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Hiltrup

Poethers verschollene Ausstellung

Michael Grottendieck

Münster-Hiltrup - Die Erinnerung an den jungen Kaplan Bernhard Poether, der sein Leben im Konzentrationslager Dachau ließ, ist in Hiltrup von einem merkwürdigem Auf und Ab geprägt. Wie jetzt nach WN-Recherchen bekannt wurde, ist eine komplette Ausstellung über Poether, die 1995 vom Hiltruper Museumsverein erarbeitet worden ist, nicht mehr auffindbar.

Der Arbeitskreis in der Clemensgemeinde, der das Gedenken an Poether wachhalten will, steht vor einem Rätsel. „Die Ausstellung ist quasi verschollen“, sagt Pfarrer Ewald Spieker. Sie müsste allerdings noch existieren, vermutet der Geistliche. „Den Dachboden zu finden, auf dem sich die Unterlagen befinden, ist die Kunst“, umschreibt Spieker die Herausforderung.

Fakt ist: Der Hiltruper Museumsverein verfügt in seinem Archiv über keinerlei Unterlagen über die Poe­ther-Ausstellung, wie Vertreter des Vorstandes auf Anfrage bestätigten. Karl Schmidt und Elisabeth Egger hatten die Ausstellung damals erarbeitet. Beide sind mittlerweile gestorben.

Die Ehrenvorsitzende des Museumsvereins, Bärbel Reisener, vermutet, die Unterlagen seien entweder an das Museum gegeben worden oder befänden sich im Privatbesitz der Nachfahren. Recherchen des Poether-Arbeitskreises führten bislang nicht weiter.

Die Ausstellung wurde damals im Marienheim, der Sparkassenfiliale an der Marktallee sowie im Paulinum gezeigt. Schmidt und Egger war es gelungen, Bilddokumente und Augenzeugenberichte zu präsentieren. Beide regten an, eine Gedenkstätte für Poether zu errichten.

Hieran knüpft gegenwärtig der Arbeitskreis in der Clemensgemeinde an. So soll der Bereich des Seitenaltars, in dem die Asche Poe­thers verwahrt ist, ansprechender gestaltet werden. Ein zentrales Anliegen ist es zudem, die Bedeutung Poethers für junge Menschen herauszuarbeiten und Katechese- und Unterrichtsmaterialien sowie ein Kinderbuch über das Wirken Kaplan Poethers zu erstellen.

Eine Seligsprechung, von der beim Besuch des Bischofs Dr. Felix Genn bereits einige Gemeindemitglieder euphorisch sprachen, steht laut Pfarrer Spieker „nicht an erster Stelle“ der gesteckten Ziele. „Wir würden auch weiterarbeiten, wenn Kaplan Poe­ther nicht selig gesprochen wird. Es geht darum, die Erinnerung wach zu halten.“

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