Jürgen Hülsmann prägte viele Menschen. „Mir als Coerder Kind war er mein Leben lang Freund und Ratgeber“, sagt etwa die Ratsfrau Babette Lichtenstein van Lengerich. Er habe sie ebenso einen tiefen Glauben gelehrt wie eine soziale Lebenseinstellung. „Ohne ihn wäre ich sicher heute nicht in der Politik.“

Er sei es gewesen, der sie in die evangelische Jugendarbeit geholt habe. Der dort vermittelte „unerschütterlichen Wertekompass“ sei genau das gewesen, das die Menschen damals gebraucht hätten. Jürgen Hülsmann habe den Menschen Halt gegeben, so die Politikerin – „aber nie von oben herab, sondern immer mittendrin: auf dem Karnevalswagen, mit seinem Schalkeschal, auf der Kanzel, im Jugendkeller. Meistens lachend, aber manchmal auch wie ein Donnerhall.“

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