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Interview mit „Tier“-Manager in Münster

E-Scooter-Angebot wird auf Stadtteile ausgeweitet

Münster-West

Elektro-Tretroller machen den Verkehr in den Innenstädten nach Einschätzung des Umweltbundesamts bisher kaum umweltfreundlicher - und wären in Außenbezirken besser aufgehoben. In Münster weitet Verleiher „Tier“ das Angebot schon aus.

Kay Böckling

Im Schatten der Michaelkirche: Auch in Gievenbeck sind mittlerweile die E-Scooter zu finden. Foto: Kay Böckling

Mittlerweile gehören sie in Münster fast schon zum täglichen Stadtbild. 500 Exemplare sind täglich unterwegs. Nun sind die auch in einigen Stadtteilen zu finden. Die Rede ist von den sogenannten Leih-E-Scootern. Verleiher ist das Unternehmen „Tier“ mit Sitz in Berlin. Über die Nutzung der Elektroroller in den Stadtteilen sprach unser Redakteur Kay Böckling mit Johannes Junge-Wentrup, City-Manager Münster.

Herr Junge-Wentrup, Ihre E-Scooter stehen mittlerweile auch in diversen Stadtteilen Münsters, wie beispielsweise in Gievenbeck. Seit wann ist das so?

Junge-Wentrup: Seit Anfang Juli, im Zuge der Flottenvergrößerung, vergrößern wir stetig unser Geschäftsgebiet.

Das reicht wie weit?

Junge-Wentrup: Das ist variabel. In jede Richtung rund fünf bis zehn Kilometer.

Warum gehen Sie in die Stadtteile?

Junge Wentrup: Es gibt verschiedene Faktoren die die Vergrößerung in bestimmte Stadtgebiete beeinflussen. Auch stehen wir im Austausch mit den Stadtwerken, um das ÖPNV Angebot an bestimmten Standorten zu unterstützen. Ziel ist es, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Geschäftsgebietsgröße und Anzahl der nutzbaren E-Scooter zu gewährleisten.

Gibt es eine Art „Sperr-Radius“?

Junge Wentrup: Das Geschäftsgebiet hat klare Grenzen und außerhalb dieses Geschäftsgebietes kann der E-Scooter nicht genutzt werden.

Was passiert, wenn ich dieses Gebiet verlasse?

Junge Wentrup: Außerhalb des Geschäftsgebietes kann die Fahrt nicht beendet werden. Es kann eine „Abschleppgebühr“ anfallen, wenn E-Scooter außerhalb des Geschäftsgebietes abgestellt werden und somit die Fahrt nicht beendet wird.

Was würde passieren, wenn ich mit einem Scooter in den Bus steige und beispielsweise in Nienberge oder Roxel wieder aussteige?

Junge Wentrup: Außerhalb des Geschäftsgebietes, also in Roxel, Nienberge oder Amelsbüren kann eine Fahrt nicht begonnen und nicht beendet werden. Somit ist der E-Scooter nicht nutzbar. Der Busfahrer wird aber auch die Mitnahme eines E-Scooters verweigern. Des Weiteren würde die Wegfahrsperre des E-Scooters in diesem Fall greifen und ein akustisches Signal würde die nicht erlaubte Mitnahme signalisieren.

Ist es irgendwann angedacht, diesen „Sperr-Radius“ auch für Nienberge auszuweiten?

Junge Wentrup: Wir stehen im ständigen Austausch mit der Stadt und evaluieren die derzeitige Flottengröße. Nienberge, da es nicht direkt an das Stadtgebiet angrenzt ist, ist derzeit noch nicht geplant.

Was rollt denn da? Der E-Scooter...

Möchte man einen E-Scooter von Tier nutzen, benötigt man eine Kreditkarte oder ein Pay-Pal-Konto und muss über 18 Jahre alt sein. Zum Entsperren bezahlt man einmalig einen Euro, für jede weitere Minute dann 15 Cent. Mit bis zu 20 km/h kann man dann die Fahrt genießen: Innerhalb des Geschäftsbereichs und immer auf dem Radweg. Ist dieser einmal nicht vorhanden, darf man auch auf die Straße ausweichen. Laut der Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge ist auch das Fahren in Fußgängerzonen grundsätzlich verboten und kann mit bis zu 30 Euro Bußgeld bestraft werden. Auch das Fahren zu zweit oder angetrunken ist nicht erlaubt: Für E-Scooter-Fahrer gelten die gleichen Promillegrenzen wie für Autofahrer. Das heißt: Wer mit einem Alkoholwert von 0,5 bis  1,09  Promille auf den Scooter steigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und erhält ein Bußgeld. Das sind in aller Regel 500 Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Personen in der Probezeit können sogar ihren Führerschein verlieren. www.bussgeldkatalog.org

Wieder das Beispiel Gievenbeck: Dort finden die Nutzer die Fahrzeuge an verschiedenen Stellen. Nach welchen Kriterien werden diese Standorte festgelegt?

Junge Wentrup: Unser Team in Münster hat mit seinem Heimatwissen verschiedene mögliche Abstellflächen gemeinsam evaluiert und nach bestimmten Kriterien bewertet. Unter anderem sind diese Kriterien, eine gute Erreichbarkeit, eine Ergänzung des ÖPNV, eine gute Abstellmöglichkeit (ohne den Verkehr, Radwege, Flächen- und Parkplätze für Menschen mit Behinderung, und Fußgängerwege zu behindern).

Ist es nicht schwer, die Fahrzeuge in einem Stadtteil wieder zu orten?

Junge Wentrup: Durch unser integriertes Ortungssystem ist die Suche nach den E-Scootern nicht schwer, solange sie gesetzeskonform auf öffentlichem Grund abgestellt werden.

Gibt es einen Nutzungsunterschied (Dauer und Kilometer) zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen?

Junge Wentrup: Nein, in Münster gibt es keinen großen Unterschied. Die meisten Strecken in Münster liegen bei circa zehn bis 15 Minuten und bei circa vier bis fünf Kilometern.

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