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Neue Leitung des Jugendtreffs Le Club

Alina Wortmann: „Herz brennt für die Jugendarbeit“

Münster-Gievenbeck

Alina Wortmann ist seit kurzem für den Jugendtreff Le Club in Gievenbeck zuständig. Schon während ihres Studiums hat sie dort gearbeitet. Sie berichtet, was sich durch die Pandemie verändert hat und woran es Jugendlichen im Moment fehlt.

Von Joel Hunold

Roland Kober (l.) und Alina Wortmann kümmern sich um Jugendliche in Gievenbeck Foto: Joel Hunold

Vier Jahre lang hat Alina Wortmann bereits während ihres Studiums der Sozialen Arbeit an der FH Münster im Jugendtreff Le Club in Gievenbeck mitgearbeitet. Nun, nach Abschluss ihres Studiums, ist die heute 24-Jährige als neue Leiterin offiziell für den Jugendtreff im Auenviertel verantwortlich. „Mein Herz brennt für die Jugendarbeit“, sagt Wortmann.

Anfang Januar hat sie die Stelle übernommen. „Es ist was anderes, die Leitung zu übernehmen im Vergleich zu vorher“, sagt sie. Die Verwaltungs- und Organisationsarbeit sei definitiv mehr geworden, „aber ich probiere auch, so oft es geht im Jugendtreff zu sein“. Schließlich gebe es dort immer wieder neue Jugendliche, „und die sollen wissen, dass sie mich jederzeit ansprechen können“.

Themen sind überall gleich

Denn: „Es gibt viele Jugendliche, die können die Hilfe hier wirklich gut gebrauchen. Für die ist das hier ein zweites Wohnzimmer“, sagt Wortmann. Die Probleme von Jugendlichen seien in allen Stadtteilen gleich, erzählt Roland Kober, der den anderen großen Jugendtreff in Gievenbeck, den Jugendtreff Toppheide, leitet. „Sie haben Zukunftsängste, Probleme in der Schule, Mobbing ist ein großes Thema. Integrationsarbeit sei eine der wichtigsten Aufgaben von Jugendsozialarbeitern.

Genau das mache die Arbeit auch spannend, sagt Wortmann: „Man kann die Entwicklung der jungen jungen Menschen begleiten, ganz unabhängig von Schule“. Die Jugendlichen könnten mit ihnen andere Themen ansprechen als mit ihren Eltern oder Lehrern. „Und mit der Zeit schließt man die Jugendlichen natürlich auch ins Herz“, sagt Wortmann.

Pandemie erschwert Jugendsozialarbeit

Große Auswirkungen hat nach wie vor die Corona-Pandemie. „Das war maßgeblich einschneidend“, erzählt Wortmann – auch wenn sie die Hochzeit der Pandemie nur als Mitarbeiterin nicht als Verantwortliche erlebt hat. „Social Media ist so viel wichtiger geworden, besonders um den Kontakt zu den Jugendlichen zu halten.“ Gleichzeitig sei aktuell die Arbeit viel schwieriger. „Die strengen Regeln wie eine Maske schaffen Distanz“, zudem müssen immer noch regelmäßig Jugendliche weggeschickt werden, weil der Treff schon zu voll ist.

Noch stärker sind jedoch die Auswirkungen der Pandemie im Verhalten der Jugendlichen spürbar. „Wir nehmen aus unserer fachlichen Sicht ganz klar Defizite wahr“, sagt Kober. Die Kontaktaufnahme zu anderen falle den Jugendliche etwa schwieriger. „Die konnten das ja gar nicht trainieren. Schlüsselerlebnisse in ihrer Entwicklung fehlen.“

In der Jugendarbeit habe sich der Schwerpunkt daher stark verschoben. „Wir können im Moment nicht mal nen Abend lang an einem Thema arbeiten“, sagt er. Es gehe erstmal darum, zwischenmenschliche Beziehungen wieder aufzubauen und zu stärken.

Praxiserfahrung ist hilfreicher als Studium

Laut Wortmann ist es wichtig, Möglichkeiten anzubieten, damit die Erfahrungen und Erlebnisse nachgeholt werden können. „Wir wollen den Jugendlichen was gutes tun und viele Aktionen starten“, sagt sie. Den Jugendsozialarbeitern ist jedoch auch bewusst, dass sich Erlebnisse nur bis zu einem bestimmten Punkt nachholen lassen. Im Studium war die soziale Extremsituation der Pandemie hingegen noch kein Thema. „Ich hab das alles hier ganz praktisch im Treff mitbekommen“, sagt Wortmann. Kober ergänzt: „Es war schon eine anstrengende Zeit, die ganzen Konzepte neu zu entwerfen.“

Im Le Club hat Wortmann eine halbe Stelle. Den Rest ihrer Arbeitszeit verbringt sie als Schulsozialarbeiterin an der Marienschule im benachbarten Roxel.

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