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Theaterstück „Let´s do Future“

Positiv denken – und dann?

Münster-Coerde

Im Jahr 2166 scheinen alle Probleme gelöst – aber nur auf dem ersten Blick. Erpho Bell und Michael Ganß begeisterten die Zuschauer mit ihrem Theaterstück „Let´s do Future“. Großen Anteil daran hatte auch das Schauspielensemble der „Freudigen Füße“.

Voller kraftvoller Ideen und tollen Performances: „Let´s do Future“ ist ein besonderes Theatererlebnis. Foto: Erpho Bell

„Wie geht’s weiter?“, stand auf zig Postkarten, die den Bühnenboden bedeckten. Am Sonntagnachmittag feierte „Let’s do Future“ das aktuelle Stück der „Freudigen Füße“ Premiere vor vollen Zuschauerreihen im Theater in der Meerwiese.

Mit der positiven Zukunft ist es so eine Sache. Da wollten Erpho Bell und Michael Ganß mit ihrem Theaterprojekt ein positives Zukunftsbild entwerfen. Doch wie soll das gehen mit der Erfahrung des Ukraine-Kriegs?

Hinzu kamen widrige Probensituationen. Aber trotz allem entstand ein einstündiges Stück, dass der Spielfreude des vielseitigen Ensembles im Alter von zwölf bis 71 Jahren gerecht wird, dessen Facetten zeigt und den verschiedenen Charakteren Entfaltungsraum gibt. „Ihr habt euch noch mal übertroffen“, lautete ein spontaner Besucherkommentar.

Verzwergen als Lösung

Das Theaterstück beginnt mit den Wünschen für die Zukunft. Sie sind zahlreich. Die Palette reicht von Weltfrieden, Toleranz, „Verzwergen der Menschen, um der Natur verträglich zu werden“ bis sauberes Trinkwasser und Liebe.

Das Publikum wird mitgenommen in das Jahr 2166, alles ist gut, alle Probleme gelöst, ein Durchschnittsalter von 130 Jahren normal. Statt Individualität gibt es kollektives Wohnen und Gruppen, die für kurze Zeit zusammenkommen, sich vorstellen, einzelne Bedürfnisse erfüllen, um sich dann erneut zu trennen.

Das ist kein großes Fest. Das höchste der Gefühle ist ein Sirtaki, der nicht so richtig in Fahrt kommen will. Eine Zukunft, in der Erinnerung was Besonderes ist und Bindungen keine große Chance haben.

„Wir haben sehr gerungen um gemeinsame Perspektiven“, fasst Spielleiter und Regisseur Erpho Bell den mühsamen Gruppenprozess der Entwicklung des Stückes zusammen. „Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen“, wenn alle technischen Hindernisse aus dem Weg geräumt sind, die großen Weltprobleme gelöst, „alle scheinen sich in einem dauerhaften Schwebezustand zu verlieren“, lautet Erpho Bells Kommentar und so auch der Tenor des Stückes.

Dauerhaft im Schwebezustand

„Freudige Füße“, der Name des Ensembles, entstammt einem Zitat eines Mitspielers mit Demenz, der nach einem positiven Gespräch diesen Ausdruck wählte und den Erpho Bell gern als Gruppennamen aufgriff. Neuzugänge sind weiterhin willkommen, auch Menschen mit dementiellen Beeinträchtigungen.

Wer das Theaterstück „Freudige Füße“ verpasst hat: Am 11. und 12. März 2023 gibt es in der Meerwiese zwei weitere Aufführungen.

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