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Erkenntnisse zur Gaststätte "Zum Goldenen Anker"

Lohntüten von „Pulver Ernst“ wurden  vertrunken

Münster-Nord

Die Gaststätte Zum Goldenen Anker stand in der Nähe des ehemaligen Max-Clemens-Kanals an der Wermelingstraße. Zwei Leser erinnern sich an die Arbeiter, die häufig im „Anker“ einkehrten, und an nächtliche Besuche bei der strengen Wirtin.

Noch heute steht das Haus an der Wermelingstraße 10, das einst die Gaststätte Zum Goldenen Anker beherbergte. Foto: isa

Münster-NordDie Serie zum Max-Clemens-Kanal, der einst Münster mit dem nördlichen Münsterland verband, stößt weiter auf großes Interesse. Nun wandten sich gleich zwei Leser an unsere Zeitung, die neue Informationen zu der Gaststätte Zum Goldenen Anker beisteuern können, die im Viertel früher offenbar eine große Rolle spielte.

Der erste Serienteil betraf bekanntlich den Startpunkt des Kanals, den münsterischen Hafen in der Nähe des Zwingers. Dort in der Nähe, an der Wermelingstraße 10, wurde offenbar besagte Gaststätte betrieben.

Direkt gegenüber der Kneipe habe sich seit 1946 eine Ankerwickelei befunden, die zur Firma Hülsbömer und Weischer gehörte, berichtet Dr. Jan Weischer von der gleichnamigen Firma.

Und weiter: „In den 1950er-Jahren war es durchaus noch üblich, dass unsere Mitarbeiter ihre Mittagspause im Goldenen Anker verbrachten und sich mit einem oder zwei Glas Bier für den Nachmittag stärkten, der in Zeiten der 48-Stunden-Woche ja auch länger war als heutzutage.“

Das Gebäude (l.) zeigt die Ruine der Gaststätte „Zum Goldenen Anker“ an der Wermelingstraße 10. Foto: Stadtmuseum Münster/Sammlung Viktor Jack

Spannend sei es zum Wochenende geworden, „wenn unser Prokurist Ernst Bless, genannt ,Pulver Ernst’, die Lohntüten mit dem Wochenabschlag verteilte“, so Weischer weiter. Viele Ehefrauen trinkfreudiger Mitarbeiter hätten dann im Hof gewartet, um die Lohntüte des Gatten zu konfiszieren und dadurch zu verhindern, dass im Goldenen Anker das erste Loch in die Lohntüte getrunken wurde.

Weischer hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass die Namensgebung der Kneipe Bezug auf die Ankerwickelei nahm, wie ein anderer Leser vermutet hatte. „Kneipen mit diesem gängigen Namen gibt es von Hamburg bis Bayreuth“, meint er. „Falls die Kneipe schon vor unserer Ansiedelung 1946 Zum Goldenen Anker hieß, wäre diese These sogar widerlegt.“

Später zog eine Studentenverbindung ein

Aus jüngerer Zeit stammen die Erfahrungen unseres Lesers Reinhold Poguntke, der sich „sehr gut daran erinnern“ kann, dass die Gaststätte „mindestens bis in die 1970er-Jahre in Betrieb“ war.

In dieser Zeit sei er mit einem Freund zusammen nämlich häufiger auf dem Heimweg aus der Innenstadt in Richtung Cheruskerring dort vorbei gekommen. „Dabei haben wir regelmäßig bei der Wirtin im Goldenen Anker Station gemacht – sofern sie uns noch hereingelassen hat“, erinnert sich Poguntke lächelnd.

Sie seien nämlich stets sehr spät dran gewesen und die „strenge alte Dame hatte manches Mal schon geputzt“. Daher sei sie nicht begeistert gewesen, „wenn wir für ein einziges Bierchen hereinschneiten“, hat Poguntke heute Verständnis für die Wirtin. Ende der 1970er-Jahre habe die Gaststätte dann geschlossen.

„Anschließend zog eine Studentenverbindung in die Räumlichkeiten ein“, erinnert sich Poguntke. Noch heute weise eine Hülse an der Fassade auf die Stelle hin, in die seinerseits die Flagge der Verbindung gesteckt wurde. Inzwischen dient das Gebäude als Wohnhaus.

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