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Zwölftklässler führen Ionesco auf

Nashörner auf der Waldorf-Bühne

Münster-Gievenbeck

In der Waldorfschule sind die Nashörner los! Aber keine Sorge – nicht in der ganzen Schule. Es gibt sie nur im Saal, dem großen Versammlungsort mit Bühne.

Annegret Lingemann

Mehrfach besetzt sind alle Rollen beim Künstlerischen Abschluss der Waldorfschule, der Theateraufführung „Die Nashörner“ von Eugene Ionesco. Foto: ann

In der Waldorfschule sind die Nashörner los! Aber keine Sorge – nicht in der ganzen Schule. Es gibt sie nur im Saal, dem großen Versammlungsort mit Bühne. Und einstweilen haben auch nur die Schüler der Klasse zwölf Kontakt mit diesen seltsamen Tieren. Im Klartext: seit geraumer Zeit proben die Schülerinnen und Schüler der vorletzten Jahrgangsstufe für ihren Künstlerischen Abschluss der Waldorfschule.

Dieser Abschuss besteht neben einer individuellen Jahresarbeit auch aus einem abendfüllenden Bühnenprogramm, in dem alle vom ersten Schuljahr an entwickelten und erarbeiteten Fertigkeiten gezeigt werden sollen. In diesem Jahr fiel die Wahl des Stückes auf „Die Nashörner“.

Das Stück wurde vor über 60 Jahren zum ersten Mal aufgeführt. Der rumänisch-deutsche Dramatiker Eugene Ionesco, neben Samuel Beckett der Großmeister des „Absurden Theaters“, setzt sich darin mit einer rätselhaften Entwicklung in einer beschaulichen Kleinstadt auseinander: die Menschen verwandeln sich nach und nach in Nashörner.

Der Dichter lebt seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, dennoch ist sein Werk von geradezu beklemmender Aktualität. Individuelle Besonderheiten werden in dem Stück allmählich unterdrückt, sogar für schwächlich gehalten und in grotesker Überzeichnung einer totalitären Gleichschaltung geopfert.

Die Klasse zwölf hat sich mit dem Stück über zwei Monate gedanklich beschäftigt, drei Wochen hatten sie nun Zeit, das Stück zur Aufführung zu bringen. Alles, vom Bühnenbild über die Kostüme bis zur den Requisiten ist Sache der Klasse.

Das ist nicht viel Zeit, findet auch Lehrer Günter Moseler. „Drei Wochen sind schon sehr überschaubar, auch wenn der Schulbetrieb für die Beteiligten in dieser Zeit still steht. Aber der Stoff bleibt und in einem Jahr geht´s ins Abi.“

Günter Moseler hat schon viele Klassen bei ihrem Abschluss begleitet, seine Erfahrung ist bei seinem entspannten, gutgelaunten kameradschaftlichen Umgang mit der Truppe spürbar. Und die Akteure? Denen macht die ungewohnte Betätigung auf, vor und hinter der Bühne viel Spaß – das Lampenfieber ist noch weit weg.

„Das ist auf jeden Fall lohnend“, sagt Greta Winkelhaus. „Man lernt seine Mitschüler auch noch einmal ganz anders kennen, weil man durchgehend so viel Zeit miteinander verbringt.“ Anstrengend sei es aber auch, meint ihr Mitschüler Christian Kruse. „Umbaupläne müssen organisiert werden. Oft muss man lange auf seinen Einsatz warten. Schwierig wird es besonders dann, wenn Dialoge über Kreuz geführt werden und dann mal jemand fehlt.“

Haben die Proben die Berufswünsche in Richtung Schauspielerei angeregt? „Bei uns bislang nicht“, sagen die beiden. Aber ihr Lehrer hat sich schon öfters gefreut, wenn ihm ehemalige Schüler auf der Bühne oder im Fernsehen begegnet sind.

„Die Nashörner“ werden am Freitag und Samstag (24. und 25. Januar) um 19.30 sowie am Sonntag (26. Januar) um 17 Uhr in der Waldorfschule aufgeführt.

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