Vor der Senioren Union zerpflückt Prof. Dr. Thomas Sternberg die Politik der Landesregierung
Sternberg wünscht sich Stadtbahn zwischen Münster und Hiltrup
Münster-Hiltrup
Der Weg von der Landeshauptstadt Düsseldorf nach Hiltrup kann mühsam sein. Thomas Sternberg hat ihn trotz aller Widrigkeiten auf sich genommen. Erst fiel ein Zug aus, dann musste er sich durch den Feierabendverkehr von Münster nach Hiltrup quälen. Da darf man schon mal einen Wunsch äußern: Bessere ICE-Verbindung für Münster sowie eine Stadtbahn zwischen Münster und Hiltrup, am besten über die Hammer Straße.
Die Senioren-Union disponierte bei ihrem traditionellen Eisbein- oder Haxenessen kurzerhand um. Erst das Essen, dann die Politik. Und der frisch gekürte Landtagskandidat Dr. Stefan Nacke erhielt die Chance, sich binnen vier Wochen ein zweites Mal bei der Senioren Union zu präsentieren.
Wenn man so will, sorgte Sternberg für das Dessert. Der scheidende Landtagsabgeordnete enttäuschte die Anwesenden nicht. Später sollte der Vorsitzende Ludwig Coenen von „lautloser Stille“ sprechen, die im Saal herrschte, als die Mitglieder die Rede verfolgten.
Sternberg schafft es wie kaum ein anderer, den Bogen zu schlagen von der Weltpolitik, in der sich der IS-Terror zur Geißel der Menschheit erweist, wie er sagt, bis zur Landespolitik, etwa der Schulpolitik.
Eindringlich verteidigt er zunächst die Flüchtlingspolitik Angela Merkels. Mit dem deutschsprachigen Buchautor Asfa-Wossen Asserate, einem gebürtigen Prinzen aus Äthiopien, ist er überzeugt, dass die große Völkerwanderung in Afrika erst begonnen hat. Abschottung allein helfe nicht weiter. Zudem, so warnt Sternberg, seien Flüchtlingspolitik und Gefährdung der inneren Sicherheit „zwei Paar Schuhe“, wie er am Beispiel Frankreich zu erkennen glaubt.
Im Mittelpunkt seiner Rede steht die Landespolitik: „NRW kann mehr“, ist er überzeugt. Und: „NRW ist kein Erbhof der SPD.“ Angefangen von der Wirtschaftspolitik bis hin zur Abwanderung des Care-Institutes aus Münster nach München – Sternberg zerpflückt regelrecht die Politik der Regierung Kraft.
In der Schulpolitik bereitet ihm Sorge, dass es künftig keine Schulempfehlungen mehr gebe, die Gymnasien ihre Schüler nicht mehr auf andere Schulformen schicken dürften und alle Bildungsabschlüsse anbieten müssten. „Dann haben wir die Gesamtschule. Der alte Schulkrieg taucht trotz des Schulfriedens wieder auf“, stellt Sternberg fest. Beim Thema Inklusion an den Schulen nimmt er ebenfalls kein Blatt vor den Mund und spricht von einer völlig falsch laufenden Entwicklung. „Da bahnt sich im Moment eine Katastrophe an“, so seine Prophezeiung.
Andere Katastrophen in NRW sind aus Sicht Sternbergs längst offenkundig. Kinderarmut sei hier häufiger anzutreffen als in irgendeinem anderen Bundesland. Die Arbeitslosenzahlen des Landes seien höher als in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. „Wir müssen darauf achten, dass wir dieses Ruhrgebiet wieder auf die Beine bekommen“, fordert Sternberg.
Und schließlich das abgewanderte „Care“-Institutes von Prof. Schöler: Was machen die Bayern anders? Sternberg ist überzeugt, die bayerische Regierung habe alles getan, um das Institut zu unterstützen, während man in NRW durch ständig neue Prüfungen den Stammzellenforschern immer weitere Steine in den Weg gelegt habe. Im kommenden Monat wird das Institut in München eröffnet. Dort heißt es nicht „Care“, sondern „Isar“.
