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Gewässerökologie

„Es funktioniert“

Münster-Hiltrup

Wie sauber ist der Hiltruper See? Was machen die Blaualgen? Welche Fische leben überhaupt dort? Spannende Fragen, bevor der Sommer kommt und den See wieder stark bevölkert.

Michael Grottendieck

Ein Breitmaul-Aal ist dem Gutachter in den Kescher gegangen. Insgesamt ist die Zahl der Fische im Hiltruper See überschaubar. Die Fachleute können damit gut leben. Foto: gro

„Wenn ich Hecht wäre, würde ich mich hier verstecken.“ Es ist eine der vielen Ecken des Hiltruper Sees, an denen die Böschung über das Ufer reicht und somit ideale Verstecke für Fische oder Wasservögel bietet.

Das Zählen der Fische zwischen den Sträuchern ist hier kein Kinderspiel. Selbst mit den Keschern nicht, die mit einem leichten Stromschlag die Tiere für kurze Zeit betäuben. Eine Bestandsaufnahme zu erstellen, gehört zu den Aufgaben von Dr. Hartmut Späh. Der Gutachter hat von der Stadt Münster den Auftrag erhalten, ein fischereibiologisches Gutachten für das Gewässer zu erarbeiten.

Am Hiltruper See hat die Stadt Münster erstmals eine Wunderwaffe gegen Blaualgen ausprobiert. Mit Ultraschall werden seit 2013 Blaualgen erfolgreich bekämpft. „Es funktioniert“, zieht Lutz Hirschmann vom Städtischen Amt für Grünflächen und Umweltschutz zufrieden Bilanz. Für ihn als Praktiker zählt das Ergebnis.

2007 tauchten die Blaualgen im Hiltruper See erstmals in großen Mengen auf. In den folgenden Jahren breiteten sie sich immer wieder im See aus. Mit dem Wind trieben sie ans Ufer, es bildete sich weiß-blauer Schaum und vor allem an den Stegen und am westlichen Ufer entstand ein übler Geruch.

Die Sorge um den See war groß. Dass sich das Gewässer im Wasserschutzgebiet befindet, machte die Aufgabe nicht leichter. „Im Aasee bekämpfen wir die Blaualgen erfolgreich mit Eisen-III-Chlorid, einem Phosphat-Bindungsmittel.“ Daran war im Hiltruper See nicht zu denken. „Dort dürfen wir solche Mittel nicht verwenden.“ Mit Ultraschall werden die Schwimmblasen der Algen zerstört, so dass die Pflanzenteile absinken und gar nicht erst zu blühen beginnen. Erste Tests mit Schallintensitäten, wie sie auch von Ärzten zur Diagnose genutzt werden, verliefen erfolgreich. Ende 2013 gab die Stadt Münster ihr Geheimnis preis.

Seitdem wird die Ultraschallmethode auch auf anderen Seen erfolgreich eingesetzt. In Xanten konnte 2013 der Triathlon nicht stattfinden, da den Sportlern nicht zuzumuten war, in die Blaualgen-Suppe zu steigen. Dank Ultraschall-Behandlung bekam man die Konzentration von Cyanobakterien (Blaualgen) in den Griff.

Aus der Medizin weiß man: Kaum ein Medikament funktioniert in der Regel ohne Nebenwirkungen. Wie steht es damit? Viermal im Jahr, so Lutz Hirschmann, stehen Begleituntersuchungen zu dem Ultraschallprojekt an. Blaualgen sind stets im Blick, auch die Phosphatkonzentration („hier kein Problem“) oder Sichttiefe des Wasser („bis zu 4,5 Meter!"). Einzig über die Fischpopulation ist nichts bekannt. Dabei schaut man auch auf das, was ansonsten noch unter der Wasseroberfläche lebt: Muscheln, Krebse oder Plankton.

„Wir wollen die jetzige Wasserqualität halten oder möglichst optimieren“, lautet das selbstgesteckte Ziel. Dazu Eingriffe in die Nahrungskette denkbar. Gutachter Späh spricht von den „kleinen Stellschrauben“, an denen man drehen wolle.

Daher ist es für den Gutachter wichtig, Daten über die Verteilung von Fried- und Raubfischen Bescheid zu wissen. Gibt es etwa zu viele Karpfen, oder Barsche, die zu viel Zooplankton fressen, müssten Hechte oder Zander eingesetzt werden. Zum Zooplankton gehören die Wasserflöhe, die, einfach gesprochen, für klares Wasser sorgen, weil sie sich von Kiesalgen, Grünalgen, Goldlagen oder auch Cyanobakterien (Blaualgen) ernähren. Als bewährte Methoden gegen Fadenalgen könnte man Rotfedern einsetzen, meint Gutachter Späh.

Und was ist mit den Blaualgen? Man muss weiter auf der Hut sein. „Die lauern nur darauf, sich wieder zu verbreiten“. Im vergangenen Oktober habe man das Ultraschallgerät einmal ausgesetzt. Die Folge: Im Winter stiegen die Werte der Cyanobakterien überraschend stark an.

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