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Coerder mahnt Personalknappheit in der Altenpflege an

Zu wenig Altenpflegekräfte: „Arbeit muss attraktiver werden“

Münster-Nord

Der Coerder Thiemo Kisnat weist auf die steigende Personalknappheit in der Altenpflege hin. Schon heute sei bereits knapp ein Viertel der Fachkräfte im ambulanten und stationären Bereich 56 Jahre und älter.

Thiemo Kisnat weist auf die Personalknappheit in der Altenpflege hin. Foto: privat

„Das Thema des demografischen Wandels kommt in der öffentlichen Wahrnehmung häufig zu kurz“, meint Altenpfleger Thiemo Kisnat aus Coerde. Dabei sei es von größter Bedeutung, vor allem im Bereich der Altenpflege.

Kisnat weiß aus jahrelanger Berufserfahrung zu berichten und hat als Mitglied der Grünen außerdem einen stellvertretenden Sitz im Sozialausschuss. Die Pflegeproblematik werde sich auch im Bezirk Münster-Nord gravierend auswirken, glaubt der Coerder.

So gebe es zwar gute Angebote für Seniorinnen und Senioren am Böckmannplatz in Sprakel sowie Senioren-Wohnungen der Zentrumserweiterung in Kinderhaus und die Tagespflegeeinrichtung Papst-Johannes-Stift in Coerde. Derartige Angebote seien jedoch immer schwerer zu realisieren, „wenn man künftig kaum noch Personal haben wird, um diese zu betreiben“, gibt Kisnat zu bedenken.

Demografischer Wandel hat große Bedeutung

Außerdem nähme die Bereitschaft ab, bei Neubaugebieten ambulante Senioreneinrichtungen einzuplanen. Und auch hier spiele die Furcht vor der Personalknappheit eine Rolle, wenn es darum geht, eine geeignete Trägerschaft zu finden.

In der Altenpflege sei schon heute knapp ein Viertel der Fachkräfte im ambulanten und stationären Bereich 56 Jahre und älter, erläutert Kisnat. In zehn Jahren seien viele beruflich Pflegende im Ruhestand. Es sei mehr als fraglich, ob dieser Verlust bei den aktuellen Ausbildungszahlen kompensiert werden könne, lege man den aktuellen kommunalen Pflegebedarfsplan zugrunde.

Und man müsse „zur Kenntnis nehmen, dass bereits im Jahr 2021 in NRW 24 000 Kolleginnen und Kollegen in der aktiven Pflege fehlten“, weiß Kisnat. Kaum vorstellbar sei, wie die Arbeit in den nächsten zehn Jahren noch zu schaffen sei, meint der Altenpfleger. Abhilfe könne nur ein Zuwachs an Pflegekräften bringen: „Die Arbeit muss attraktiver, mehr geschätzt und besser bezahlt werden“, so der Coerder. Und diese Erkenntnisse müssten auch in den münsterischen Pflegebedarfsplan eingehen.

Reformen seien verschlafen worden

Zwar würden aus dem kommunalen Pflegebedarfsplan sowie dem kommunalen Masterplan für altengerechte und inklusive Quartiere bereits viele Maßnahmen hervorgehen, die die Altenversorgung in Münster zukunftsfest machen sollen. Die Stadt Münster richte außerdem Foren und Arbeitsgruppen unter dem Dach der Konferenz für Alter und Pflege ein, um Dialog und Austausch zu fördern und neue Ideen zu kreieren, weiß der Altenpfleger.

Die berufliche Altenpflege sei jedoch auf bundespolitisches Handeln angewiesen. „In den zurückliegenden 16 Jahren wurden hier ein ums andere Mal wichtige Reformen verschlafen, so dass die berufliche Pflege perspektivisch nun denkbar schlecht aufgestellt ist“, sagt Kisnat. Von kommunaler Ebene aus sei dort kaum etwas zu erreichen. Dass die berufliche Pflege nicht schon jetzt zusammengebrochen sei, hat seiner Ansicht nach vor allem zwei Gründe: Erstens übernähmen viele Angehörige die Pflege ihrer Lieben selbst, die dadurch erst gar nicht im „System Pflege“ auftauchen würden.

Zweitens würden beruflich Pflegende oft über die Gebühr beansprucht und teilweise etwa zwei Wochen am Stück durcharbeiteten, um den Arbeitsausfall von erkrankten Kolleginnen und Kollegen zu kompensieren.Die Folgen seien vielfach körperliche und psychische Erkrankungen, die beruflich Pflegenden immer härter zusetzten. „Das zunehmende Alter des Pflegepersonals kommt hier erschwerend hinzu“, so Kisnat. Diese Situation sei unhaltbar. Abhilfe müsse schnell geschaffen werden.

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