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Hiltrup

Seligsprechung Bernhard Poethers?

Michael Grottendieck

Münster-Hiltrup - „Bernhard Poether blieb nicht taub, als er die Schreie der Inhaftierten hörte. Er blieb auch nicht stumm, indem er den NS-Schergen mutig entgegentrat und das Unrecht beim Namen nannte.“ Bischof Dr. Felix Genn hat während eines Pontifikalamtes in St. Clemens der Pfarrgemeinde ausdrücklich dafür gedankt, dass sie die Erinnerung an den 1942 im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Priester Bernhard Poether lebendig halte. Der in Hiltrup aufgewachsene Geistliche hatte im September 1939 gegen die Verhaftungen polnisch sprechender Katholiken protestiert.

Wer heute im Telefonbuch einer Ruhrgebietsstadt blättert, stößt auf viele polnisch klingende Namen. In Bottrop, der Wirkungsstätte Poethers, war die Zahl polnisch sprechender Arbeiter so groß, dass es im Volksmund sogar Klein-Warschau genannt wurde. Mit Kriegsausbruch 1939 erlitten sie oft das gleiche Schicksal wie die Bevölkerung in Polen. Denn obwohl viele längst über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügten, galten sie den nationalsozialistischen Machthabern als Staatsfeinde.

Poether nahm dies nicht schweigend hin und wurde im September 1939 verhaftet. Er war selbst zum Staatsfeind geworden. Aus der Haft sollte er nicht mehr entlassen werden. Am 5. August 1942 starb er an den Folgen der brutalen Haftbedingungen in Dachau. Er war der erste Priester aus dem Bistum Münster, der in der NS-Zeit verhaftet wurde; insgesamt wurden 2730 Geistliche verhaftet, von denen 1034 in Lagerhaft starben.

Bernhard Poether ist nie völlig in Vergessenheit geraten. Und doch weiß man merkwürdig wenig über ihn, wie der Arbeitskreis Poether, der sich im Dezember gegründet hat, erfuhr. Der Gedenk- und Studientag, zu dem der Kreis am Samstag eingeladen hatte, sollte etwas daran ändern. Insbesondere Dr. Herbert Sowade, ehemaliger Leiter des Bistumsarchivs, hatte zusammengetragen, was man heute über Poether noch weiß. Ein Bombentreffer hat 1943 alle Unterlagen im Generalvikariat vernichtet. Auskunft geben nurmehr Verhörprotokolle, Briefe an den Vater sowie Erinnerungen von Zeitzeugen.

Pastor Clemens Bombeck aus Gladbeck-Zweckel, der Kaplanstation Poethers 1936 bis 1939, hatte einen Zeitzeugen mitgebracht. Bombeck berichtete zudem, wie seine Herz-Jesu-Gemeinde alle verfügbaren Unterlagen zu Poether zusammengetragen und er selbst ein Interview mit Pastor Hermann Scheipers aus Ochtrup geführt hatte, dem letzten noch lebenden Geistlichen, der im Priesterblock des Konzentrationslagers Dachau inhaftiert war.

„All das muss schriftlich niedergelegt werden“, forderte der Kirchenjurist Bombeck, der als Offizial im Bistum Essen und im Erzbistum Köln tätig ist. Bombeck sprach mehrfach ein mögliches Seligsprechungsverfahren Poethers an. Die Initiative müsse jedoch von Münster oder aber München ausgehen. Münsters Offizial Martin Hülskamp, der für diese Verfahren zuständig sei, habe in der Vergangenheit eher zurückhaltend reagiert.

Mit Bischof Felix Genn werden neue Hoffnungen verknüpft. Der Pfarrer seiner Heimatgemeinde in Wassenach in der Eifel ist ebenfalls als Märtyrerpriester im Konzentrationslager Dachau gestorben. Es ist bekannt, dass Genn sich für ein stärkeres Gedenken an alle Priester einsetzt, die für ihr Glaubenszeugnis in der NS-Diktatur ihr Leben ließen. In der Clemens-Kirche sagte er: „Es gab nicht nur die Kriegstreiber und Hetzer. Es gab auch das andere Deutschland - wie der aus ihrer Gemeinde stammende Priester Bernhard Poether.“

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