Interview mit „Wunderkasten“-Betreiberin

Vorfreude auf die Auszeichnung

Münster-Gievenbeck

Erfolg für den „Wunderkasten“: Aktuell gehört das Geschäft zu den bundesweit 118 Preisträgern unter dem Titel „hervorragende Buchhandlung“, verliehen vom Bundesministerium für Kultur und Medien.

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Kirsten Lambeck, Inhaberin der Buchhandlung „Der Wunderkasten“ in Gievenbeck freut sich, dass ihre Buchhandlung bundesweit zu den 118 Preisträgern gehört. Foto: Kay Böckling

Der Umzug vom Michaelweg in die etwas zentraler gelegene Lage am „kleineren“ Rüschhausweg erfolgte vor mehr als drei Jahren. Der risikobehaftete Schritt in eine doppelt so große Immobilie hat sich gelohnt. Die Buchhandlung „Der Wunderkasten“ hat sich etabliert, nein mehr noch: Aktuell gehört das Geschäft zu den bundesweit 118 Preisträgern unter dem Titel „hervorragende Buchhandlung“, verliehen vom Bundesministerium für Kultur und Medien. Wunderkasten-Betreiberin Kirsten Lambeck sprach mit unserem Redakteur Kay­­ Böck­ling.

Frau Lambeck, zunächst einmal Glückwunsch zu der Auszeichnung. Bislang handelt es sich aber „nur“ um eine Nominierung, oder?

Lambeck: Nein, wir haben einen Preis sicher. Jedes Jahr bekommen 118 Buchhandlungen diesen Buchhandlungspreis und zwar in verschiedenen Kategorien. Uns sind schon jetzt 7000 Euro Preisgeld sicher. Fünf Buchhandlungen bekommen 15 000 Euro und die drei besten sogar 25 000 Euro. Aber wir sind erst einmal mit besagten 7000 Euro zufrieden. Natürlich würden wir uns über eine höhere Prämierung freuen. Aber da ist die Konkurrenz natürlich sehr sehr groß und die Branche ist insgesamt sehr engagiert.

Wie oft haben Sie sich um den Buchhandelspreis beworben?

Lambeck: Vier Mal. Und dieses Mal ist es das erste Mal, dass es geklappt hat.

Mit welchem Konzept haben Sie sich beworben?

Lambeck: Überschrieben war die Bewerbung mit „Leidenschaft für Bücher in Gievenbeck“. Das heißt: Wir wollen Menschen und Bücher zusammenbringen. Wir haben eine Leidenschaft für Bücher und wir tragen sie weiter. Das ist es auch, was uns immer wieder gespiegelt wird: Wir können Menschen für Bücher begeistern. Wir sind in Gievenbeck und beziehen uns auch ganz klar auf Gievenbeck und das Umfeld. Wir versuchen im Kopf zu behalten, was hier gebraucht wird.

Nennen Sie dazu doch einmal ein Beispiel.

Lambeck: Hier vor Ort gibt es zum Beispiel wenig, was man für einen Kindergeburtstag kaufen kann.

Weiter zum Konzept . . .

Lambeck: Uns haben Leute angesprochen: „Macht doch mal mehr Lesungen.“ Seit dem Umzug können wir das auch machen. Und das läuft auch sehr erfolgreich. Wir schauen immer danach, für was die Menschen brennen, mit was können wir sie ansprechen.

Waren besagte Lesungen denn auch Bestandteil der Bewerbung?

Lambeck: Ja. Wir haben uns in zwei Kategorien beworben und wir wissen auch noch nicht, in welcher wir gewonnen haben. Das war erstens in der Leseförderung. Wir haben diesbezüglich fast jede Woche eine Veranstaltung in der Kita oder in der Schule. Und da waren beispielsweise letztes Jahr die Harry-Potter-Partys, die super toll gelaufen sind. Das ist Leseförderung. Wir fragen uns immer: Wie können wir Kinder fürs Lesen begeistern.

Und die andere Kategorie?

Lambeck: Das war das Veranstaltungskonzept. Dabei geht es darum, mehr als die klassischen Lesungen anzubieten. Wir hatten in den vergangenen Jahren ein Whiskey-Tasting oder ein Rum-Tasting. Wir haben uns von einer Spezialistin etwas über Musik erzählen lassen. Wir schließen regelmäßig Menschen hier im Buchladen ein, die dann abends hier allein sind. Wir versuchen die Angebote möglichst breit zu fächern.

Stichwort Buch: Ist es im digitalen Zeitalter überhaupt noch konkurrenzfähig?

Lambeck: Absolut. Wir haben – als ich den Laden 2013 übernahm, jedes Jahr steigende Umsätze gehabt. Das liegt daran, dass wir in Gievenbeck das passende Publikum haben.

Aber da ist doch noch das Internet als Konkurrent . . .

Lambeck: Es kommen wirklich viele Leute, die im Internet recherchiert haben, mit ihrem Ausdruck hier her und sagen: „Dieses Buch hätte ich gern. Das möchte ich hier bestellen, weil es mir wichtig ist, dass Sie vor Ort da sind.“

Fahren Sie persönlich zur Preisverleihung am 2. Oktober nach Rostock? Und wenn ja: Mit welchen Hoffnungen? Vielleicht sogar auf den großen Coup, also 25 000 Euro?

Lambeck: Natürlich fahre ich dort hin. Und man hofft insgeheim auch auf den großen Coup. Aber ganz ehrlich: Ich bin überglücklich, dass wir diesen Preis gewonnen haben. Das ist auf der einen Seite eine Anerkennung und uns tun die 7000 Euro auch gut. Und ich freue mich auf die Preisverleihung. Ich habe mir die Teilnehmerliste angeschaut, ich kenne viele Leute. Das sind alles hochengagierte Kollegen, mit denen das viel Spaß machen wird.

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Lambeck: Das steht noch nicht fest. Auf jeden Fall wird es Mitte Oktober eine Party geben – auch mit unseren Kunden. Weil wir denen unendlich dankbar dafür sind, dass sie da sind und uns die Treue halten.

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