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Witold Wylezol gelangen Fotos der Supernova SN 2014J 

Den Sternen auf der Spur

Münster-Gievenbeck

Die Astronomie fasziniert Witold Wylezol seit seiner Kindheit. Mit seinem Spiegelteleskop gelangen dem Gievenbecker nun Fotos einer kürzlich entdeckten Supernova.

Markus Kampmann

Mit seinem 25-Zentimeter-Spiegelteleskop ist Witold Wylezol in Gievenbeck ein Foto der Supernova SN 2014J gelungen. Foto: mfk

Die Sternbeobachtung ist kein leichtes Unterfangen. Und das ist durchaus (auch) wörtlich zu nehmen: Etliche Kilogramm bringt die Ausrüstung von Witold Wylezol auf die Waage. Dabei hat sich der Gievenbecker schon von einem noch schwereren Teleskop getrennt – seinem Rücken zuliebe. Seine „neue“ 25-Zentimeter-Schmid-Cassingren-Optik – Baujahr 1989 – schafft dennoch Beachtliches: Wylezol gelangen damit Aufnahmen der Supernova SN 2014J. Ein englischer Astronom hatte den sterbenden Stern vor Kurzem in einer näher gelegenen Galaxie entdeckt.

„Näher gelegen“ ist in den unendlichen Weiten des Alls natürlich sehr relativ: „Die Galaxie M82 liegt in dem allgemein bekannten Sternbild ,Großer Bär’ und ist von uns ,nur’ zwölf Millionen Lichtjahre entfernt“, weiß Wylezol. Das verlange Präzision. Mindestens zwei Stunden dauerten deshalb die Vorbereitungen für das Foto-Shooting: der Aufbau des zerlegbaren Teleskops im heimischen Garten an der Von-Esmarch-Straße; die Einnordung auf den Polarstern; der Anschluss des elektrischen Fokussierers und der „Deep Sky Imager III“, einer Spezialkamera für die Astrofotografie.

Wylezols Leidenschaft für die Sterne wurde früh entfacht. Etwa durch die Zeichentrickserie „Lolek und Bolek“, die er als Junge in seiner Heimat Polen gesehen hat. „Die reisten immer zu einem zufälligen Punkt rund um den Globus.“ Wie sehen eigentlich Astronauten die Erde? Diese Frage hat Wylezol seither interessiert.

Mit drei, vier Jahren blätterte der junge Witold mit Vorliebe in einer Enzyklopädie seines Vater und blieb oft am „A“ kleben, auf den Astronomie-Seiten. „Ich konnte noch nicht lesen, aber die Bilder haben mich fasziniert, unter anderem vom Mond und vom Andromeda-Nebel.“

All das begeisterte ihn so sehr, dass er mit sieben Jahren sogar sein neues Märchenbuch bei einer Nachbarin gegen einen Sternenatlas eintauschte. Den „Atlas des nördlichen Himmels“ anno 1954 hat Wylezol noch immer. Er widmete sich damals sogar dem griechischen Alphabet, weil die Buchstaben als Teil der Sternbezeichnungen die Helligkeit verraten. Das weckte zugleich sein Interesse für die Antike.

Sein erstes eigenes Teleskop hat sich Witold Wylezol mit neun gebastelt, aus einer Papprolle, einem Brillenglas als Objektiv und einer Lupe als Okular. „Es hat vielleicht vier- oder fünffach vergrößert, aber ich konnte zum ersten Mal deutlich die Galaxie M31 sehen, den Andromeda-Nebel“, erinnert er sich.

Sein erstes echtes Teleskop, ein kleiner Refraktor, also eine Art Fernglas, erhielt er 1978 zu Weihnachten – und es wurde sein „bester Freund und Begleiter bei den Entdeckungsreisen durchs Weltall“, sagt Wylezol. Es brachte ihm aber auch Ärger ein: in der Schule. „Ich hatte über 200 unentschuldigte Fehlstunden im Jahr“, schmunzelt er heute, „weil ich oft erst um vier Uhr im Bett war.“ Dieser Refraktor begleitete Witold Wylezol auch 1985, als er alle Brücken hinter sich abbrach und nach Deutschland kam.

Inzwischen nutzt der Gievenbecker längst Spiegelteleskope, die es im Gegensatz zu Linsenteleskopen erlauben, lange Brennweiten von zum Beispiel 1,60 Meter auf eine Tubuslänge von 0,5 Meter zu reduzieren. Mit dem kleinsten Drei-Millimeter-Okular schafft das 25-Zentimeter-Teleskop eine über 500-fache Vergrößerungen und erlaubt Reisen zu weit entfernten Sternen.

Dass er dort Spuren menschlicher Geschichte begegnet, gehört für Witold Wylezol zu einem der faszinierendsten Dinge an der Astronomie. Denn sie sei nicht nur die älteste Wissenschaft: „Frühere Kulturen haben ihre Geschichte und Sprache für kommende Generationen in den Sternbildern mythologisch codiert.“

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