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Vortragsabend „Zwischen Kreuz und Hakenkreuz“

Plädoyer für einen differenzierten Blick

Münster-Hiltrup

Vor „vollem Haus“ im Alten Pfarrhof sprach Prof. Dr. Markus Köster, der Leiter des LWL-Medienzentrums. Er befasste sich mit der Rolle der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus. Eingeladen hatte der Bernhard-Poether-Arbeitskreis.

Von Michael Grottendieck

Pfarrer Ewald Spieker (l.) und Moderator Gisbert Strotdrees (r.) begrüßten den Referenten Prof. Dr. Markus Köster. Foto: Grottendieck

Wenn es um die Rolle der Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus, ist das Interesse und die Diskussionsbereitschaft groß. So sprach Prof. Dr. Markus Köster, Leiter des LWL-Medienzentrums, vor „vollem Haus“ im Alten Pfarrhof.

Köster war auf Einladung des Arbeitskreises Bernhard Poether nach Hiltrup gekommen. Zuletzt hatte er etwas erreicht, was auch für einen Historiker nicht alltäglich ist: Aufgrund seiner Studien über Schwester Laudeberta, der geheimen Informantin Kardinal Graf von Galens, wird jetzt ein Aaseitenweg nach der beherzten Clemens­schwester benannt. Möglicherweise hat sie viele Menschen in den Heil- und Pflegeeinrichtungen vor dem sicheren Tod bewahrt.

Kirche hat zu oft geschwiegen

Die katholische Kirche als Hort des Resistenz, womöglich sogar des Widerstandes in der NS-Zeit – dieses Selbstbild hat der Katholizismus lange Zeit allzu gerne gepflegt. In Münster hatte man mit Graf von Galen einen Kirchenführer, der den Nazis tatsächlich offen die Stirn bot.

Dass die katholische Kirche viel zu selten das Wort erhoben hatte, hat der spätere erste Bundeskanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, bereits 1946 nüchtern analysiert, wie Moderator Gisbert Strotdrees in seiner Begrüßung betonte.

Markus Köster plädierte für eine differenzierte Sichtweise: So bedeutsam die Rolle von Galens gewesen sei, da er sich nicht auf das Zurückweisen von Angriffen auf die Kirche beschränkte, umso problematischer waren das Schweigen zur Judenverfolgung oder seine Worte zum Zweiten Weltkrieg.

Rolle Kaplan Poethers

Zur Rolle Kaplan Poethers steuerte der Referent freilich wenig Neues bei. Dafür ar­beitete er die großen Linien umso deutlicher und souveräner heraus, in denen auch Poethers Eintreten für polnisch sprechende Gemeindemitglieder in Bottrop zu Kriegsbeginn zu sehen ist.

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