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Intensivpflege-Patient

Marvin fährt nach Hause

Münster-Hiltrup

Endlich darf Marvin Brock nach Hause. Der junge Mann, der an den Rollstuhl gefesselt ist und zudem künstlich beatmet wird, kann nach fünf Monaten das Christoffer-Haus in Hiltrup verlassen. Zu Hause ist er auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung angewiesen.

Michael Grottendieck

Nach knapp fünf Monaten im Christoffer-Haus an der Westfalenstraße verabschiedet sich Marvin Brock vom „Air vital“-Pflege-Team. Björn Peters (2.v.r.) wird ihn auch in Zukunft betreuen. Am Freitag erfolgt der Umzug nach Emsdetten. Foto: gro

Endlich geht es nach Hause! Marvin Brock zählt bereits die Stunden. „Doch, doch, man konnte es gut hier aushalten“, verteilt er artig Komplimente an die Pflegerinnen und Pfleger, die zu einem Abschiedsfoto zusammen gekommen sind.

Dann lachen sie alle nochmals und reißen Witze. Wer der Gruppe auf dem Flur des Christoffer-Hauses ausschließlich zuhört und sie nicht sehen könnte, würde niemals auf den Gedanken kommen, dass der junge Mann, um den sich alles dreht, ein Patient ist, der der Intensivpflege bedarf.

Seit 15 Monaten ist der 22-Jährige an den Rollstuhl gefesselt und muss zudem künstlich beatmet werden. Als am 30. März 2018 in seiner Wirbelsäule ein Aneurysma platzte, änderte dieser Schicksalsschlag sein Leben grundlegend.

Marvin hat sich wieder herangekämpft und Rückschläge weggesteckt. Anfang April erzählte er, dass er in den nächsten Jahren sein Abitur nachholen wollte. Dank Internetverbindungen und Laptop-Rechner, die sich mit dem Mund steuern lassen, ist es technisch machbar. Marvin ist ein Technik-Freak: Er nutzt „Alexa“ und telefoniert über Head-Set.

Sein größter Wunsch, im Stadion ein Fußballspiel seiner Borussia Dortmund zu erleben, wurde ihm sogar binnen einer Woche erfüllt. Carsten Cramer, der BVB-Geschäftsführer aus Münster, hatte Marvin zum Spiel gegen Mainz eingeladen.

„Einmalig“ sei das Erlebnis im Stadion gewesen, erzählt Marvin. Allerdings war es auch anstrengend. Sieben Stunden musste er im Sitzen verbringen, was für ihn völlig ungewohnt ist. „Die letzten 20 Minuten“ des Bundesliga-Spiels, so erzählt er, musste er ganz schön kämpfen, um durchzuhalten.

Noch heute trainiert er täglich seine Nackenmuskulatur. Sie ist die einzige Muskelpartie, die er an seinem Körper noch aktiv steuern kann. Er will seinen Kopf ohne das Stirnband halten können, auf das er angewiesen ist. Zumindest „länger als fünf Sekunden“ will er es schaffen, wie es neulich bei einem Friseurbesuch gelang.

Am Freitag fährt er zurück nach Emsdetten. Ein Pflegerteam von „air vital“ unter Leitung von Björn Peters wird ihn rund um die Uhr in Zwölf-Stunden-Schichten betreuen. Auf die Terrasse könne er direkt vom Schlafzimmer gelangen, kündigt seine Mutter an. Und im Zimmer gibt es eine Tapete mit der berühmten schwarz-gelben „Dortmunder Wand“.

Alles ganz nach dem Geschmack des BVB-Fans.

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