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Wie „Missionare auf Zeit“ in Corona-Zeiten unterstützen

Missionare helfen aus der Ferne

Münster-Hiltrup

Die „Missionare auf Zeit“ mussten sich aufgrund der Pandemie zurückziehen, versuchen aber aus Deutschland Hilfe zu organisieren. Betreut wird der Freiwilligendienst unter anderem von den Hiltruper Missionsschwestern.

Von und

Eine Hilfslieferung ist in Peru angekommen: Die „Missionare auf Zeit“ mussten sich aufgrund der Pandemie zurückziehen, versuchen aber aus Deutschland Hilfe zu organisieren. Betreut wird der Freiwilligendienst unter anderem von den Hiltruper Missionsschwestern. Foto: pd

„Du bist ewig für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast“, heißt es beim kleinen Prinzen. Das spüren derzeit auch so manche „Missionare auf Zeit“, wenn sie derzeit aus Deutschland an vertraute Menschen in ihrem ehemaligen Einsatzgebiet denken. Betreut werden die „Missionare auf Zeit“ von den Hiltruper Missionsschwestern.

Juana hatte es schlimm erwischt – Covid-19. Ein schwerer Verlauf, die 62-jährige Peruanerin musste beatmet werden. Juanas Tochter Ana berichtete ihrer Freundin Eva Dreier in Deutschland von der Krankheit ihrer Mutter; auch andere Familienmitglieder hatten sich angesteckt.

Familien müssen Sauerstoff selber kaufen

Was das Ganze umso schlimmer machte, waren die schier unbezahlbaren Kosten, die der Familie dadurch entstanden. Denn in Peru müssen die Menschen den knappen Sauerstoff selbst kaufen. Binnen kurzer Zeit kletterten die Kosten für eine einzige Sauerstoffflasche von 200 auf 500 Euro.

Für Dreier war es selbstverständlich, dass sie helfen würde. Sie startete einen Hilfeaufruf über die sozialen Netzwerke und sammelte innerhalb weniger Tage fast 3000 Euro, die sie nach Peru überwies.

Dreier hatte Ana und ihre Familie in Lima kennengelernt. Dorthin hatten die Hiltruper Missionsschwestern die junge Frau 2014 als „Missionarin auf Zeit“ (MaZ) entsandt. Dieser Freiwilligendienst dauert in der Regel ein Jahr. Die meisten treten ihn nach dem Abitur an. „Bei vielen verstärken sich noch einmal Einstellungen in sozialer oder theologischer Hinsicht,“ sagt Markus Woettki, der bei den Steyler Missionaren für das MaZ-Programm zuständig ist.

Überstürzter Aufbruch zurück nach Deutschland

Häufig veränderten sich dadurch auch Studienwünsche oder berufliche Perspektiven. Alle aussendenden Orden führen Rückkehrer-Seminare durch. Dabei drehen sich die Gespräche häufig um strukturelle Ungerechtigkeiten, heißt es in der Pressemitteilung. „Die MaZ erleben sich als privilegiert, das wurde im letzten Jahr besonders deutlich. Einerseits waren sie dankbar, dass sie nach Deutschland zurückgeholt wurden, andererseits waren sie bedrückt, weil alle anderen ja bleiben mussten.“

Der oft überstürzte Aufbruch durch Corona verschärfte dieses Gefühl. „Das war dramatisch,“ sagt rückblickend Dario Hülsmann, zuständig für das vom MaZ-Programm der Hiltruper Missionsschwestern. „Sie hatten noch nicht einmal Zeit, sich zu verabschieden.“

Wieder zurück in Deutschland, setzten die „Missionare auf Zeit“ ihren Freiwilligendienst in deutschen Projekten fort. „Sozialkaufhaus, Tafel, Engagement für die Kinder von Geflüchteten,“ zählt Hülsmann auf.

Das jeweilige Projekt im Entsendeland verliert aber kaum jemand aus dem Blick. „Ich versuche von hier aus etwas zu machen“, ist ein Satz, den Woettki vor allem im vergangenen Jahr häufig gehört hat. Emely Farnow hat ihre Fotos zu Kunstdrucken verarbeitet und beim Rückkehrer-Seminar in Münster-Hiltrup zum Verkauf angeboten. Farnow erstellte nach ihrer überstürzten Rückkehr aus Lima den Blog „Naranja con sal“ (Orange mit Salz). Zusammen mit Menschen vor Ort beschreibt sie darin die Situation der Bevölkerung. „Die Armen in Lateinamerika wurden durch Corona um zehn Jahre zurückgeworfen.“

Kritik an der peruanischen Regierung

Die Hiltruper Missionsschwestern haben zusammen mit zahlreichen anderen Organisationen einen Brief an die peruanische Regierung unterzeichnet, der das Staatsversagen anprangert. So groß die Hilfsbereitschaft auch sein mag – Anas Mutter konnten die „Missionare auf Zeit“ dennoch nicht helfen. Juana ist Anfang Februar an Covid-19 gestorben.

Wer spenden möchte, kann dieses auf folgendes Konto tun: Stiftung der Missionsschwestern Hiltrup, IBAN: DE98 4006 0265 0030 7774 00, Verwendungszweck: Notfallhilfe Covid19Peru.

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