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Henk Plas eröffnete die Orgelfestwochen in St. Clemens

Rasant und virtuos bis zum strahlenden Finale

Münster-Hiltrup

Für eine neue Runde der „Orgelfestwochen“ griff Henk Plas am Sonntag als erster Künstler in die Tasten der Seifert-Orgel in der St. Clemens-Kirche. Er kennt das Instrument wie seine Westentasche.

Von Christoph Schulte im Walde

Henk Plas vor der Seifert-Orgel. Foto: Christoph Schulte im Walde

Die St.-Clemens-Kirche ist längst fein herausgeputzt und erstrahlt inzwischen in neuem Glanz. Was nun noch fehlt: das gründliche „Reinemachen“ für die Seifert-Orgel auf der Empore. Denn an dem schönen Instrument ist die Kirchenrenovierung natürlich nicht spurlos vorüber gegangen.

Trotzdem sorgt Henk Plas, der musikalische „Hausherr“ von St. Clemens, in diesem Jahr wieder für eine neue Runde der „Orgelfestwochen“ und griff am Sonntag als erster Künstler in die Tasten. Plas hat dabei einen klaren Heimvorteil: Er kennt die Orgel wie seine Westentasche und weiß genau, was sich auf ihr am besten spielen lässt.

Knackige Trompeten – duftige Flöten

Davon zeugte denn auch sein Programm mit französischer Musik aus der Zeit des Barock bis hinein ins 20. Jahrhundert. Für die locker zusammengefügten Sätze der Suite Jean-Adam Guilains standen knackige Trompeten, duftige Flöten und perlende Kornette bereit – eine Farbpalette, von der sich auch Charles Tournemire noch 200 Jahre später hat inspirieren lassen. Seine „Suite évocatrice“ atmet den Geist der großen komponierenden Vorfahren.

Das gilt in gewissem Maß auch für den im niederländischen Haarlem geborenen Hendrik Andriessen: In „Thema mit Variationen“ schlägt er eine archaisierende Sprache an, mit er es sich zu beschäftigen lohnt. Meister wie Alexandre Guilmant, Théodore Dubois und Gabriel Pierné erkundeten Jahrzehnte zuvor die sinfonischen Qualitäten der französischen Orgel des 19. Jahrhunderts.

Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts

So ließ Henk Plas mit Guilmants „La Crèche“ (Die Krippe) ein hübsches Genrebild entstehen oder in Piernés „Cantilène“ die imaginäre Orchester-Oboe singen. Stimmungen und Gefühle, außermusikalische Eindrücke von Mensch und Natur zu schildern – das war Mitte des 19. Jahrhunderts gerade in Paris absolut angesagt, sogar in den großen Pariser Kirchen.

Diesen Trend machte er nur bedingt mit: Alexandre-Pierre-François Boëly. Er blieb der Tradition treu, hielt die Fahne überlieferter Kompositionstechniken hoch, um sie dennoch behutsam und elegant mit dem Geschmack seiner Zeit ein klein wenig einzufärben.

Ausdruck der Wertschätzung

Boëlys „Fantasie und Fuge B-Dur“ ist dafür ein schönes Beispiel. Ein rasantes, virtuoses Stück, das Henk Plas ganz selbstbewusst quasi an den Hörnern packte bis hin zum strahlenden Finale.

Angesichts des bemerkenswert großen Zuspruchs der vielen Zuhörerinnen und Zuhörer könnte manch eine Innenstadtkirche in Münster neidisch werden. Sicher auch ein Ausdruck der Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit von Henk Plas in der Gemeinde.

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