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Ingrid Löhr legt ein Buch mit fabelhaften Mächen vor

Pralinen und Kaffee mit Eierlikör

Münster-Hiltrup

Jeder weiß, was im Märchen passiert. Aschenputtel brezelt sich ausnahmsweise auf „und putzt sich sogar die Zähne“. Sie tanzt mit dem Königssohn und erobert dessen Herz. Dann geht es unkonventionell weiter. Ingrid Löhr erzählt es in ihren fabelhaften Märchen.

Michael Grottendieck

Einige Zeichnungen wie den Esel der Bremer Stadtmusikanten hat Erwin Löhr zu dem Märchenbuch seiner Frau Ingrid Löhr beigesteuert.

Aschenputtel bleibt Aschenputtel. Sie ist einfach schlampig. Ihre Geschwister wissen schon, warum sie Aschenputtel nicht mitnehmen wollen, als der junge Königssohn zum Ball einlädt. Sie sagen ihr offen ins Gesicht: „Du blamierst uns nur.“

Jeder weiß, was im Märchen passiert. Aschenputtel brezelt sich ausnahmsweise auf „und putzt sich sogar die Zähne“. Sie tanzt mit dem Königssohn und erobert dessen Herz.

In ihrem neuesten Buch befasst sich Ingrid Löhr ausschließlich mit Märchen. „Dornröschen und das Schweizer Messer“, lautet der Titel der kleinen Märchensammlung, die wiederum im Sonderpunkt-Verlag erschienen ist.

Es handelt sich um fabelhafte Märchen. Also um Märchen, die nicht auf traditionelle Weise erzählt werden. Ingrid Löhr wandelt sie ab, erzählt sie neu mit bisweilen überraschendem Ausgang und durchweg in einer erfrischenden, handfesten Sprache. Das zusammen garantiert doppelten Lesespaß.

„Ich liebe Märchen“, erzählt die Autorin (Jahrgang 1935), die im Laufe der Jahre zwei Dutzend Bücher publiziert hat. Diese Märchen hat sie zu ihrem eigenen Vergnügen geschrieben, erzählt sie. Sie will die herkömmlichen Erzählungen ausschmücken und reduzieren und in die heutige Zeit bringen: Nur eines will sie nicht, was ansonsten typisch für viele alte Märchentexte ist: „Ich will auf keinen Fall pädagogisch belehren.“

Einige Märchen sind kaum noch wiederzuerkennen sind. Ingrid Löhr sieht es gelassen: „Märchen halten das aus.“ Außerdem weiß sie, dass ihre Version des „Dornröschens“ vom Publikum geliebt wird. Als vor dem Lockdown noch öffentliche Lesungen möglich waren, hat sie diesen Text „öfter als Zugabe gelesen“, erzählt die Autorin. Dornröschen war ihr Versuchsballon für ihr Märchen-Büchlein.

Wie aber geht die Geschichte vom Aschenputtel weiter? Wenig überraschend: Sie nimmt keinen märchenhaften Verlauf nach dem Motto: „Und sie lebten glücklich bis an das Ende ihrer Tage.“ Ingrid Löhr erzählt, dass Aschenputtel bereits am Tag nach dem großen Fest ihrem zukünftigen Mann in einem schmuddeligen T-Shirt entgegen tritt. Auch Haus und Hof sind nicht in einem Zustand, als dass man sie vorzeigen könnte. „Verliebtheit trübt bekanntlich die Sicht.“

Wenige Monate nach der Hochzeit gleicht der Königspalast ihrem früheren Heim. „Sie schlampt herum, wie gewohnt. Den ganzen Tag hockt sie vor dem Fernseher, knabbert Pralinen und trinkt Kaffee mit Eierlikör. Die Diener sind inzwischen genauso faul wie sie.“ Wie wird wohl ihr Gemahl. Der König, reagieren?

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