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Evangelische Lukas-Kirchengemeinde

Aus für das Kirchenzentrum

Münster-Gievenbeck

Die evangelische Lukas-Kirchengemeinde baut das über viele Jahre geplante Kirchenzentrum auf dem Oxford-Areal nun doch nicht. Das Presbyterium erklärt die Gründe für die „schmerzhafte Entscheidung“.

Das Kirchenzentrum der evangelischen Lukas-Kirchengemeinde war fertig geplant (Modell kleines Bild), das Grundstück auf dem Oxford-Gelände gehört der Gemeinde – und doch wird das Zentrum nicht gebaut. Foto: Pjer Biederstädt

Beim symbolischen Spatenstich für das neue Kirchenzentrum der evangelischen Lukas-Gemeinde im Oktober 2021 haben Kirchenvertreter, Architekten und Oberbürgermeister Markus Lewe noch voller Vorfreude in die Kameras gelächelt. Jetzt verkündete die Gemeindeleitung das Aus für das Projekt im Oxford-Quartier – nach dem Nein zur Grundschule der zweite Schlag gegen die geplante öffentliche Infrastruktur im Vorzeigeviertel.

Das Presbyterium sei „zu der sehr schmerzhaften Erkenntnis“ gekommen, dass das Kirchenzentrum aufgrund exorbitant steigender Baupreise und höherer Zinsen nicht wie geplant umgesetzt werden könne, teilte Dr. Veit Baecker, stellvertretender Vorsitzender des Presbyteriums, am Dienstag mit. Jetzt die Notbremse ziehen zu müssen, nachdem so viele Menschen so viel Engagement und Herzblut investiert hätten, sei „sehr bitter“, betonte der sichtlich bedrückte Pfarrer Dr. Kolja Koe­niger im Pressegespräch. Alles andere als das Aus wäre aber „schlicht unverantwortlich gegenüber der nächsten und übernächsten Generation“ gewesen.

Kosten galoppierten davon

Denn die Projektkosten sind davongaloppiert. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre stiegen sie von 6,5 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro. Zur Steigerung der allgemeinen Baupreise kam im Frühjahr ein höheres Zinsniveau, sodass sich die Gemeinde nicht mehr nur das Bauen nicht mehr leisten konnte, sondern auch das Budget bei der Bank nicht mehr, wie Koeniger erläuterte.

Die Krux: Die Gemeinde war vertraglich an die Planung gebunden und durfte zeitgleich ein Maximalbudget nicht überschreiten. „Wir haben jeden Stein umgedreht, haben uns gefragt, wo wir sparen können“, sagte Pfarrer Koeniger. Doch auch mit massiven Abstrichen „bis auf die Grundmauern“ bei der Bauausführung hätten die Kosten drei Millionen Euro über Budget gelegen.

Alternativen für das Grundstück müssen her

Beschlossen wurde das Aus im Leitungsgremium einstimmig. Auch Superintendent Holger Erdmann stehe voll dahinter, versicherte Kathrin Lohse, Öffentlichkeitsreferentin des evangelischen Kirchenkreises Münster. Denn lieber jetzt die Reißleine ziehen, als später vor einer Bauruine stehen – „das hätte uns ruiniert, hätte auf allen Ebenen eine größere Beschädigung unserer Gemeinde bedeutet“, so Pfarrer Koeniger.

Was die Gemeinde nun mit ihrem im Jahr 2020 gekauften 5000-Quadratmeter-Grundstück vorhat? Das Leitungsgremium will sich bald mit der Frage nach Alternativen beschäftigen. Dafür sollen Kooperationspartner gesucht werden. Doch da es sich um eine Gemeinbedarfsfläche handelt, ist eine privatwirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen. So viel steht aber fest: Die Gemeinde will weiter im Oxford-Quartier präsent sein.

Die Summe, die die Gemeinde für die bisherige Planung ausgegeben hat, sei „erheblich“, könne aber noch nicht genau beziffert werden, so Baecker. Kirchensteuermittel seien nicht aufgewendet worden, ergänzte Koeniger, der allen Projekt-Beteiligten für die gute Zusammenarbeit dankte.

In der Gemeinde, so Baecker, sei die Enttäuschung indes groß. Denn mit dem Kirchenzentrum seien Wünsche und Hoffnungen vieler Gemeinde-Gruppen verbunden gewesen.

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