Alltagsmenschen

Geplanter Ankauf lässt auf sich warten

Münster-Hiltrup

Die beiden Ausstellungen mit den beliebten Alltagsmenschen waren ein großer Erfolg. Einige Figuren sollten daher erworben werden. Knapp vier Monate nach dem Abschied von den Betonskulpturen wartet alles auf die Umsetzung dieses Vorhabens. Woran hapert es?

Michael Grottendieck

Wo bleiben sie denn? Die Bezirksvertretung Hiltrup will einige der beliebten Alltagsmenschen aufkaufen. Knapp vier Monate nach Ende der zweiten Ausstellung der lebensgroßen Betonfiguren im Hiltruper Stadtbild ist davon noch nichts zu sehen. Foto: gro

Lisbeth, die so gerne in einem Buch schmökert, hat längst ihren Platz vor der Hiltruper Buchhandlung gefunden. Immer an ihrer Seite: ihr Hund, den die Hiltruper kurzerhand Hilli getauft haben. Aber sollten nicht mehr Alltagsmenschen in Hiltrup verbleiben? Was ist mit den anderen Figuren, die mit finanzieller Unterstützung der Bezirksvertretung angekauft werden sollen?

Alles sei auf einem guten Weg, ist allerorten zu hören, sobald man sich nach dem Vorhaben erkundigt. In der kommenden Sitzung des Stadtteilparlamentes werde der formelle Beschluss gefasst, sagen unisono die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Martin Schulze-Werner und Simon Kerkhoff. Eigentlich sei alles im Ältestenrat besprochen worden.

Am Geld soll es nicht scheitern

Trotz der im April ausgefallenen Sitzung der Bezirksvertretung rechnen beide mit keinen weiteren Verzögerungen. Am wenigsten soll es am Geld scheitern. Kerkhoff kann sich sogar vorstellen, dass mehr als die eingeplanten 20 000 Euro zur Verfügung stehen.

Fragt man Mitglieder der – mittlerweile – ehemaligen Kulturbühne, hört sich das Ganze etwas anders an. Zweimal holte die Kulturbühne die Alltagsmenschen nach Hiltrup. Das Coronavirus war der Grund, warum es diese Kunstaktionen unter freiem Himmel gleich zweimal gab. Im Frühjahr 2020 kamen sie wegen Pandemie verspätet an.

An dem Termin für den Abbau wiederum war nicht zu rütteln. So entstand die Idee, die lebensgroßen Betonfiguren der Wittener Künstlerin Christel Lechner im November nochmals zu einem kurzen Wintergastspiel zu holen.

Beide Ausstellungen waren ein großer Erfolg

Beide Ausstellungen waren ein unglaublicher Erfolg, wie Hans Muschinski sagt. Der Museumsleiter verfolgte die Idee, die Alltagsmenschen nach Hiltrup zu holen, über mehrere Jahre. Quasi als Höhepunkt und Schlussakkord ihres jahrelangen Wirkens realisierte die Kulturbühne um Annette Paßlick-Wabner diese Kunstaktion.

Mehr noch: Die Kulturbühne organisierte den Ankauf der lesenden Lisbeth, während der Wirtschaftsverbund den Hund Hilli beisteuerte. Die Kulturbühne zeigte sich zudem behilflich bei den Vorbereitungen für die Aufstellung weiterer Figuren. Eine städtische Fläche mit viel Buschwerk im Kreuzungsbereich von Marktallee und Hülsebrockstraße wurde noch im Februar frei geräumt. Eine private Firma war mit der Aufgabe betraut worden.

Projekt geriet ins Stocken

Doch dann geriet das Projekt ins Stocken. Mitglieder der Kulturbühne wunderten sich, warum jetzt alles so quälend lange dauert. Mittlerweile laufen bei Dieter Tüns, Leiter der Bezirksverwaltung, die Fäden zusammen. Er steht im Kontakt mit der Künstlerin Christel Lechner. Es soll ein Angebot für den Ankauf von drei Figuren eingeholt werden. Es heißt, eine Figur solle in Hiltrup-Ost einen Platz finden. Zwei Alltagsmenschen wiederum sollen an der Marktallee aufgestellt werden.

Dieter Tüns, Bezirksverwaltung Hiltrup

Die Stadt Münster kann dabei allerdings nicht auf einen Projektpartner setzen. Ohne die Kooperation mit einem privaten Verein ist alles von der Verwaltung zu wuppen. Das Aufgabenspektrum reicht vom Gießen eines Fundaments bis hin zur Klärung (versicherungs-)rechtlicher Fragen. Vier Fachämter, so ist zu hören, müssen beteiligt werden. Bislang hat die Stadt Münster – abgesehen von den alle zehn Jahre stattfindenden Skulpturenausstellungen – keine Kunst im öffentlichen Raum aufgekauft. "Bei den Alltagsmenschen handelt es sich um ein Novum für die Stadt Münster", erklärt Dieter Tüns.

Die gute Nachricht lautet: Mittlerweile ist der entsprechende Beschlussvorschlag für die Politik vorbereitet.

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