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Mysterienspiel in der Waldorfschule

„Geschichte, die freien Raum fordert“

Münster-Gievenbeck

Anlässlich des Epiphaniasfests wird in der Gievenbecker Waldorfschule stets zu einer besonderen Theateraufführung eingeladen: Ein mehrköpfiges Ensemble bringt das „Oberuferer Dreikönigsspiel“ auf die Bühne.

Franziska Eickholt

Das D reikönigsspiel ist ein Mysterienspiel, bei dem sich die Drei Heiligen Könige mit dem Bösen auseinandersetzen müssen, um das Jesuskind zu finden. In der Gievenbecker Waldorfschule kam das Spiel am Wochenende auf die Bühne. Foto: fre

Am 6. Januar feiern die Christen das Epiphaniasfest, die Erscheinung des Herrn. In der Waldorfschule wird zu diesem Anlass traditionell das „Oberuferer Dreikönigsspiel“ aufgeführt. Es ist ein Theaterstück der besonderen Art. Bei ihm handelt sich um ein sogenanntes Mysterienspiel.

Der Clou: Ganz ohne aufwendiges Bühnenbild schafften es die 16 Schauspieler, den Saal der Waldorfschule in die Atmosphäre einer Mysterienstätte zu tauchen. Denn die tiefgründigen Texte und A-cappella-Gesänge entfalteten ihre Wirkung von ganz alleine.

Das Dreikönigsspiel ist Teil der „Oberuferer Weihnachtsspiele“, zu denen außerdem das Paradeis-Spiel und das Christgeburt-Spiel gehören. Mitte des 19. Jahrhunderts von Karl Julius Schröer verfasst und von Rudolf Steiner, dem Begründer der Waldorfpädagogik, weiterentwickelt, erzählt das Dreikönigsspiel die Geburtsgeschichte nach Matthäus mit dem Besuch der Heiligen Drei Könige und dem von König Herodes anbefohlenen Kindesmord, dem das Jesuskind nur knapp entrinnt.

Die Botschaft, die hinter der dramatischen Erzählung steckt, ist stets aktuell. Die Könige des Denkens, des Fühlens und des Wollens müssen sich zunächst mit dem Bösen, das uns auch heute noch immer wieder über den Weg läuft, auseinandersetzen. Schließlich gelangen sie zum Jesuskind. Um das Gute zu finden, ist jedoch eine Verwandlung der Seele notwendig. „Die Geschichte fordert freien Raum, in dem Denken, Fühlen und Wollen jedes Einzelnen sich ohne Schranken begegnen können“, erklärte Spielleiter Christian Brauer. „Dieser Freiraum des Herzens fehlt oft im alltäglichen Leben. Das Dreikönigsspiel will ermutigen, diesen Freiraum selbst zu schaffen.“

Beliebt ist die Aufführung nicht zuletzt aufgrund der von Musiklehrerin Elke Schönfeld-Terhaar aufbereiteten und eingeübten Chorsätze, die durch vollen und warmen Klang überzeugen.

Die münsterische Dreikönigs-Kumpanei lädt alle Interessierten zu einer weiteren Aufführung des Dreikönigsspiels ein. Diese findet am 15. Januar um 16.30 Uhr in die Waldorfschule in Everswinkel statt.

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