Wohngebiet Brüningheide

ZBI-Gruppe: „Wir sind keine Heuschrecken“

Münster-Kinderhaus

Vor zwei Jahren übernahm die ZBI-Gruppe zwei Drittel der Hochhäuser im Wohngebiet Brüningheide. Dies hat bei Bewohnern und Politik große Hoffnungen auf längst fällige Sanierungen geweckt. Jetzt stellte sich eine ZBI-Vertreterin den Fragen der Bezirksvertretung Nord. Dabei wurden viele Einzelheiten bekannt.

Von Iris Sauer-Waltermann

An der Killingstraße sollen zahlreiche Sanierungen vorgenommen werden. Das Wohnquartier soll Schritt für Schritt attraktiver gemacht werden. Einige Maßnahmen wurden bereits erfolgreich beendet. Foto: isa

Viele kennen die Hochhäuser am Wohnquartier Brüningheide – auf engem Raum zusammengedrängt, zum Teil stark sanierungsbedürftig. Wenige jedoch wissen, wer hinter den Objekten steckt. Entsprechend erfreut und mit großen Erwartungen wurde jetzt Anja Gotthardt von der ZBI-Gruppe bei der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Nord begrüßt.

Die Gruppe mit dem spröden Namen, der für „Zentral Boden Immobilien“ steht, ist seit 2019 Fondsmanagerin von rund 700 Wohnungen in Kinderhaus. „Wir haben fast 20 Jahre Erfahrungen in der Brüningheide, ein voriger Eigentümer ist noch nie in einer BV-Sitzung aufgetaucht“, konstatierte Gabriele Regenitter. Daher habe man nun um so mehr „ein gutes Gefühl“, fügte die Leiterin des münsterischen Amts für Wohnungswesen hinzu. „Mit Ihnen bekommt die ZBI hier ein Gesicht.“

Weitere Projekte geplant

Und dann bekannte sich Anja Gotthardt auch noch persönlich zu den schleifenartig angeordneten Wohnkomplexen an Brüningheide, Killingstraße, Sprickmannstraße und Sprickmannplatz. „Ich bin ein totaler Fan dieses münsterschen Standorts, hier gibt es viel Grün“, schwärmte die ZBI-Vertreterin. Und sie bekräftigte: „Wir sind keine Heuschrecken, die nur Geld aus den Objekten herausziehen.“ Vielmehr wolle man ordentlich in die Bestände investieren.

Zur Untermauerung dieses Versprechens stellte Gotthardt einen umfangreichen Sanierungsplan der ZBI-Gruppe vor. „Im Mittelpunkt stehen zunächst grundlegende Maßnahmen an den Häusern Killingstraße 15 bis 31“, erläuterte sie. Weitere Projekte sollen sich anschließen.

Zu den Details: Seit der Übernahme vor zwei Jahren habe die ZBI unter anderem schon Gehwege an der Brüningheide instandgesetzt, einen Spielplatz an der Sprickmannstraße erneuert und die Reaktivierung verschiedener Tiefgaragen angestoßen.

Optimierung der Beleuchtung

„Noch im Jahr 2020 sollen vor allem Maßnahmen durchgeführt werden, die sicherheitsrelevant sind“, so Gotthard. Dazu gehöre vor allen Dingen die Optimierung der Beleuchtung an der Killingstraße 15 und 16 bis 20 sowie an der Sprickmannstraße 31 bis 41, die bereits komplett in Auftrag gegeben worden sei. Mit einer Umsetzung rechne man Ende des Jahres.

Auch die dringend notwendigen Sanierungen der Aufzüge und Heizungen an der Killingstraße 15 bis 31 seien bereits ausgeschrieben beziehungsweise in Auftrag gegeben. Die Dachsanierung der Häuser Killingstraße 16 bis 20 und Brüningheide 111 bis 121 würde sich anschließen.

Hausmeisterdienste kommen gut an

„Ab 2022 bilden vor allen Dingen die Fenster- und Fassadensanierung an der Killingstraße 15 bis 31 einen Schwerpunkt“, so die ZBI-Sprecherin. Zudem stünden dann weitere Aufzugsanlagen, Tiefgaragen, Parkdecks sowie eine Aufwertung des Gewerbebereichs Sprickmannplatz auf dem Programm.

„Es gibt viel zu tun“, bestätigte Ratsherr Thomas Kollmann (SPD). Auch er lobte „Transparenz und Kommunikationsbereitschaft“ des neuen Fondeigentümers. Auch die eingerichteten Hausmeisterdienste kämen gut an, und erste Sanierungserfolge seien sichtbar. „Aber auch die Bewohner der Brüningheide 65 bis 73 müssen bei den Maßnahmen bald berücksichtigt werden“, mahnte er an.

„Drei Jahresmieten gehen alleine für die Sanierung der Killingstraße 15 bis 31 drauf“, warb Anja Gotthardt um Geduld. Ab 2024 könnten weitere Maßnahmen geprüft werden, wozu auch die Brüningheide zähle.

Kommentar: Erste Erfolge sichtbar

Von 1972 bis 1978 wurden die Hochhäuser in der „Schleife“ errichtet. Zunächst als moderner Wohnungsbau gefeiert, entwickelte sich das Wohnquartier Brüningheide schnell zum Problemkind: anonymes Wohnen, dazwischen Tiefgaragen-Decks und vierspurige Asphaltpisten. Zwei Drittel der Häuser gerieten in die Hände großer Immobilienkonzerne, die vor allem an Gewinnmaximierung interessiert waren. Viele notwendige Sanierungen blieben auf der Strecke. Die ZBI-Gruppe – seit 2019 Fondeigentümer – verspricht die Wende: Aufzüge, Heizungen, Dächer, Fenster und Fassaden sollen aufwendig instand gesetzt werden. Erste Erfolge sind sichtbar, außerdem zeigt die ZBI Gesicht, eine Vertreterin stand Rede und Antwort bei der Bezirksvertretung Nord. So vielversprechend die Anfänge auch sein mögen: Abgerechnet wird am Schluss. Und ob die Versprechen eingehalten werden, werden Politik und Mieterorganisationen genau im Auge behalten.

Die Geschichte der Übernahme durch die ZBI-Gruppe

Was genau passierte im Juli 2019? Damals gingen 630 Wohnungen und einige gewerbliche Objekte in Kinderhaus von der BGP-Gruppe an den Immobilienfonds von ZBI und Union Investment über. Dies entspricht etwa zwei Dritteln des Häuserbestands in der Kinderhauser „Schleife“. Deutschlandweit hatten damals in einer beispiellosen Aktion etwa 16 000 Wohneinheiten den Besitzer entsprechend gewechselt. Die ZBI-Gruppe beschäftigt heute über 750 Mitarbeiter an 36 Standorten und verwaltet aktuell etwa 63 000 Wohn- und Gewerbeeinheiten. Seit der Übernahme gehört die BGP- zur ZBI-Gruppe. „Union-Investment“ wurde 1956 von 16 Privat- und Genossenschaftsbanken gegründet und ist Teil der „Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken-Raiffeisenbanken“. Die Hausverwaltung der Kinderhauser ZBI-Immobilien erfolgt durch die Konzerntochter ZBVV (Zentrale Boden Vermietung und Verwaltung GmbH).

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