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Jaqueline Kijowski und Franziska Neidhart sind die neuen FSJler Im Fachwerk

Corona verändert Arbeit spürbar

Münster-Gievenbeck

Die Prüfungen sind bestanden, die Abschlüsse haben sie in der Tasche, doch was nun? Zahlreiche Jugendliche entscheiden sich vor Studium oder Lehre zu einem freiwilligen sozialen Jahr. Zwei davon arbeiten im Fachwerk am Arnheimweg.

Kay Böckling

Imke Gregersen (l.) und Lisa Schrichten (vorn, r.) kümmern sich intensiv um die beiden FSJlerinnen Foto: Kay Böckling

Erste Erfahrungen sammeln, die Kompatibilität der eigenen Interessen mit dem ins Auge gefassten Beruf quasi „on the Job“ testen oder einfach nur mal die Nase in den Berufswind halten – die Gründe für Jugendliche, nach der Schule anstelle eines Studiums oder einer Ausbildung ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ zu absolvieren, sind vielfältig. Am Fachwerk sind die FSJler, wie man sie im Volksmund nennt, intensiv in die Kinder- und Jugendarbeit eingebunden. Genau das Richtige, wie Jaqueline (Jacky) Kijowski und Franziska (Franzi) Neidhart finden.

Die 19-jährige „Jacky“ hat ihr Abitur an der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck absolviert und ist im Kindertreff des La Vie beschäftigt. Sie kennt den Kindertreff bereits seit der eigenen Kindheit: „Als ich jünger war, habe ich ihn selbst auch besucht.“ Als es darum ging, was sie nach dem Abi machen wollte, recherchierte sie nach Möglichkeiten eines FSJ im Internet. Telefonisch meldete sie sich bei Imke Gregersen, die den Kindertraum im La Vie leitet.

Franziska Neidhart machte bereits 2019 ihr Abitur an der Waldorfschule in Trier. Nach einem viermonatigen Freiwilligendienst in England kam sie dann coronabedingt früher nach Hause und überlegte, wie es denn nun weitergehen könnte.

Zunächst in Gedanken an ein Studium, entschied sie sich doch für ein FSJ: „Ich wollte raus aus meiner Heimatstadt Trier und habe mir Münster ausgesucht.“ Sie recherchierte verschiedene in Frage kommende Stellen und kam nach einem Vorstellungsgespräch ins Gievenbecker Fachwerk.

Das primäre Ziel von Franziska Neidhart ist es, erste Erfahrungen in der Kinderpädagogik zu sammeln: „Eigentlich habe ich zuvor noch nie so richtig mit Kindern gearbeitet.“ Allerdings könnte sie es sich in Zukunft auch vorstellen, ein Kunst-Therapie-Studium anzustreben, um sich später auch mit Kindern zu beschäftigen.

Jaqueline Kijowski arbeitet laut eigener Aussage sehr gerne im künstlerischen Bereich. Im Zusammenhang mit der Arbeit mit Kindern könnte sie es sich durchaus vorstellen, Lehramt-Künstlerin zu werden. Dafür musste sie aber auch erst eruieren, wie sie mit Kindern klarkommt. „Sehr gut“, wie nicht nur sie findet, sondern auch Imke Gregersen als verantwortliche Pädagogin.

Beides also Beispiele, die eher in Richtung Kunst gehen. Wie können die Verantwortlichen des Fachwerks die jungen Frauen auf ihrem weiteren Weg unterstützen? Lisa Schrichten von der Kinder-Oase im Fachwerk: „Wir bieten ja immer verschiedene Pogramme an – sowohl in den Kindertreffs als auch in der Ganztagsbetreuung.“

In diesem Jahr habe „Franzi“ beispielsweise ihre Lust und Fertigkeiten im künstlerischen Bereich in verschiedenen Projekten voll ausleben können. „Wir versuchen schon, das, was die FSJler mitbringen, so gut wie möglich in die Arbeit zu integrieren.“

Ein FSJ explizit am Fachwerk ist nichts für jedermann, man sollte schon einige Fertig- und Fähigkeiten mitbringen, wie Imke Gregersen sagt: „Es ist von Vorteil, wenn man sich vor einer Gruppe von Kindern schon ein wenig durchsetzen kann.“ Aber: „Ein FSJler soll bei uns auch etwas lernen. Das heißt: Es muss nicht von vorneherein perfekt sein. Das erwarten wir auf keinen Fall.“

Gut zwei Monate sind die beiden jungen Frauen nun in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr. Ihre Erfahrungen bislang? „Mit gefällt es sehr gut, ich fühle mich wohl“, sagt „Franzi“. Mit den Aufgaben, die sie zu erledigen hat, kommt sie nach eigenem Bekunden sehr gut klar.

Mit gewissen Ängsten startete „Jacky“ in ihr FSJ: „Ich wusste ja nicht, ob die Kinder mich mögen, da ich ja als vollkommen unbekannte Person hinzukam.“ Diese Angst sei ihr aber sehr schnell genommen worden: „Die Kinder sind sehr neugierig und haben mich wirklich toll aufgenommen.“ Gleiches gelte natürlich auch für die Kollegen. Sie sei schnell in die vorhandene Struktur hineingewachsen.

Am Thema „Corona“ kommt man auch im FSJ nicht vorbei. Wie verändert sich die Arbeit diesbezüglich? „Wenn man es auf die FSJler bezieht, schon enorm“, sagt Imke Gregersen. So sei wegen des Lockdowns im Frühjahr eine sonst übliche Hospitation nicht möglich gewesen. Zudem müsse man sich ständig auf neue Regeln und Vorschriften einstellen. Lisa Schrichten ergänzt: „Was für die FSJler besonders schade ist, ist der Wegfall verschiedener Highlights über das Jahr verteilt.“ Das einwöchige Duplo-Event sei ebenso ausgefallen wie das beliebte Sommerfest. All das und noch mehr sei es, was das Jahr für die FSJler spannend mache. So bliebe die tägliche Arbeit im Treff, die zudem eingeschränkt sei.

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