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Konfliktlösung im Märchenwald 

„Spielarten“-Auftakt mit „Ronja Räubertochter“

Münster-Coerde

Mit „Ronja Räubertochter“ vom Essener Ensemble Toboso eröffnete das landesweite Kinder- und Jugendtheaterfestival „Spielarten“ furios am Standort Theater in der Meerwiese.

Atmosphärisch dichte Welten geschaffen: Das Ensemble Toboso überzeugte mit fliegenden Rollenwechseln. Foto: André Symann

Räuber in Coerde? Ruhig Blut, hier muss niemand um seine Geldbörse bangen. Diese groben Gesellen sind irgendwie auch nur eine ganz normale, ein wenig außergewöhnliche Familie: Mit „Ronja Räubertochter“ vom Essener Ensemble Toboso eröffnete das landesweite Kinder- und Jugendtheaterfestival „Spielarten“ furios am Standort Theater in der Meerwiese.

In der Geschichte des Mädchens Ronja, das als Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau Lovis in einer Unwetternacht zur Welt kommt, als ein Blitz deren Burg in zwei Teile sprengt, hat Astrid Lindgren eine Parabel auf Trennung und Aussöhnung angelegt, die sowohl Kinder als auch Erwachsene leicht nachvollziehen können. Ronja und ihr Freund Birk, der ausgerechnet zur verfeindeten Familie Borka gehört, haben keine Lust, ungefragt den traditionellen Mustern ihrer Altvorderen zu folgen, die nur Leid in die Welt befördern: „Schert euch zum Donnerdrummel!“

Ein altbekannter Konflikt

Ein allzu bekannter Konflikt, den das Ensemble Toboso auf einer kreisrunden Spielfläche ausbreitet, um die sich das Publikum versammelt. Hier erschaffen die Essener mit kleinen dramatischen und bühnenbildnerischen Mitteln atmosphärisch überaus dichte Welten. Zum Beispiel den Wald um die Räuberburg, in dem sich ominöse Graugnome, Rumpelwichte und Wilddruden herumtreiben sollen.

Während die Bühne im Zwielicht liegt, imitieren die Akteure von verstreuten Positionen aus Vogellaute, knistern mit welkem Laub und werfen die Rufe des seine abenteuerliche Umgebung erkundenden Mädchens als Echos zurück. In rasanten fliegenden Rollenwechseln besetzen die fünf Darsteller gleich zwei komplette Räuberbanden, die immer für einen temperamentvollen, drastischen Spaß und dröhnende Gesänge zu haben sind. Das macht Laune, ist einnehmend und spannend.

Als Ronja ablehnt, in ihres Vaters berufliche Fußstapfen zu treten, und dazu noch an ihrer Freundschaft zu Birk festhält, kommt es mit Mattis zum Streit. Auf dem Höhepunkt der Krise trennt das Ensemble Toboso das Publikum auf: Die Erwachsenen finden sich im Foyer zu einer pädagogischen Lagebesprechung mit den Räuberhauptleuten ein. Wie die Kinder, die im Innenraum mit Ronja und Birk ihre Strategie beraten, wandeln sie sich von Zuschauern zu aktiv am Stück Beteiligten. Ein tolles Exempel, wie Veränderung gestaltet werden kann – ob im Märchenwald, im Theater oder aber auch zu Hause.

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