1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Gievenbeck
  6. >
  7. Vom tristen Leben und Alltag der 1930er-Jahre

  8. >

Abschlussjahrgang der Waldorfschule Gievenbeck bereitet Theaterstück vor

Vom tristen Leben und Alltag der 1930er-Jahre

Münster-Gievenbeck

Am kommenden Wochenende führen Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule Gievenbeck das Stück „Kasimir und Karoline“ auf. Es handelt vom tristen Alltag des Kleinbürgertums der 1930er Jahre. Die Schüler proben aktuell jeden Tag. Doch es geht um mehr, als um das bloße Spielen auf der Bühne.

Von Joel Hunold

14 Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule in Gievenbeck proben mit Günter Moseler (l.) das Stück „Kasimir und Karoline“. Foto: Joel Hunold

Zwei anstrengende Wochen liegen hinter den Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 12 der Waldorfschule in Gievenbeck. Und eine weitere liegt noch vor ihnen. Traditionell führt der Abschlussjahrgang der Schule ein Schauspiel auf. Am kommenden Wochenende ist es soweit. „Wir proben täglich von acht bis 18 Uhr. In der letzten Woche in der Regel noch etwas länger“, erzählt Musiklehrer Günter Moseler.

Aufgeführt wird „Kasimir und Karoline“, ein Stück des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth. „Es behandelt die Krise des Kleinbürgertums in den Dreißigerjahren“, erzählt Moseler. Als „Kasimir“ ist Philipp König einer der Darsteller. „Es ist ein recht ungewöhnliches Stück. Normalerweise haben Theaterstücke einen Spannungsbogen und enden im Höhepunkt.“ Das sei hier jedoch nicht der Fall. Vielmehr sei das Stück ein Abbild des Alltäglichen, des tristen Alltags der 1930er-Jahre. „Das Original spielt auf dem Oktoberfest, aber bei uns ist es eher der Send“, so König. Hannes Lohmar ergänzt: „Alles, was im Stück passiert, könnte den Personen auch an jedem anderen Tag passieren.“

Theaterprojekt als Teambuilding-Maßnahme

„Die Schüler mussten am Anfang erstmal ihre Rollen kennenlernen und verstehen“, erzählt Moseler. Doch während des dreiwöchigen Theaterprojekts gehe es auch darum, das Organisationstalent der Schüler zu fordern. „Sie sind verantwortlich für die Kulissen, für das Licht. Sie entwerfen ein Programmheft, suchen Sponsoren. Und jeder hat ein bis zwei Rollen“, erzählt Moseler. „Theater ist mehr, als bloß auf der Bühne zu stehen und in eine Rolle zu schlüpfen.“ Aus seiner Sicht klappe es bisher ganz gut. „Die Schüler sind selbstständiger als noch vor zehn Jahren.“

„Es ist ganz anders als normale Schule. Es ist sehr intensiv und anstrengend, aber macht auch mehr Spaß“, erzählt derweil Jacob Winkhaus. Zudem lerne man in der intensiven Zeit die eigenen Klassenkameraden anders kennen. Das sei besonders wichtig, weil an der Waldorfschule in Gievenbeck vor dem Abitur noch andere Schüler der Waldorfschule in Everswinkel dazustoßen, die man so viel intensiver kennenlernen könne. „Das ist wie eine große Teambuilding-Maßnahme“, sagt König. Und Lohmar erzählt, er sei überrascht, wie harmonisch das Projekt bisher abgelaufen sei. „Es gibt wenig Stress und Konflikte.“

Nicht das erste Theaterstück

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schüler auf der Bühne stehen. Schon in der achten Klasse steht gewöhnlich ein Theaterstück auf dem Stundenplan. Nervös sind König, Lohmar und Winkhaus daher noch nicht. „Waldorfschüler sind gewöhnlich sehr bühnenerfahren“, so Lohmar.

Das Stück Kasimir und Karoline wird am Freitag (28. Januar) und am Samstag (29. Januar) um 19.30 Uhr sowie am Sonntag (30. Januar) um 17 Uhr im Konzertsaal der Waldorfschule Münster aufgeführt. Tickets gibt es ab sofort unter localticketing.de.

Startseite
ANZEIGE