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Theater in der Meerwiese: „Missing you and you and you . . .“

Lebenserfahrungen in Corona-Zeiten

Münster-Coerde

Um ganz persönliche Corona-Erfahrungen, aber auch poetische Anwandlungen, Instagram-Ideen, Tanz und Sehnsuchtsträume geht es beim Stück „Missing you and you and you . . .“, mit dem das Ensemble „Freudige Füße“ beim Theater in der Meerwiese begeisterte.

Von Maria Conlan

Mit durchgängigen Lachsalven wurden die Akteure des Ensembles „Freudige Füße“ vom Publikum für ihre humorvollen Darbietungen belohnt. Foto: con

Ist es möglich, komisch und unterhaltsam auf die Corona-Zeit zu blicken? Ja, wenn die „Freudigen Füße“ dazu ein Theaterstück kreieren. Am Samstag feierte es im Theater in der Meerwiese Premiere, am Sonntag folgte gleich die zweite Vorstellung. Für Dienstagabend gibt es noch Karten fürs Stück „Missing you and you and you . . .“.

75 Minuten lang unterhält das Laien-Ensemble das Publikum mit seinen ganz persönlichen Corona-Erfahrungen, aber auch poetischen Anwandlungen, Instagram-Ideen, Tanz und Sehnsuchtsträumen. Sechs Frauen sind begeistert, dass sie nach dem Lockdown endlich wieder ins Schwimmbad können. Der Bademeister – ein König seiner ganz eigenen Art – überwacht, dass auch alle Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Spielfreudige Akteure

Bei diesem Stück waren coronabedingt die dementen Mitglieder nicht dabei. Doch die Spielfreude der Akteure begeisterte auch dieses Mal und zog sich durchs gesamte Stück. Da ist die ängstliche Käthe, die auf 1,50 Meter Abstand pocht. Eine heuschnupfengeplagte Schwimmerin muss immer wieder betonen, dass ihr Niesen allergisch bedingt ist. Bademeister Günther hat alles unter Kontrolle und flirtet munter mit Jenny.

„So fühlt sich Urlaub an“, schwärmen die Schwimmerinnen, auch wenn alles streng eingeteilt ist: vom 30 Sekunden-Pflichtschwimmen bis zu den Gymnastik- und Tanzeinlagen teils mit Schwimmnudel. Beim Sicherheitstraining wird aus einem Handtuch ein übergroßer Mundschutz. Beim Kiosk der Sehnsüchte werden alle Sorgen fallen gelassen. Das Rudeltauchen zur Musik von „La Mer“ wird als „voll magisch“ kommentiert. Die Entspannungsübung „Wenn nichts mehr geht“ lehrt Schulteranspannung und Lächeln bis zum Lachyoga.

Schwimmerinnen am Blumenbeet

Zwischen den Schwimmbadszenen gibt es „Desinfektionspausen“ vom Bademeister und Gespräche der Schwimmerinnen am Blumenbeet. Die Skala der Coronaerfahrungen reicht von „Ich will mein Leben zurück“ bis hin zur Glückserfahrung bei internationalen Zoomseminaren und Freude über unnötige Besuche. Das Publikum war gut unterhalten, die durchgängigen Lachsalven haben das bewiesen.

Erpho Bell, Jessica Höhn und Michael Ganß leiten die Theatergruppe „Ensemble für Kunst mit Demenschen“. Das Künstler-Kollektiv integriert Menschen mit demenziellen Veränderungen und anderen, die mit ihnen zusammenleben und -arbeiten. Gesucht sind weitere theaterbegeisterte Mitspieler. Am 10. April (Sonntag) beginnt im Theater in der Meerwiese die neue Probenphase.

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