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Hiltruper Chefarzt schreibt Ratgeber

Diäten haben meist keinen Erfolg

Münster-Hiltrup

Prof. Rüdiger Horstmann, Chefarzt im Hiltruper Herz-Jesu-Krankenhaus, hat einen Ratgeber für Betroffene mit dem Titel „Raus aus der Adipositas“ verfasst. Sein Ziel: die Krankheit besser verstehen und die Erkrankten weniger diskriminieren.

Prof. Dr. Rüdiger Horstmann ist Chefarzt im Herz-Jesu-Krankenhaus Foto: Tronquet

Krankhaftes Übergewicht oder Adipositas verbreitet sich in allen Wohlstandsgesellschaften schneller als jede andere Krankheit und haben unter den Covid-Maßnahmen nochmals einen deutlichen Schub bekommen. Schätzungen der Weltgesundheitsbehörde gehen davon aus, dass der oder die Deutsche im Durchschnitt in etwa zehn Jahren 15 kg Übergewicht hat.

„Wir werden uns im Alltag daran gewöhnen müssen: Adipositas wird normal“, folgert Prof. Dr. Rüdiger Horstmann, Leiter des Departments Adipositaschirurgie am Herz-Jesu-Krankenhaus. Da die Adipositas als Problem des persönlichen Lebensstils abgetan werde, schenke die Öffentlichkeit dieser „Pandemie“ wenig Beachtung. Dabei sei Fettsucht für viele andere Erkrankungen die wichtigste Ursache: Typ-2-Diabetes, Hypertonus, Schlafstörungen, Gelenkverschleiß, Sodbrennen, bestimmte Krebsarten.

Geringe Beachtung in der Öffentlichkeit

Prof. Horstmann hat einen Ratgeber für Betroffene mit dem Titel „Raus aus der Adipositas“ verfasst. Sein Ziel: die Krankheit besser verstehen, die Erkrankten weniger diskriminieren und Behandlungsoptionen aufzeigen. „Wir möchten übergewichtige Menschen dabei unterstützen, die richtigen Strategien anzuwenden.“

Enormer Leidensdruck

Wer 30, 40 oder mehr Kilo zu viel auf den Rippen hat, steht oft unter einem enormen Leidensdruck. Sie oder er wird stigmatisiert, hat gesundheitliche Probleme und gerät nicht selten in eine Depression. „Das war meine Motivation, mich näher mit dem Thema Adipositas zu befassen“, erzählt Horstmann, der seit 1998 Chefarzt der Abteilung für Chirurgie des Herz-Jesu-Krankenhauses ist.

„Genauer gesagt habe ich mich von Menschen, welche die Adipositas überwunden haben, motivieren lassen. Menschen, die glücklich sind, weil sie wieder mit ihren Kindern oder Enkeln spielen können und Spaß am Leben haben.“

Der Mediziner weiß: Diäten haben in der Regel keinen Erfolg. Die verlorenen Pfunde sammeln sich wieder an. Der Körper überlistet also sozusagen den Geist und macht aus weniger mehr. Zudem schlagen die Hormone den Abnahmewilligen ein Schnippchen, denn bei Adipösen tritt einfach kein Sättigungsgefühl ein oder es hält nicht lange an.

Manchmal hilft nur eine Operation

Manchmal hilft nur eine Operation, etwa ein Magen-Bypass, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wenn jemand rasch operiert werden möchte, weil er glaubt, damit sei er auf einen Schlag alle Probleme los, dann muss ich ihn enttäuschen“, betont Horstmann. In Adipositas-Centren wird auf ein multimodales Konzept gesetzt, um die Chance auf nachhaltigen Erfolg für die Patienten entscheidend zu vergrößern. Zuallererst aber müssen diese für sich selbst die Entscheidung treffen, etwas ändern zu wollen.

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