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Waldorfschüler erarbeiten Theaterstück

Komik prallt auf Tragik

Münster-Gievenbeck

Drei Wochen lang proben die Zwölftklässler der Waldorfschule für ihr Theaterstück – jeden Tag gut zwölf Stunden. Am Wochenende werden sie das Ergebnis öffentlich präsentieren.

Markus Kampmann

Groteske Szenen wechseln sich im Bühnenstück „Das Rätsel Yvonne“ ab mit komischen. Drei Wochen lang proben die Zwölftklässler der Waldorfschule an jedem Tag für die Aufführungen, zu denen am Wochenende alle Interessierten eingeladen sind. Foto: mfk

Die jungen Männer auf der Bühne sind sportlich: Einer bearbeitet den Sandsack, zwei weitere strampeln auf Ergometern, ein vierter macht Liegestütz, der fünfte stählt mit der Landhantel seinen Bizeps. Plötzlich aber ist ihr Elan wie weggeblasen. Kurz noch setzen sie ihren Trainingsplan in Zeitlupe fort, dann beginnen sie zu posen, umeinander zu tänzeln und schließlich sogar miteinander. Die sportliche Fitnessstudio-Szenerie wandelt sich ins Groteske. Genaue um eine solche handelt es sich bei dem Theaterstück, das die Zwölftklässler der Waldorfschule derzeit erarbeiten und am Wochenende öffentlich präsentieren.

Der Spaß am Spiel ist mit dabei, das ist den Akteuren bei der Probe anzumerken. Aber das Theaterprojekt ist zugleich Teil des Unterrichts: „Das Klassenspiel findet im Zusammenhang mit dem künstlerischen Abschluss der Klasse 12 statt“, erklärt Musiklehrer Günter Moseler.

In nur drei Wochen sollten die 22 Schülerinnen und Schüler das Stück vorbereiten. Allerdings drei Wochen, in denen die Klasse kaum mit anderem beschäftigt ist: Geprobt werde jeden Tag rund zwölf Stunden lang – auch samstags und sonntags. „Das fällt den Kindern schwer“, sagt Moseler, was prompt Entrüstung von den umstehenden „Kindern“ wegen dieser Titulierung provoziert. Ein enormes Proben-Pensum haben die angehenden Abiturienten in kurzer Zeit zu absolvieren. „Das ist dennoch knapp“, sagt Schüler Joshua de Sousa Rodrigues Suttrup.

Dabei geht es nicht nur um die Rolle, die jeder Schüler einstudieren muss. Oder um die Tänze, für deren Choreografie sich mit Isabell Bernhard eine ehemalige Schülerin und heutige Tänzerin zur Verfügung gestellt hat. Es gehe auch um das ganze Drumherum von der Bereitstellung der Requisiten über das Malen des Bühnenbildes bis zum Aufbau, erklärt Moseler. „Die Schüler sollen lernen, wie wichtig auch die Hintergründe sind.“ Unterstützt wird die zwölfte Klasse dabei von Schülern der zehnten und elften Jahrgangsstufe, die für die Beleuchtung zuständig sind.

Das Stück trägt den Titel „Das Rätsel Yvonne“. Als Vorlage dient „Yvonne – Die Burgunderprinzessin“ aus der Feder des polnischen Schriftstellers Withold Gombrowicz. „Es geht um eine geheimnisvolle Burgunderprinzessin“, verrät der Musiklehrer. Diese treffe am Königshof auf eine High Society, die sich vom Lebenswandel der Prinzessin provoziert fühle – und schließlich beschließe, sie umzubringen. Dabei sei die Prinzessin eigentlich die Normale, sagt Joshua de Sousa Rodrigues Suttrup. So sei die Groteske voller komischer und tragischer Momente, die permanent aufeinanderprallten, erklärt Moseler. „Ich glaube, das ist sehr unterhaltsam.“

Die Premiere findet am morgigen Donnerstag intern vor den Schülern der Waldorfschule statt. Alle Interessierten haben am Wochenende aber Gelegenheit, sich das Theaterstück anzusehen. Kostenlose Aufführungen stehen am Freitag (24. Januar) um 20 Uhr, am Samstag (25. Januar) um 20 Uhr sowie am Sonntag (26. Januar) um 17 Uhr in der Waldorfschule auf dem Programm.

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