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Konzert

Friedensgebet mit elektronischem Klangteppich

Münster-Coerde

Der Frieden ist ein kostbares Gut. Für ihn zu beten ist wichtig. Aber es gibt auch zeitgemäße Wege, sich mit dem Frieden zu beschäftigen. Etwa in einer spanenden Kombination aus Texten, Soundeffekten und Musik.

Von Maria Conlan

Beate Abbing applaudiert Michael Nonhoff und Marco Arndt.

Die Norbertkirche war gut gefüllt am Sonntagabend zu diesem ganz besonderen Friedensgebet. Sogar Familien waren gekommen, um sich auf ein Klangexperiment einzulassen.

„Der Messias 2.2“ nannte sich diese Klangcollage mit Musik von Marco Arndt (Saxofon, Elektronik) und Michael Nonhoff (Gesang, Synthesizer, Zungentrommel). Es gab Besucher, die vorzeitig die Kirche verließen, doch diejenigen, die 90 Minuten dem Konzert lauschten, spendeten kräftig Beifall. Beate Abbing hofft, dass es nicht nur bei diesem einmaligen Erlebnis bleiben wird, sondern die Musiker auch erneut die Kirche in einen besonderen Klangraum verwandeln mögen.

Zu Beginn die Schöpfungsgeschichte

Das Ehepaar Abbing organisiert regelmäßig sonntägliche Friedensgebete in Coerde. Am vergangenen Sonntag unterstützten sie das Konzert mit ihren Lesungen von Textpassagen „zur größten Geschichte aller Zeiten“ – die Geschichte Christus in anderer Sprache mal anders vorgetragen als aus der Bibel gewohnt. Es begann mit der Schöpfungsgeschichte und endete mit der Apokalypse – der Wiederkehr des Königs, wie Christus in den Texten genannt wurde. „Texte im Stile eines Fantasiefilms“, heißt es auf der Homepage der Künstler. So mutete es teilweise wie Märchentexte an. Dazwischen gab es eindringliche Bibelzitate, die in ihrer Wiederholung eine Dynamik entwickelten und meditativ wie ein Mantra wirkten.

Lautsprecher waren im gesamten Kirchenraum verteilt und verwandelten die Kirche in einen Klangteppich.

Das Saxofon dominiert

Oft dominierte das Saxofon, manchmal fast schmerzlich laut, dann wieder begeisterte die kräftige Stimme Nonhoffs. Die Lieder muteten ob der Elektronik teils wie mehrstimmige Mönchsgesänge an, dann wieder wie Volkslieder oder klassische Stücke. Meistens spielten die Musiker im Chorraum hinter den Zuschauern.

Zu einzelnen Gesangsstücken mit Saxofon traten Arndt und Nonhoff vor den Altar. Elektronische Effekte, wie Loop und Hall, verstärkten das Klangerlebnis. So schien der Satz „Seine Liebe hört niemals auf“ wie ins Unendliche wiederholt. Es gab viele meditative Passagen. Die Klänge flüsterten, schrien, schienen zu tanzen, wurden lauter und verebbten wieder zu Momenten der Stille.

Es gab einiges, was zum Nach- und Neudenken einlud, wie etwa die Wortassoziationen zur Kreuzigung, die bei den Zuhörern noch nach dem Konzert tief nachklang. Einige standen in Gruppen zusammen und tauschten sich noch länger aus. Besser kann ein Konzert nicht wirken.

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