1. www.wn.de
  2. >
  3. Münster
  4. >
  5. Hiltrup
  6. >
  7. Ein Blick in die vielfältige Welt der Pilze

  8. >

Nabu-Exkursion in der Hohen Ward

Ein Blick in die vielfältige Welt der Pilze

Münster-Hiltrup/Amelsbüren

Pilze sind wundervolle Wesen, nicht alle sind vollständig erforscht. Um sie Interessierten näher zu bringen, hatte der Naturschutzbund zu einer Exkursion mit dem Experten Dr. Jens Wöllecke eingeladen.

Kennt sich mit Pilzen bestens aus: Jens Wöllecke, der die Nabu-Exkursion leitete.  Foto: Ketzschmar

Pilze sind seltsame Wesen. Kein Tier, keine Pflanze, mal unscheinbar, mal augensichtlich. Sie siedeln auf Blättern, auf Totholz, im Waldboden, in Parasiten und gehen eine Symbiose im gegenseitigen Einvernehmen ein.

Wie der Zunderschwamm, der meist auf Buchen spezialisiert ist. Aber wie es immer im Leben ist, fand Dr. Jens Wöllecke während der vom Nabu angebotenen Pilzexkursion durch die Hohe Ward den Pilz auf einer Birke. „Er schadet ihr nicht“, sagte der Pilzexperte. Das ist immer so, schließlich geben Pilze geschädigten Bäumen den finalen Kick.

Symbiose mit Bäumen

Sind die Bäume im guten Zustand, stehen sie in einer Symbiose zu ihren Pilzen. Diese umhüllen die feinen Wurzelspitzen des sogenannten Wirtsbaumes und versorgen ihn mit Nährstoffen. Im Gegenzug beziehen sie den mit der Fotosynthese erzeugten Zucker. Den Zucker braucht das Myzel, um Energie für die Fruchtbildung bereitzustellen. Und natürlich Feuchtigkeit. Eine Win-win-Situation, ohne die ein intaktes Waldleben nicht möglich wäre.

Pilze sind wundervolle Wesen, nicht alle sind vollständig erforscht, viele stehen bereits auf der Roten Liste. Flechten beispielsweise werden stiefmütterlich behandelt. Sie gehen an extremen Standorten eine Symbiose mit Algen ein, wachsen äußerst langsam und stellen dennoch Substrat für andere Organismen bereit. Kreislaufwirtschaft par excellence.

In Nordrhein-Westfalen gibt es 2500 Pilzarten

Die Bestimmung der Pilze ist äußerst schwierig. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 2500 Arten, im Bundesgebiet über 13.000. Da kann selbst ein Experte nicht alle Arten kennen. Es gibt zwar einen Bestimmungsschlüssel, der aber mit bloßem Auge viele Fragen offen lässt. „Erst eine makroskopische Betrachtung führt zu einem Ergebnis“, so der Schwerter Pilzkundler.

Genuss des Knollenblätterpilzes kostet meist das Leben

Gleichwohl gib es Anhaltspunkte. Wie ist der Stil positioniert, wie sehen Hut und Lamellen aus, wie die Knolle? „Aber es gibt kein klassisches Merkmal“, rät Wöllecke zu vielen Pilzexkursionen und Literaturstudien. Dennoch sollte man nie sicher sein. Es gebe nur wenige giftige Pilze, aber der Knollenblätterpilz etwa hat es in sich. Nach seinem Genuss ist die Überlebenschance gering. Die, die Glück hatten, haben entweder eine Lebertransplantation hinter sich oder sind dialyseabhängig. Da wäre es gefahrloser, Kulturpilze in den Speiseplan einzuarbeiten.

Startseite