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Klimawandel und Kriegsangst kurios kommuniziert

Kunst am Rand: Umjubelte Premiere der "Moldrickx-Interventionen"

Münster-Kinderhaus

Beeindruckend, schmerzend und inspirierend zugleich: Die Performance von Stephan US ging an Grenzen. Fazit: Eine gelungene Premiere der „Moldrickx-Interventionen“. Anhaltender Applaus.

Körperlich gab der Künstler Stephan Us alles bei der lang beklatschten Performance auf dem Moldrickx-Gelände.

Im Rahmen von „Kunst am Rand“ begeisterte der Künstler Stephan Us jetzt mit seiner Performance „Nomadic No Man’s Land #Quartier Moldrickx“ das Publikum.

Us blies einen Autoreifen mit einem Wasserball als Erdkugel auf, sodass sich die Erdkugel in dem Reifen deformiert einzwängte. Mit diesem starken Bild des Auto- und Mobilitätswahns fuhr er wild über die Baustelle und durch das Publikum. Er baute Häuser aus Geld, die verbrannten und einen Gedankenraum zwischen Immobilienblase und Mietpreisen eröffneten.

Stephan US: Archaische Kunsterfahrungen auf ehemaligem Gärtnereigelände Foto: Ralf Emmerich
Stephan US geht an seine Grenzen. Foto: Ralf Emmerich

Fast unerträglich mit anzusehen, lag Us minutenlang mit Schwimmflügel bestückt, einen Fisch in der Hand, auf einem Stuhl. Zitternd und die Balance haltend, tropfte Wasser einer Eiskugel auf seinen Kopf, und unter ihm brannte das Feuer einer Kerze – ein wahrlich starkes und beklemmendes Bild zum Thema Klimawandel und Balance.

Krieg vortrefflich spürbar gemacht

Auch der Krieg in der Ukraine kam ganz nah. Auf riesigen Abwasserrohren, die wie ein Arsenal von Raketen auf der Baustelle wirkten, schrieb Us mit weißer Kreide das ABC, aus Patronenhülsen blutete es auf sein Hemd. Assoziationsketten von Kriegen um Wasser, der Manipulation von Kommunikation bis hin zu ABC-Waffen standen in den Gesichtern des Publikums. Am Ende tanzte Stephan Us mit dem blutverschmierten, nun brennenden Hemd sinnlich in eine Nacht voller Hoffnung. Es gab langen Applaus für diesen teilweise sprachlos machenden Auftakt der „Moldrickx-Interventionen“.

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