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Bildmächtig und wortreich: Michael Rickert zieht Bilanz

Erbitterte Himmelskämpfe haben Spuren hinterlassen

Münster-Hiltrup

Auf einen Laudator hatten Michael Rickert verzichtet. Er sprach selbst zum Motto seiner neuen Ausstellung „Leben = Kunst und Kunst = Leben“. Rickert präsentierte sich so, wie man ihn kennt: bildmächtig und wortreich.

Von Michael Grottendieck

Der Künstler und langjährige KvG-Kunsterzieher Michael Rickert gemeinsam mit Eva-Maria Koch vom Kulturbahnhof. Foto: gro

Das vielleicht bemerkenswerteste Bild in luftig-lockerem Blau-Weiß setzt sich zusammen aus vier vertikal angeordneten, länglichen Tafeln. „Gestützte Engel“ lautet der Titel. Vom Künstler ist dazu zu erfahren, dass das Werk „ein Schocker“ ist, „sogar etwas widerlich“.

Entweder glaubt man Michael Rickert die Geschichte unbesehen oder verschafft sich selbst einen Eindruck, dass in einem mumifizierten Zustand tatsächlich Vogelkadaver zu Bestandteilen seiner Bilder wurden. So gingen den gestürzten Engeln erbitterte Himmelskämpfe voraus.

Vorliebe für Rosenblätter

So mancher der annähernd 50 Besucher der Vernissage erfuhr mehr Details über den künstlerischen Schaffensprozess, als ihm oder ihr vielleicht lieb waren. Für zarter besaitete Gemüter sei hinzugefügt, dass Rickert mit Vorliebe auch Rosenblätter verarbeitet hat.

Leidenschaftliches Interesse an der Kunst attestierte Eva-Maria Koch seitens des Kulturbahnhofs dem ausstellenden Künstler. Beide kennen sich seit gemeinsamen Studienzeiten an der Kunstakademie Münster. „Wir zählten zu den ersten Semestern“, ließ Koch anklingen.

Bereits vor einigen Monaten hatte sie einen weiteren ehemaligen Kommilitonen in Hiltrup begrüßt: Klaus Möllers. Jetzt ist Rickert der nächste Hochkaräter, der im Kulturbahnhof ausstellt.

Weit über das KvG Spuren hinterlassen

Ihn in Hiltrup näher vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen tragen. Er hat weit über seine Schule, das KvG-Gymnasium, Spuren hinterlassen. Sein Kunstprojekt wurde zu einem Markenzeichen der Schule. Was es mit dem Motto „Leben = Kunst und Kunst = Leben“ auf sich hat, breitete Rickert in einem unterhaltsam-plauderhaften Duktus aus.

„Stundenlang könnte ich ihm zuhören“, sagte anschließend Schanze-Künstler Klaus Tesching, der jahrzehntelang in ähnlicher Funktion wie Rickert am KvG seinerseits am Kant tätig war. Jetzt hatte er beim Hängen der Bilder geholfen.

Rickert lobte Kooperation und Konkurrenz, die es jahrzehntelang zwischen den beiden Gymnasien gegeben hatte. Doch das ist Vergangenheit. Eine neue Stundentafel habe diese Kooperation zunichte gemacht, erzählte Rickert und hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Eine Katastrophe für Hiltrup.“

Demnächst heißt es: Vater und Sohn

Bei seinem Parforceritt durch das eigene Werden und Wirken hatte der Künstler im alten Arbeitsstuhl seines Vaters Platz genommen. Der war Grundschullehrer in der sauerländischen Heimatgemeinde Menden Sauerland und auch künstlerisch aktiv.

Für das kommende Jahr organisiert das Museum für Stadt- und Kulturgeschichte in Menden eine gemeinsame Ausstellung von Vater und Sohn. Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck war am Sonntag eigens nach Hiltrup gekommen.

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